Neu im Kino: „Stung“ Monsterwespen made in Ludwigsburg

Von Wolfram Hannemann 

Der perfekte Film zu Halloween: Riesige Killer-Wespen mischen eine Gartenparty auf in „Stung“, gedreht von Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie. Foto: Rat Pack
Der perfekte Film zu Halloween: Riesige Killer-Wespen mischen eine Gartenparty auf in „Stung“, gedreht von Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie. Foto: Rat Pack

Ludwigsburger Filmakademiker machen auf ganz unterschiedlichen Gebieten von sich reden. Nun haben zwei von ihnen, Regisseur Benni Diez und Produzent Benjamin Munz, den Horrorfilm „Stung“ um Monsterwespen gedreht, der es in die Kinos geschafft hat.

Stuttgart - Dieses Problem kennt jeder: Man bereitet an einem herrlich schönen Sommertag ein Mahl im Freien – und schon kündigt sich unliebsamer Besuch an. Der ist putzig klein, hat ein paar Flügel, aber stechende Argumente: Die Rede ist von Wespen.

Dieses Problem erscheint allerdings gering gegenüber dem Problem, mit dem sich die noble Gesellschaft bei einer steifen Gartenparty in dem von Benni Diez inszenierten Horrorstreifen „Stung“ auseinandersetzen muss. Denn dort sind die Wespen alles andere als klein. Ein illegal importierter und ausgelaufener Gartendünger hat die niedlichen Biester in zwei Meter große Monster verwandelt, die alsbald die schicke Gesellschaft so richtig aufmischen. Jetzt sind die beiden ­Catering-Mitarbeiter Paul und Julia ­gefragt, die als Einzige im großen ­Durcheinander noch die Nerven bewahren.

„Unser Drehbuchautor Adam Aresty hat früher selbst als Caterer bei Gartenpartys betuchter Leute gearbeitet, wurde von Wespen gepiesackt und fand die elitäre Gesellschaft ganz furchtbar“, erzählt Regisseur Benni Diez (36). So stellt das Drehbuch jetzt quasi seine persönliche Abrechnung mit dieser versnobten Klientel dar. Eingereicht hatte er es bei einem Schreibwettbewerb, der 2011 in Deutschland ausgerufen wurde mit dem Ziel, die besten Horrorfilmideen zu finden. Sein Drehbuch wurde aus über 1000 Einsendungen ausgewählt.

Die Wespen wurden als analoge Modelle gebaut

Als Inspiration für die Inszenierung dienten dem an der Filmakademie Baden-Württemberg ausgebildeten Diez klassische Horrorfilme wie „Formicula“ (1954) oder „Der weiße Hai“ (1975), also Filme, die nicht auf computergenerierte Effekte setzen, sondern auf analog gebaute Modelle, die ihren ganz eigenen Charme besitzen.

Und was wäre ein modernes „Creature Feature“ ohne die notwendige Portion Schleim? Wenn Caterer Paul beispielsweise eine Wespe in der Größe einer Vogelspinne mit einem Teller auf dem Tisch zerquetscht, dann kommt japanischer „Sexschleim“ zum Einsatz – ein ­intimes Detail, das Produzent Benjamin Munz (32) immer wieder gerne zum Besten gibt.

„Obwohl Deutschland mit Filmen wie ,Nosferatu‘ und ‚Metropolis‘ das Genre-Kino eigentlich erfunden hat, ist es heute nach wie vor nicht einfach, hierzulande einen solchen Film zu produzieren“, sagt der gebürtige Stuttgarter Munz, ebenfalls ein Ludwigsburger Absolvent. „Bedingt durch die Nazizeit und den langen Kalten Krieg ist viel Talent nach Amerika abgewandert, deshalb verfügt Deutschland filmhistorisch über gar keinen Hintergrund mehr im Genre-Bereich.“

Besonderen Wert hat Diez auf das Sounddesign gelegt

Munz gibt sich jedoch zuversichtlich, weil momentan eine neue Generation von Filmemachern heranwächst, die keinerlei Berührungsängste mit Genre-Filmen mehr hat. Was „Stung“ (Englisch für „gestochen“) bei der recht klischeehaft angelegten Story vermissen lässt, macht der Film mit seinen Spezialeffekten mehr als wett.

Entgegen dem Trend neuerer Horrorfilme, möglichst mit düsteren und farbreduzierten Bildern aufzuwarten, zeigt Diez Mut zur Farbe, „weil ein Kinofilm ja einen gewissen Schauwert bieten sollte“. Um das zu erreichen, wurden beim Digitaldreh mit einer ­Filmkamera vom Typ Arri Alexa sogar hochwertige anamorphe Optiken fürs Cinemascope-Format verwendet – eine Seltenheit im Low-Budget-Bereich. Im Gegensatz zu digitalem Einheitslook gibt es hier Technicolor-Flair. Besonderen Wert hat Diez auch auf das Sounddesign gelegt. Wenn die Monsterwespen zum Angriff blasen, kommen die im Kinosaal verbauten Subwoofer ins Schwitzen. „Wir hatten das Glück, im Tonstudio Stage One bei Arri in München zu mischen“, sagt der Regisseur, „da hat man genau die Mischumgebung, mit der man in diese Frequenzgänge hineinhören und sie sehr präzise setzen kann. Das macht richtig Spaß, und man weiß auch gleich, an welchen Stellen das Publikum durchgeschüttelt wird!“

Mit Lance Henriksen in der Rolle eines Partygastes gelang Benni Diez ein kleiner Besetzungscoup, mit dem er sich einen lang gehegten Traum erfüllt hat: „Für einen ‚Aliens‘-Fan wie mich ist es einfach genial, dass der Mann, der damals den Androiden Bishop verkörperte, gleich in meinem ersten Langfilm mitspielt!“ Durch unzählige Horror-, Science-Fiction- und Fantasy-Filme ist Henriksen zu einer festen Institution im Genre-Kino geworden und erfreut sich einer großen Fangemeinde. Dieser wiederum dürfte sein Auftritt in „Stung“ ganz besonders gefallen, ist er doch als eine Art Hommage an seine vielen Rollen angelegt.

“Stung“ hat auch eine romantische Komponente

Gedreht wurde der in den USA spielende Film auf deutschem Boden, aber in englischer Sprache, um ihn auf dem Weltmarkt anbieten zu können. „Ich hätte mir auch vorstellen können, den Film auf Deutsch zu drehen und in einem bayerischen Bergdorf spielen zu lassen, aber dann hätten wir keine Geldgeber gefunden“, sagt Diez mit ein ­wenig Bedauern.

Pünktlich zu Halloween startet der Wespenfilm jetzt in den Kinos. So hoffen Regisseur und Produzent nicht nur, dass sich ihr Film als actionreiche Ouvertüre zu einer ­gelungenen Halloween-Party empfiehlt, sondern sich dank der enthaltenen romantischen Komponente auch als perfektes „Date Movie“ qualifiziert. „Nach dem Ende des schauerlichen Films ist man so richtig aufgekratzt, geht mit Freund oder Freundin nach Hause und mag sich dann vielleicht sogar noch mehr als vorher“, wünscht sich Diez – mit einem breiten Grinsen und einem Funkeln in den Augen.

Lesen Sie jetzt