Für die Einrichtung der Infrastruktur braucht Neckarcom noch Zeit. Foto: Jens Noll

Der Filderstädter Gemeinderat entscheidet sich dafür, Neckarcom mit der Netzmodernisierung zu beauftragen. Die Firma benötigt allerdings acht Monate dafür.

Harthausen - Die Firma Neckarcom wird das schnelle Internet nach Harthausen bringen. Wie berichtet, hat das Tochterunternehmen der EnBW Regional AG bei einer Ausschreibung der Stadt das einzig zulässige und günstigste Angebot für den Ausbau des Glasfasernetzes im Südosten Filderstadts abgegeben. Neckarcom wird Glasfaserleitungen nach Harthausen verlegen, die Stadt zahlt dafür einen Zuschuss von 34 000 Euro. Am Montag fasste der Gemeinderat einstimmig den Beschluss.

Bereits bei den Vorberatungen Mitte April hatte sich der Technische Ausschuss für eine Vergabe der Arbeiten an Neckarcom ausgesprochen. Danach kamen bei Harthausener Bürgern Befürchtungen auf, dass die Firma zukünftig eine Monopolstellung haben könnte und nur die Kunden Zugang zum schnellen Internet bekommen, die einen Vertrag mit der Neckarcom abschließen. Dem widersprach Bürgermeister Reinhard Molt am Montag. „Jeder Nutzer kann bei seinem jetzigen Anbieter bleiben“, sagte er. Künftig werde es unterschiedliche Modelle mit unterschiedlichen Leistungen geben. „Es wird niemand gezwungen, zu Neckarcom zu wechseln“, sagte Molt.

Das Unternehmen hat der Stadtverwaltung eine schriftliche Zusage gegeben, dass es seine Leitungen künftig auch anderen Internetanbietern zur Verfügung stellt. Vertragliche Vereinbarungen zwischen den Anbietern regeln die Nutzung. Einen Wermutstropfen gibt es für die Harthausener allerdings: Wie Molt berichtete, werde es noch acht Monate dauern, bis die Netzinfrastruktur mit der höheren Leistung zur Verfügung steht.

“Wir machen einen Riesenschritt voran“

„Was wir hier beschließen, ist erklärungsbedürftig“, stellte Stadtrat Matthias Gastel (Grüne/FFL) fest. Ein Recht auf einen Anschluss wie beim Festnetztelefon gebe es beim Internet leider noch nicht. „Es gibt eine Rosinenpickerei bei den Anbietern, deshalb muss die Stadt eingreifen“, sagte Gastel.

„Wir müssen uns an die rechtlichen Rahmenbedingungen halten“, sagte Walter Bauer (SPD). Seiner Rechnung nach befassen sich die Stadträte seit acht Jahren mit dem Ausbau des DSL-Netzes im Stadtgebiet. „Natürlich hätte manches schneller laufen können“, meinte er. „Aber wir machen jetzt einen Riesenschritt voran.“ Wie Johannes Jauch (FDP) sagte, könne man nun eine Verbesserung zu einem Preis erreichen, der unter dem liege, den man noch vor einigen Jahren angenommen hatte. „Es ist wichtig, dass alle Ortsteile eine zukunftssichere Infrastruktur haben“, sagte Richard Briem (FW) und forderte wie die anderen Stadträte auch eine Verbesserung der Versorgungslage in Sielmingen. „Der gesamte Stadtteil Sielmingen ist schlecht versorgt“, sagte Christoph Traub (CDU).

Aufgrund der unterschiedlichen Versorgungslagen in Sielmingen hat die Breitbandberatung Baden-Württemberg dort drei Teilbereiche definiert. Welche Angebote für einen Netzausbau im Bereich Emerland vorliegen, wird die Verwaltung in der nächsten Sitzung des Technischen Ausschusses öffentlich erläutern. Die Erfordernisse im Südwesten Sielmingens werden laut Tiefbauamtsleiter Norbert Branz derzeit geprüft. „In Sielmingen-Nordost sieht die Lage nicht so dramatisch aus“, sagte Branz.

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