Begehrter Acker: Oberhalb des Bosch-Firmengeländes bis zum Bahngleis will sich Porsche auf 15 Hektar ansiedeln. Foto: Kuhnle/Archiv

Der Sportwagenhersteller Porsche will in Schwieberdingen im Kreis Ludwigsburg hunderte Arbeitsplätze für die Montage von Autoteilen ansiedeln. Doch erst muss das Vorhaben in einem Bürgerentscheid bestätigt werden.

Ludwigsburg - Für die Anfrage, die auf seinem Schreibtisch liegt, ist Nico Lauxmann (CDU) kein Begriff zu groß. „Historisch“ nennt der Schwieberdinger Bürgermeister das, was die Firma Porsche in seiner Gemeinde plant, eine „entscheidende Weggabelung“, vergleichbar mit der Ansiedlung von Bosch vor 50 Jahren.

Konkret geht es um ein „Industrie-Quartier“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, das der Sportwagenbauer auf einem 15 Hektar großen Gelände zwischen der Bundesstraße 10 und der Bahnstrecke Stuttgart-Mannheim anlegen möchte. Die Produktionsversorgung und die Vorproduktion für E-Autos plant Porsche auf dem Areal, das direkt neben dem Firmengelände von Bosch liegt. Laut einem Unternehmenssprecher sollen in Schwieberdingen künftig Bauteile vorgefertigt werden, die dann zur Endmontage ins Werk nach Zuffenhausen gebracht werden. Zum Beispiel für das erste Porsche-Elektroauto, den Taycan. 700 neue, tarifgebundene Jobs würden demnach geschaffen.

Bisher ist das Gelände Ackerfläche

Die Lage des Gebietes in Schwieberdingen sei verkehrsgünstig, außerhalb eines Wohngebiets und in der Nähe zum Stammsitz in Zuffenhausen, sagt der Sprecher. „Wir bauen die Kapazitäten bei der E-Mobilität weiter aus.“

Bisher wird das Gelände, das Porsche im Blick hat, landwirtschaftlich genutzt. Das Areal ist im Jahr 2016 als Gewerbeschwerpunkt vom Verband Region Stuttgart in den Regionalplan aufgenommen worden. Es misst insgesamt 23 Hektar, Porsche würde also den Großanteil des künftigen Gewerbegebiets beanspruchen. Bosch hat bereits vor Jahren südlich davon rund 17 Hektar für eine mögliche Erweiterung seines Werks reserviert.

Schwieberdingen: Bürgermeister sieht „große Chance“

In Schwieberdingen ist man grundsätzlich angetan von den Porsche-Plänen, der Bürgermeister sieht „eine große Chance“ für seine Gemeinde und wähnt auch die Mehrheit des Gemeinderates hinter sich. Zumal sich auch Bosch auf seinem Gelände auf E-Mobilität konzentriert. So könne Schwieberdingen zu einem Zentrum dieser Technologie im Land werden, hofft man im Rathaus. Doch Lauxmann erklärt, es gebe auch „Argumente, die gegen den neuen Gewerbeschwerpunkt sprechen“, wie die Flächenversiegelung und den vermutlich zunehmenden Verkehr. Deshalb will er, auch wenn er das nicht müsste, einen Bürgerentscheid über die Frage abhalten, ob der Schwerpunkt realisiert werden soll oder nicht. Auch ein Datum dafür gibt es schon, den 14. Juli. Entscheiden darüber, ob die Bürger wirklich abstimmen dürfen, wird der Gemeinderat Ende des Monats.

Die Bürger haben das letzte Wort

Ausdrücklich werde die Frage bei einem möglichen Bürgerentscheid nicht damit verknüpft, dass die Firma Porsche auf dem Gelände große Pläne hat – „es geht um eine grundsätzliche Entscheidung über das Gewerbegebiet“, sagt Lauxmann. Bis dahin plant das Rathaus, zwei Infoveranstaltungen abzuhalten, um möglichst viele Bürger über die Vorhaben zu unterrichten. Lauxmann ist sich des Risikos, dass bei einem Nein zu dem Gewerbeschwerpunkt auch die Wünsche von Porsche obsolet wären, bewusst. Er hält einen Bürgerentscheid aber für „den besten Weg“, weil die mögliche Erweiterung noch in Jahrzehnten Auswirkungen haben werde.

Das Gelände ist noch in Privatbesitz

Der Porsche-Sprecher sagt, die Pläne der Gemeinde für einen Bürgerentscheid seien seinem Unternehmen bekannt. Wegen des Risikos, einen anderen Standort ins Auge zu fassen, plane man aber nicht.

Doch es gibt noch weitere Unwägbarkeiten: So befindet sich das komplette Gelände aktuell noch in Privatbesitz. Sollten die Schwieberdinger im Sommer also für das Gewerbegebiet stimmen, müsste das Rathaus erst mit rund 100 Eigentümern verhandeln und sie zu einem Verkauf bewegen. Bisher sei man auf die Grundstücksbesitzer noch nicht zugegangen, weil man die Entscheidung der Bürger abwarten wolle, erklärt der Bürgermeister. Über einen Zeitplan, wann Porsche tatsächlich nach Schwieberdingen kommen könnte, wollen daher weder das Rathaus noch der Sportwagenbauer sprechen.

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