Ein mit Strohballen gedämmtes Haus entsteht in Holzmaden. Gebaut wird es vom Neidlinger Zimmereibetrieb Peter Hepperle, der Spezialist für ökologisches Bauen ist.
Der Duft von frischem Holz liegt in der Luft. Zimmermeister Tim Hepperle nimmt einen Strohballen in die Hand und platziert ihn im Hohlraum zwischen den Holzbrettern eines Dachelements. Ein hoher Stapel solcher rund sechs Meter langer Bauelemente wartet bereits fertig vorbereitet auf den Einbau in einem ganz besonderen Bauprojekt.
Es geht um das Strohballenhaus, das Tim Hepperle zusammen mit Bruder Jan in der Mitte von Holzmaden baut. Auch die Planerin, Architektin Johanna Juriša, stammt aus dem Ort. Sein Innenleben aus Stroh sieht man dem Wohn- und Geschäftshaus in Holzrahmenbau, dessen unterstes Geschoss aus Beton besteht, auf den ersten Blick nicht an, denn längst sind die mit Strohballen gefüllten Wände in Holzständerbauweise beplankt.
Ökologische Materialien benötigen wenig Energie bei der Herstellung
Auch auf der Baustelle riecht man das Holz. „Das ist die ökologischste Art zu bauen“, erklärt der Zimmermeister und Restaurator Peter Hepperle, der Vater der beiden Bauherren und ein Pionier des Strohballenhausbaus im Kreis Esslingen beim Rundgang. Immerhin falle bei dieser Bauweise im Vergleich zu Gebäuden aus Stein, Zement und Beton nur wenig graue Energie an.
Als graue Energie bezeichnet man die Primärenergie, die notwendig ist, um ein Gebäude zu errichten, und die Rechnung beinhaltet alle Materialien rund um Herstellung und Verarbeitung von Bauteilen, deren Transport und schließlich auch die Entsorgung. Positiv seien auch die kurzen Wege, auf denen das Material zu ihrem Holzbaubetrieb gelangen.
So stamme das Holz aus dem Schwarzwald, das Stroh sei sogar aus heimischem Anbau und am Ende seiner Nutzungszeit könne man das verwendete Naturmaterial ohne großen Aufwand entsorgen, auch das überzeugt das Vater-Söhne-Gespann.
Handwerker aus dem Kreis Esslingen hat keine Angst vor Nagetieren oder Brandgefahr
„Ich verarbeite grundsätzlich keine Glaswolle, sondern nur nachwachsende Rohstoffe“, ergänzt Tim Hepperle, der den Bau von Strohballenhäusern im väterlichen Betrieb als konsequente Entwicklung betrachtet und das gute Raumklima lobt, das in so einem Gebäude herrsche.
Stroh als Dämmmaterial habe den Vorteil, dass die Luft, die bekanntermaßen wichtig ist für die Wärmedämmung, natürlicherweise durch die Halmstruktur gegeben sei, erläutert Zimmermeister Tim Hepperle, der noch ein Studium in Holzbauprojektmanagement draufgesattelt hat. Und Angst vor Mäusen und eine erhöhte Brandgefahr müsse man auch nicht haben, denn die Strohballen würden vor dem Einbau mit einer Presse verdichtet, was nicht nur die Dämmwirkung erhöhe, sondern auch dafür sorge, dass kein Lebensraum für Nager entstehe. Überdies würden die Elemente von beiden Seiten mit OSB- oder Holzfaserplatten beplankt und seien damit gut abgedichtet.
Auch auf der Schwäbischen Alb hat der Handwerksbetrieb schon gebaut
Das Verdichten wirke sich auch auf die Entflammbarkeit aus. Während loses Stroh leicht entflammbar ist, würden bei Strohballen durch die Pressung die Halme von der Sauerstoffzufuhr abgeschlossen und dadurch gelte das Material als normalentflammbar, ist auf der Seite des „Deutschen Dachverbands Strohballenbau“ mit Sitz im niedersächsischen Verden zu lesen.
Einen KfW-40 Standard – das bedeutet, dass das Gebäude nur 40 Prozent der Primärenergie eines vergleichbaren Neubaus benötigt – streben Hepperles bei diesem Bauprojekt aber nicht an. Der sei vermutlich erreichbar, sagt der Zimmermeister, doch dafür müssten alle Wärmebrücken berechnet werden – ein aufwendiges Verfahren.
Jugendliche durften bei einem Projekt beim Verputzen mitarbeiten
Im Strohballenhaus in Holzmaden geht es bald an den Innenausbau, und dafür stehen bereits Rohrmatten bereit, auf denen der feuchtigkeitsregulierende Lehmputz aufgebracht wird. Für Hepperles ist das ein bekanntes und schon häufig eingesetztes Verputzverfahren.
Strohballenhäuser wurden in Nordamerika entwickelt
Eines der großen Lehmputzprojekte im Kreis Esslingen betrifft das neu errichtete Lehr- und Verwaltungsgebäude Schafstall der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte unter dem Dach des Trägervereins Michaelshof- Ziegelhütte in Bissingen. Die Jugendhilfeeinrichtung machte daraus ein Projekt zur Berufsorientierung und ließ die Jugendlichen beim Verputzen mitarbeiten.
Aber zurück zum Strohballenhausbau, der nach Worten von Peter Hepperle seine Ursprünge im US-amerikanischen Nebraska habe. Seine Familie hat mit der Bauweise schon viel Erfahrung gesammelt. Sowohl beim eigenen Wohnhaus wie dem einstmals genossenschaftlichen Lagerhaus, das Hepperles in den Gastronomiebetrieb „Alte Kass“ umwandelten, kamen Strohballen als Dämmmaterial zum Einsatz.
Inzwischen hat Peter Hepperle sogar ein Patent in Sachen Strohballenbau angemeldet und eine Idee umgesetzt, die ihm bei einem langatmigen Vortrag in den Sinn kam. Dabei geht es um Elementbauweise mit Stroh. Einen Prototyp hat der Zimmermeister schon gebaut und jetzt gehe es darum, daraus ein Bausystem zu entwickeln, erklärt der Neidlinger.