Der kleine Rabe Socke ist zurück auf der Kinoleinwand. Foto:  

Das Trickfilmland Baden-Württemberg kann nicht nur 3-D-Animationen, sondern auch klassischen Zeichentrick. Neuestes Beispiel ist die Waiblinger Produktion „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“.

Waiblingen - Im Rennfahren ist der kleine Rabe Socke Weltklasse. Für ihn ist daher glasklar, dass er am großen Wagenrennen teilnehmen muss. Dazu kommt noch ein zweiter Faktor: Socke hat – selbstverständlich aus Versehen – die Vorratskammer der Waldtiere zerstört. Die Marmeladengläser, Kürbisse und Äpfel sind in den Fluss gekullert. Nun droht dem ­frechen Vogel und seinen Freunden der winterliche Hungertod. Da kommt das Wagenrennen gerade recht: Mit den hundert Goldtalern Preisgeld will Socke neue Vorräte kaufen. Doch zunächst muss er ein rasantes Rennen bestreiten – und gewinnen.

„Das große Rennen“ ist bereits das zweite Kino-Abenteuer um den kleinen Raben mit der rot-weißen Ringelsocke. Beim Stuttgarter Trickfilm-Festival feierte der Film im Frühjahr Premiere. An diesem Donnerstag kommt er in die Kinos.

„Socke ist ein extrem guter Charakter, weil er Biss hat“, sagt Ute von Münchow-Pohl, die zusammen mit Sandor Jesse Regie geführt hat. „Er lügt und manipuliert, aber er hat das Herz am rechten Fleck.“ Im konkreten Fall heißt das: Socke versucht, sein Malheur zu vertuschen – gleichzeitig möchte er seinen Fehler aber auch wieder ausbügeln. Damit sei der kleine Rabe eine Figur, die auch für Erwachsene funktioniere, sagt Münchow-Pohl: „Er zeigt Emotionen, die jeder von sich selbst kennt. Durch ihn kann man sich mit den eigenen Charakterzügen beschäftigen und sich mit ihnen aussöhnen.“ Außerdem gebe Socke nicht einfach auf – „auch das kann man von ihm lernen.“

„Bremsen ist für Weicheier“?

Die Kernbotschaft des Films ist aber noch eine andere. „Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so“, singt der Rabenjunge, „jeder soll so sein, wie er ist.“ Aussagen wie diese machen „Das große Rennen“ zu einem didaktisch wertvollen Film, zur Hommage an die gegenseitige Akzeptanz und die Freundschaft.

Doch es kommen auch einige unstimmige Details vor. „Bremsen ist für Weicheier“ und „Wer bremst, verliert“, ruft Socke, während er mit seinem besten Freund, dem Bär Eddi, die Waldhügel hinabdüst. Weibliche Protagonisten spielen in dem Film zudem nur eine Nebenrolle: gerade einmal die Mutterfigur Frau Dachs und das Bibermädchen Fritzi – die selbst nicht am Rennen teilnehmen darf – hinterlassen einen bleibenden Eindruck. „Die Socke-Welt ist einfach so“, sagt von Münchow-Pohl. „Starke Frauen sind darin nicht vorgesehen.“ Wie der erste Film basiert auch „Das große Rennen“ auf den Büchern von Nele Moost und Annet Rudolph.

Produziert wurde „Das große Rennen“ in Waiblingen von Akkord Film – mit Unterstützung der MFG-Filmförderung. Die Fäden für die Durchführung hielt Sebastian Runschke als Geschäftsführer der Seru Film Produktion GmbH in der Hand. Runschke war bereits am ersten Teil der Socke-Saga beteiligt – und ist auch jetzt zufrieden. „Die gemalten Hintergründe sind kleine Kunstwerke geworden. Insgesamt ist es eine sehr runde, stimmige Umsetzung“, sagt der Executive Producer. Man habe die Erfahrungen aus der ersten Produktion einfließen lassen können und sich von 80 auf 150 Prozent gesteigert: „Mit jedem Jahr, das man mit einem Charakter verbringt, lernt man ihn besser kennen.“

Knappe Geldmittel: entspannt war die Produktion nicht

Beim ersten Teil ist Runschke mit einigen Hintergrundbildern nicht zufrieden. Sie seien nicht so homogen in der artistischen Umsetzung gewesen. „Socke zwei ist aus einem Guss – die Handlung spielt auf einer durchgängig hochwertigen Bühne“, sagt er. In seiner Lieblingsszene verfährt sich der kleine Rabe während des Rennens in einer Höhle: „Mitten am Tag ist es dunkel, dann tauchen auf einmal Glühwürmchen auf. Das ist auch visuell ein toller Moment.“

Allerdings: Mit einem größeren Budget sei auch da noch mehr herauszuholen gewesen. „Wir haben einen schönen Film produziert. Aber ich kann in keiner Weise sagen, dass es entspannt war“, so der Executive Producer. Man habe sehr gut haushalten müssen. Eine weitere Herausforderung: „Wir mussten schauen, dass es auch im zweiten Teil spannend bleibt und wir den Kindern etwas bieten – sie sind ein anspruchsvolles Publikum.“ Trickfilme für Erwachsene zu produzieren, könnte sich Runschke ebenfalls sehr gut vorstellen. Derzeit sieht er allerdings keinen Anlass, das Genre zu wechseln: „Wir wollen unser Knowhow weiter ausbauen.“ Gerne auch mit einem dritten Socke-Abenteuer.

„Socke“ ist wichtig für Baden-Württemberg

Den klassischen 2-D-Trickfilm sieht Runschke als eine Bereicherung für das Trickfilm-Land Baden-Württemberg. Mit aufwendigen 3-D-Animationen wie „Die Biene Maja“ oder dem 1982 gegründeten Trickfilm-Festival – inzwischen eine der größten Veranstaltungen des Animationsfilms weltweit – gilt der Südwesten schon lange als Hochburg des Trickfilms in Deutschland. Auch dank der Filmakademie in Ludwigsburg und deren Animationsinstitut, dessen Leitung im April Andreas Hykade („Nuggets“) übernommen hat.

Gerade weil sich der Schwerpunkt immer mehr zum 3-D-Film verlagert, 2-D-Produktionen nicht mehr so oft gedreht werden, ist Runschke der Ansicht, dass „Socke“ dem Standort sehr gut tut. „Die Künstler und die Macher brechen weg. Das Projekt zeigt, dass das Handwerk da ist – das ist wichtig, um auch weiterhin 2-D-Animationsprojekte in Baden-Württemberg durchführen zu können“, sagt der Executive Producer.

Ob es einen dritten Socke-Film geben wird, steht noch in den Sternen. Regisseurin Münchow-Pohl wäre dafür in jedem Fall zu haben. Es sei durchaus ein Thema, über das nachgedacht werde, sagt ebenso Executive Producer Runschke: „Aber das hängt auch davon ab, wie Teil zwei angenommen wird – schafft er es, die Zuschauer genauso zu begeistern wie der erste Teil?“ Dank dem spannenden Plot und der liebevollen Aufmachung dürfte das sehr wohl der Fall sein.