Eine auseinandergefallene Familie: Vivian (Erinn Hayes), Gad (Gad Elmaleh, Mitte) und Sohn Luke (Jordan Ver Hoeve) Foto:  

In „Huge in France“ macht sich der französische Komiker Gad Elmaleh über sich selbst lustig. Er spielt einen Pariser Superstar, der in den USA als Niemand behandelt wird.

Stuttgart - In Paris tritt Gad regelmäßig im völlig ausverkauften Olympia auf: Er ist der beliebteste Komiker Frankreichs. Am Flughafen in Los Angeles wird er, weil er ohne Rückflugticket ins Land kommt, erst mal als verdächtiges Subjekt behandelt, einschließlich pedantischer Untersuchung seiner Körperöffnungen. Auf die völlige Wertlosigkeit seines heimischen Ruhms wird er in der Netflix-Serie „Huge in France“ von nun an andauernd gestoßen.

Auch wenn er sein Smartphone zückt und den Menschen ein imposantes Video seiner Großauftritte zeigt, zucken die nur mit den Schultern. „Aber das ist nur in Frankreich, oder?“ ist noch die freundlichste Reaktion. Will heißen, „Superstar in Frankreich“ übersetzt sich ins Amerikanische als „noch irgend so ein Penner“.

Der harte US-Markt

Dass Gad Elmaleh, in Realität einer von Frankreichs Topkomikern, sich als Produzent, Autor und Hauptdarsteller in seiner ersten Netflix-Serie so gadenlos demontiert, zeugt nicht nur von viel Selbstironie. Es ist auch eine sehr ulkige Art, die Frage vorzubringen, ob die vielen internationalen Produktionen des rasch wachsenden Streamingdienstes Netflix auf dessen amerikanischem Hauptmarkt eigentlich irgendeine Chance haben.

„C’est Gad“ kündigt der Eitle sich selbst immer wieder an, und stutzt, dass der gewohnte Sturm der Selfie-Wünsche ausbleibt. Er muss lernen, dass er mit diesem Spruch in L. A. an keiner Warteschlange vorbeikommt.

Gad stört die Lebenshilfe

Zum Glück will Gad gar nicht den US-Markt erobern. Er ist privat hier, er will die abgerissene Beziehung zu seinem Sohn wieder anknüpfen. Der ist vor Jahren schon mit seiner Mutter, einer Amerikanerin, zurück in die USA gezogen. Die Sterne stehen nicht günstig für eine Versöhnung. Gads Ex-Frau Vivian (Erinn Hayes), mit den arktischen Herzenswärmewerten von Heidi Klum gesegnet, hat ihre eigene Karriere auf dem öffentlichen Abschlachten von Gad in mehreren Lebenshilfebüchern aufgebaut. Mittlerweile lebt sie von ihrem Abnabelungs-Guru-Image, Gad stört also nur. Auch den Sohn Luke, der hart an seiner Modelkarriere arbeitet und Gad gleich mal mit dem Satz „Ich spreche kein Französisch“ abfertigt.

Auch wenn sich „Huge in France“ über das unheilbare Celebrity-Fieber in L. A. lustig macht und am Beispiel von Vivians Lebensgefährten Jason (Matthew Del Negro) das Elend der Kleinschauspieler gallig abhandelt, es geht immer stärker um ernste Themen: um den Sinn der Arbeit, den Wert des Ruhms, die Pflicht zur Anteilnahme. Nicht schlecht für eine spöttische Gagparade.

Verfügbarkeit: Alle acht Folgen beim Streamingdienst Netflix abrufbar

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