„Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“ ist leichtes Unterhaltungskino zu Neujahr – einmal abgesehen vom Kater-Faktor. Am 2. Januar kommt die Tragikomödie ins Kino.
Die Silvester-Party ihrer Clique macht Ellen mehr traurig als Spaß: Ihre Flamme Sebastian (Ronald Zehrfeld) feiert zwar mit, weicht aber seiner Frau Eva (Antje Traue) nicht von der Seite. Die ahnt natürlich nicht, dass Sebastian mit Ellen (Laura Tonke) ins Bett geht. Natalie (Jasmin Shakeri) ist dagegen eingeweiht und nicht erfreut über die Affäre innerhalb der Clique. Natalie nagt ihrerseits am Beziehungsstress mit Freundin Maya (Katia Fellin), die sich im Gegensatz zu Natalie unbedingt Kinder wünscht. Bei Mareike (Annette Frier) und Adam (Trystan Pütter) sieht Natalie, wie Ehe und Elternschaft die früher liebevolle Beziehung zwischen zwei Menschen zermürben kann, bei Rolf (Nicholas Ofczarek) und Dina (Pegah Ferydoni) erlebt die Gruppe dagegen den Funkenflug zweier frisch Verknallter.
Tragikomische Romanze von David Dietl
Uff, es steckt fast zu viel Liebesklüngel in David Dietls tragikomischer Romanze „Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“. Menschen, die mit pochenden Schläfen des Jahreswende-Katers Lust haben auf Herzschmerz, Taschentuchalarm und Schmunzelmuskelanimation, könnte das oberflächlich verwickelte, letztlich seichte Beziehungs-Durcheinander jedoch gute Unterhaltung bieten.
Mit frischem Kopf und klaren Augen betrachtet ist der Film allerdings ein kleines Ärgernis. Einmal abgesehen von den extrem konstruierten Beziehungskisten wirken die Figuren wie am Reißbrett entworfen, immerhin glaubwürdig zum Leben erweckt vom namhaften Ensemble. Ronald Zehrfeld gibt den sexy Bär von Mann, der mit Ellen munter in die Kiste springt, aber gar nicht merkt, dass er ihr mit seiner Unverbindlichkeit einen Pfahl ins für ihn entflammte Herz rammt. Nicholas Ofczarek mimt dagegen den hypersensiblen Frauenversteher, der in Dina das passende Pendant findet. Umso grausamer wird bei ihm das Schicksal zuschlagen.
Wille zur kassenträchtigen Massenwirkung
Der Ehezank zwischen Mareike und Adam ist anfangs lustig, dann vorhersehbar bitter. Die Findungsschwierigkeiten des lesbischen Eltern-Paars sollen den Film auch in Sachen Diversität hieb- und stichfest machen. Im Zusammenhang wirkt all das, als habe jemand ChatGPT mit aktuellen Buzzwords gefüttert, um so den perfekten Matsch für ein möglichst breit gefächertes Publikum zu erhalten. Dieser Wille zur kassenträchtigen Massenwirkung zieht sich bis ins aalglatt durchgestylte Set- und Kostümdesign. Die Wohnungen sehen aus, als seien sie aus den Katalogen deutscher Deko-Boutiquen und mittelständischer Möbelhäuser eingerichtet. In manchen Szenen passen sogar die Blusenfarben der Protagonistinnen dazu, wenn sich trendiges Senfgelb zu schickem Petrolblau gesellt. Wenn sich die von Leben und Liebe gebeutelte Clique im Jahreskreis zu verschiedenen Festen versammelt und zu guter Letzt durch einen tragischen Verlust die eigene Existenz und das gemeinsame Beisammensein zu schätzen lernt, mag das ein Happy End wie aus der Rechenmaschine sein. Berührend oder kreativ ist das nicht.
Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns! Regie: David Dietl. Mit Laura Tonke, Ronald Zehrfeld, Annette Frier. 107 Minuten. Ab 12 Jahren.