Eine Telefonleitung zu reparieren, ist kompliziert. Auch der Weg zum schnellen Internet ist kompliziert, wie die Stadträte nun erfahren mussten. Foto: Archiv Jens Noll

Im Dezember soll mit der Verlegung der neuen Glasfaserstrecke nach Harthausen begonnen werden. Für den Südwesten Sielmingens gibt es noch keine Angebote zum Netzausbau.

Filderstadt - Schnell und einfach zum superschnellen Internet – was die Werbung verspricht, ist in Wahrheit gar nicht so einfach. Wenn die Infrastruktur erst noch ausgebaut werden muss, dann ist das Surfen mit hoher Geschwindigkeit noch weit mehr als einen Mausklick entfernt.

Diese Erfahrung machen derzeit Menschen in Sielmingen und Harthausen, die sehnlichst auf das schnelle DSL warten. Einen aktuellen Sachstandsbericht hat Waldemar Weiss von der Breitbandberatung Baden-Württemberg am Montag im Technischen Ausschuss gegeben.

Mit der Firma Neckarcom gibt es einen Anbieter, der eine Glasfaserleitung nach Harthausen legt. Für den Bereich Emerland in Sielmingen kann die Deutsche Telekom die notwendige Technik für schnelles Internet bereitstellen. Für den Ausbau im Südwesten Sielmingens habe die Stadt jedoch bei einer ersten Ausschreibung kein verfahrenskonformes Angebot erhalten, berichtete Weiss.

Neue Ausschreibung gestartet

„Wir haben ein neues Verfahren nach Breitband-Richtlinie 2012 gestartet“, sagte Weiss. Bei diesem Verfahren kann die Stadt die flächendeckende Versorgung eines Gebiets mit schnellem Internet ausschreiben und dafür eine Beihilfe von bis zu 150 000 Euro gewähren. Zum Vergleich: Den Ausbau des Glasfasernetzes durch die Neckarcom subventioniert Filderstadt mit 34 000 Euro, den Ausbau durch die Telekom im Emerland mit rund 26 000 Euro.

Der Breitband-Experte hat Zweifel, ob die zweite Ausschreibung für Sielmingen-Südwest erfolgreich sein wird. Er erklärte auch, warum dort der Netzausbau aufwendiger ist als im Emerland: „Ich muss mindestens drei Standorte mit Glasfaser erreichen“, sagte Weiss. „Das ist Tiefbau, das treibt die Kosten in die Höhe.“

Tiefbauarbeiten sind auch nötig, um die neue Glasfaserstrecke nach Harthausen zu legen. Geplant sei aber eine gemeinsame Trassenführung mit einer neuen Wasserleitung, sagte Norbert Branz, der Leiter des Tiefbauamts. Der Baubeginn sei für Anfang Dezember vorgesehen, so Branz. Bei geeigneter Witterung könnte die neue Leitung bis Anfang des Jahres fertig sein. Im Januar oder Februar sollen laut Neckarcom die ersten Computer ans schnelle Netz gehen.

Bürger sollen auf den Wunschanbieter zugehen

Wie bei einer Informationsveranstaltung Ende September bekannt wurde, müssen Harthäuser Bürger einen Vertrag mit der Neckarcom abschließen, um das schnelle Internet nutzen zu können. Laut Weiss ist es eine individuelle unternehmerische Entscheidung jedes Wettbewerbers, ob er Kapazitäten der EnBW-Tochter mitbenutzen möchte. Sein Tipp: „Fragen Sie Ihren Anbieter, welche Pläne er im Stadtteil hat.“ Bürgermeister Reinhard Molt riet den Bürgern, auf ihren Wunschanbieter zuzugehen. So könne man Druck auf Drittanbieter machen, damit auch sie bessere Leistungen in Harthausen bereitstellen.

„Wir waren davon ausgegangen, dass das ganze einfacher wird“, sagte Matthias Gastel (Grüne/FFL) etwas resigniert über die Entwicklungen nach der Vergabe der Arbeiten an die Neckarcom. „Bei der Vergabe waren wir schon davon ausgegangen, dass man sich den Anbieter aussuchen kann“, meinte Rolf Kurfess (Freie Wähler). „Die Erwartungshaltung war, dass es schnell und einfach geht“, sagte auch Johannes Jauch (FDP), der sich über den späten Beginn der Bauarbeiten ärgerte.

„Uns war klar, dass damit Tiefbaumaßnahmen verbunden sind“, entgegnete Molt. Der Sozialdemokrat Walter Bauer lieferte noch eine Erklärung, warum aus seiner Sicht die Erwartungen der Ratskollegen nicht so einfach erfüllt werden: „Wir haben einen privatisierten Markt“, sagte er.

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