Flotter Unterhaltungsspaß: Beim Neckarwiesenfest in Esslingen ging das Stimmungsbarometer steil nach oben. Foto: Roberto Bulgrin

Ein Hauch von Wiesn-Flair wehte über das Neckarwiesenfest im Gewerbegebiet Neue Neckarwiesen in Esslingen. Viele Firmen präsentierten sich am Sonntag bei einem Tag der offenen Tür mit Beratung, Verkauf und einem packenden Showprogramm.

So muss sich ein Cocktail fühlen. Geschüttelt, aber nicht gerührt. Denn beim Bungee Jumper auf dem Neckarwiesenfest am Sonntag in Esslingen wurden Besucher kräftig durchgeschüttelt. Schweben, springen und abheben kommen eben nie aus der Mode, meint Kai Keller. Bungee-Jumping sei daher nicht out: „Die Fans wachsen immer nach“, erklärt der Schausteller aus Nürtingen, der mit seinem Fahrgeschäft angereist ist, und deutet auf die auf und ab hüpfenden Kinder.

 

Nur eine Attraktion für kleine Besucher ist das Bungee-Jumping aber nicht. Adrenalin-Junkies aller Altersklassen können den Nervenkitzel erleben. Aber sie müssen zwischen 20 und 80 Kilogramm wiegen. Für mehr ist der Jumper nicht zugelassen.

Kräftiges für Footballer

Wer sich nach dem Hüpfen stärken will, kann das bei den Foodtrucks tun, die zum 15. Neckarwiesenfest im Gewerbegebiet Neue Neckarwiesen in Zell und Oberesslingen angefahren sind. Eine „Raccoons Wurschd“ wird da in schwäbischem Englisch angeboten. Waschbären? Und das kann man essen? Tierschützer müssen nicht auf die Barrikaden gehen. Waschbären kommen nicht auf den Grill. Stefan Strobel, der den Foodtruck als Hobby und im Nebenerwerb betreibt, klärt auf: Er beliefert die Esslinger Footballmannschaft gleichen Namens mit seiner Wurst und nennt sie daher zu Ehren der erfolgreichen Sportler „Raccoons Wurschd“.

Um die Wurst kann es auch bei der Feuerwehr gehen. Laura Petrongari von der Freiwilligen Feuerwehr Zell ist mit ihren Kameradinnen und Kameraden vor Ort, um Fahrzeuge vorzuführen. Die kommen immer an, sagt sie. Das Märchen vom Kinderlieblingsberuf Feuerwehrmann oder -frau sei kein Märchen: „Katzen vom Baum und Menschen aus dem Feuer zu retten, das ist für viele ein Wunschtraum.“ Auch für Frauen. Denen ginge es bei der Freiwilligen Feuerwehr Zell gut: Wenn eine Gerätschaft hoch oben in einem Regal oder sonst wo liege und für Frauen unerreichbar sei, würde sich immer ein groß gewachsener Gentleman finden, der das Gewünschte reichen würde.

Gentleman bei der Feuerwehr

Ein Gentleman ist auch Hermann Kreß, der mit dem „Altstadt-Zuggler“ des AMC Mittlerer Neckar während des Neckarwiesenfestes zwischen den einzelnen Stationen hin- und herfährt. Höflich lädt er die Festbesucher zur Mitfahrt ein. Das Bähnle, sagt er, schaffe locker 20 Stundenkilometer. Aber in einen Geschwindigkeitsrausch verfallen Mitfahrende nicht, denn zehn Stundenkilometer sind eher die Regel. Die Menschen lieben das nostalgische Gefährt mit dem gemütlichen Bummeltakt. Nur beim Esslinger Bürgerfest, das in diesem Jahr erstmals mit dem Schwörtag zusammengelegt wird, müssten die Besucher darauf verzichten. Nach dem Anschlag vom Berliner Breitscheid-Platz, bei dem ein Sattelzug in eine Menschenmenge raste, dürften keinerlei Fahrzeuge mehr im Festbereich verkehren: „Das erlaubt die Stadt nicht mehr.“

Ein paar Schritte weiter gibt es Vorführungen zur Kanalreinigung. Zwei Mal zeigen Alexandra Koch-Kenner und ihr Team auf dem Neckarwiesenfest, wie ein Rohr wieder fit gemacht wird. Sie ist gelernte Rohr- und Kanalreinigerin. Das ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf, sagt sie. Eine Berufsschule gebe es etwa im bayerischen Lauingen. Azubis zu finden, sei auch hier nicht einfach. Ihr eigener Sohn aber hat sich für eine Lehre zum Rohr- und Kanalreiniger entschieden. „In unserem Job muss man schon was abhaben können“, meint Alexandra Koch-Kenner. Es könne manchmal zu unangenehmen Gerüchen kommen. Doch den Menschen etwa bei einem Wasserschaden aus der Patsche zu helfen, sei ein schönes Gefühl. Ein schönes, wohlig-warmes Gefühl erzeugt an diesem Sonntagnachmittag auch der Blick auf den Samowar, den der Kreisdiakonieverband an seinem Stand stehen hat. „Er macht halt was her“, sagt Sibylle Linckh. Und er ist etwas für Menschen jeden Geschmackstyps. Oben kommt der Tee heraus, unten das Waser. Wer wenig Teein braucht, kann unten viel Wasser zum Verdünnen rauslassen – je nach Gusto.

Kuscheltiere in XXXL

Tee zur Beruhigung braucht Sebastiano Sequenzia von der Zwiebel, dem Wochenblatt der Eßlinger Zeitung, nicht. Er ist hochzufrieden. Der Kinderflohmarkt, sagt er, sei mit 52 Teilnehmenden ein voller Erfolg. Spielzeug, Puppen, Puzzles oder Fahrräder werden angeboten. Kuscheltiere gibt es sogar in XXL. Einen Teddybär, ein Einhorn und ein undefinierbares Tier in Mammutgröße haben Sibel Yilmaz und die sechsjährige Helin auf ihrem Auto platziert und bieten sie zum Verkauf an. Aber was ist das nun für eine Spezies, dieses eine Tier auf dem Autodach? Die Umstehenden haben ihre eigene Meinung dazu: „Ein Panda.“ – „Ein Riesenaffe.“ – „Ein Faultier.“ Die Identität des Stofftieres kann nicht endgültig geklärt werden. Viel erklärt wurde dagegen Besuchern, die an den Führungen durch die Eßlinger Zeitung teilnahmen und hinter ihre Kulissen blickten.

Flotte Unterhaltung jeder Art gab es bei dem von der Standortinitiative Neue Neckarwiesen und Sirnau (Sinn) organisierten Neckarwiesenfest in den teilnehmenden Betrieben. Und flott ging es beim Bungee Jumper zu. Die Teilnehmenden müssen sich wie ein Cocktail gefühlt haben, und sie schienen das Hüpfen ebenso genossen zu haben, wie weitere Festbesucher ihren Cocktail oder ein anderes Getränk.

Das Neckarwiesenfest in Esslingen

Geschichte
Die Entwicklung des Gewerbegebiets Neue Neckarwiesen begann 1955 mit dem Ausbau des Neckarkanals. Die in den Neckarwiesen ansässigen Sportvereine zogen ab den 1950er Jahren laut der Stadt Esslingen nach und nach in andere Gebiete etwa in die Römerstraße um. Auf den frei gewordenen Flächen konnte das Gewerbegebiet in den 1960er Jahren intensiv besiedelt werden.

Neuauflage
Das Neckarwiesenfest wurde ab 2004 zunächst im jährlichen Turnus auf die Beine gestellt. Auch wegen des hohen organisatorischen Aufwandes wurde auf Wunsch beteiligter Unternehmen 2018 eine Pause eingelegt, sagt Thomas Eger von Sinn. Danach war eine Veranstaltung wegen Corona nicht möglich. Nach fünf Jahren wurde das Neckarwiesenfest nun erstmals wieder veranstaltet.

Veranstalter
Das Neckarwiesenfest steht unter der Federführung der Standortinitiative Sinn. Der Verein wurde 2009 zur Weiterentwicklung der Neuen Neckarwiesen gegründet. Im Gewerbegebiet Sirnau gab es laut Thomas Eger kein eigenes Management. Als der Wunsch dazu aufkam, wurde 2019 der Zusammenschluss zum Gewerbegebiet Neue Neckarwiesen und Sirnau vollzogen.