Wann wird das Funkloch in Ehingen gestopft? Foto: picture alliance/dpa

Wer in Bahnhofsnähe im Internet surfen will, hat Pech. Dass dort das Netz schwach ist, ist bekannt. Es gibt auch Gespräche für einen Mobilfunkmast, aber diese stocken.

Wer in der S-Bahn zwischen Böblingen und Herrenberg unterwegs ist, bemerkt beim Blick aufs Handy, wohin er gerade fährt: Internetseiten laden in der Nähe des Ehninger Bahnhofs nur noch langsam – zumindest dann, wenn das Gerät nicht mit dem WLAN der Deutschen Bahn verbunden ist, sondern auf mobile Daten zurückgreift. Ein Funkloch? Direkt am Verkehrsknotenpunkt Bahnhof?

 

Karten zur Netzabdeckung lassen an dieser Stelle nicht unbedingt ein Funkloch vermuten – unabhängig vom Anbieter. Eine Nachfrage bei der Telekom ergibt allerdings: „Ja, die genannte Stelle am Bahnhof von Ehningen ist uns bekannt“, lässt eine Sprecherin des Unternehmens wissen. Die vorhandene Versorgung reiche nicht mehr aus, um dem gestiegenen Bedarf nach mobilen Daten, beispielsweise von Pendlern in den Nahverkehrszügen, gerecht zu werden.

Und weiter: „Bereits seit Jahren möchten wir hier unser Mobilfunknetz mit einem neuen Standort verstärken“, teilt die Sprecherin außerdem mit. Passiert ist bislang allerdings nicht. Offenbar gibt es Schwierigkeiten bei der Abstimmung zwischen Gemeinde und Telekom, die durchaus Initiative gezeigt hat.

Bereits im Jahr 2023 hatte die Telekom mithilfe von Plakaten Bürgerinnen und Bürger gesucht, die ein passendes Grundstück für einen Funkmast in Bahnhofsnähe zur Verfügung stellen könnten; gerne auch Dächer. Dort zu bauen wäre offenbar kein Problem gewesen – Masten auf Dächern sind demnach in der Regel zehn Meter hoch und wären bis zu einer Höhe von 15 Metern ohne Baugenehmigung möglich.

Und das Telekommunikationsunternehmen hat sogar bereits Flächen ausgeguckt: „Unweit des Bahnhofes gibt es kommunale Flächen, welche sich sehr gut für einen neuen Mobilfunkstandort oder auch einen Dachaufbau eignen würden“, schreibt die Sprecherin. „Mehrfach haben wir in der Vergangenheit bei der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit zur Nutzung dieser Flächen angefragt, haben jedoch leider stets Ablehnungen für unser Anliegen erhalten.“ Das Interesse an einem Standort bestehe vonseiten des Unternehmens aber weiterhin.

Gespräche mit mäßigem Erfolg

Die Gemeinde bestätigt auf Nachfrage, dass es Gespräche mit der Telekom gegeben habe. Diese lägen aber bereits einige Zeit zurück. „In den vergangenen Monaten hat es keine konkrete Kontaktaufnahme oder Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung gegeben“, teilt Ehningens Sprecherin, Ines Brunenberg, per Mail mit.

„Grundsätzlich steht die Gemeinde dem Ausbau des Mobilfunknetzes offen gegenüber“, betont sie, führt aber aus, wie kompliziert der gesamte Prozess für die Kommunen sei. Beim Mobilfunkausbau seien viele verschiedene Akteure beteiligt. Brunenberg zählt Netzbetreiber wie die Telekom, Akquisiteure und Infrastrukturanbieter wie die Deutsche Funkturm, eine Tochter der Telekom, die die Antennen betreibt, auf. „Das erschwert für Kommunen den Überblick über konkrete Vorhaben“, sagt Brunenberg. Man habe deshalb die Unternehmen gebeten, ihre Bedarfe gebündelt an die Gemeinden heranzutragen.

Eine Plattform, um über genau solche Anliegen zu sprechen, bietet im Kreis Böblingen der Zweckverband Breitbandausbau, der unter anderem Kommunen und Netzbetreiber zusammenbringt. Die Möglichkeit zum Austausch haben die Telekom und die Gemeinde Ehningen bei einem Treffen des Zweckverbands im April offenbar genutzt – allerdings auch das mit eher mäßigem Erfolg, wie die Äußerungen der beiden Sprecherinnen nahe legen.

So richtig passiert nichts

Bei der Veranstaltung habe sich gezeigt, dass die Bereitschaft der Netzbetreiber, ihre Prozesse stärker auf Kooperation mit den Kommunen auszurichten, bislang gering ist, heißt es etwa von der Ehninger Sprecherin. Die Telekom-Sprecherin wiederum berichtet, dass sie das Thema Netzabdeckung rund um den Ehninger Bahnhof bei der Veranstaltung angesprochen hätten. „Leider ohne Erfolg.“ Stichwort „komplizierter Gesamtprozess“: Offenbar wollen beide Seiten, aber so richtig passiert nichts. Während sich die Kritik der Gemeinde an die Netzbetreiber im Allgemeinen und nicht nur an die Telekom richtet, bleibt unklar was genau zum Thema Ehninger Bahnhof auf der Veranstaltung besprochen wurde.

Klar wird nur: Auf kommunalen Flächen rund um den Ehninger Bahnhof steht wohl so bald kein Funkmast. In diesem Bereich sei die Gemeinde derzeit wegen der geplanten städtebaulichen Neuordnung zurückhaltend mit langfristigen Standortentscheidungen, so Brunenberg. Das Internet bleibt also erst mal zäh in Bahnhofsnähe.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Telekom und Ehningen aber auch klappen kann, zeigt ein anderes Beispiel. Die Telekom plant einen 40 Meter hohen Masten am südwestlichen Rand der Gemeinde, das Grundstück dafür hat laut Brunenberg die Gemeinde vermittelt. Die Sendeweite des neuen Masts reicht allerdings laut Telekom-Sprecherin nicht bis zum Bahnhof, sondern soll vor allem die Versorgung entlang der Autobahn sicherstellen. Bis er in Betrieb geht dauere es allerdings auch mindestens noch ein Jahr.