„Es war klar, dass Neckarwestheim Teil der Lösung sein würde“, sagt der Bürgermeister Jochen Winkler. Foto: Gemeinde Neckarwestheim/Inge Hermann

Der Meiler Neckarwestheim II soll nach dem Willen von Wirtschaftsminister Robert Habeck in den Stand-by-Betrieb gehen. Der Bürgermeister von Neckarwestheim, Jochen Winkler, ist überrascht.

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim soll in diesem Winter als Notreserve zur Verfügung stehen. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagen. Der Neckarwestheimer Bürgermeister Jochen Winkler (parteilos) ist überrascht. „Ich hätte einen Streckbetrieb besser gefunden“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Herr Winkler, Neckarwestheim II gehört zu den beiden Atomkraftwerken in Deutschland, die über das Jahresende hinaus als Notreserve zur Verfügung stehen sollen. Was halten Sie davon?

Die Anzeichen hatten sich ja verdichtet, dass Neckarwestheim II Teil der Lösung sein wird, um durch diesen Winter zu kommen. Ich hätte es aber besser gefunden, wenn alle drei momentan noch laufenden Atomkraftwerke in den Streckbetrieb gegangen wären.

Warum?

Eine Notreserve muss auch bezahlt werden. Das muss der EnBW als Betreiber ja vergütet werden. Im Streckbetrieb hätten die Anlagen hingegen weiterhin Strom erzeugt. Das wäre sicherlich der Entwicklung der Strompreise nicht abträglich gewesen. Nach meiner Kenntnis erwartet man eher, dass es im Winter stundenweise zu Engpässen kommt. Da müssen die Atomkraftwerke dann kurzfristig hochgefahren werden. Dabei sind sie eher für den Dauerbetrieb ausgelegt. Das sind so meine Gedanken.

Was bedeutet der Beschluss für Ihre Gemeinde?

Die Auswirkungen sind zunächst einmal nicht so groß. Auch bei einer Abschaltung zum Jahresende wäre der Zufluss bei der Gewerbesteuer nicht sofort abgebrochen. Das geschieht erst, wenn die Brennelemente draußen sind. Grundsätzlich sind wir über die Kopfzahl bei den Mitarbeitern und das Anlagevermögen an den Steuerzahlungen der EnBW beteiligt. Allerdings ging das schon in den vergangenen Jahren durch niedrigere Konzernergebnisse zurück.

Was bedeutet das in Zahlen?

Früher als hier noch zwei Blöcke in Betrieb waren, konnten wir jährlich mit fünf bis zehn Millionen Euro rechnen. Jetzt liegen unsere gesamten Gewerbesteuereinnahmen bei 2,5 bis drei Millionen Euro. Künftig werden es dann vielleicht zwei Millionen Euro sein. Aber von jedem Euro Gewerbesteuer bleiben ohnehin nur 20 Cent bei uns. Der Rest fließt über Umlagen an Bund, Land und Landkreis.

Atomkraftgegner haben gerade erst wieder von neuen gefährlichen Rissen in den Dampferzeugern von Neckarwestheim II berichtet. Haben Sie auch Sicherheitsbedenken?

Wenn solche Dinge festgestellt werden, muss dem natürlich nachgegangen werden. Unser Landesumweltministerium ist aber dicht dran. Grundsätzlich habe ich bei unseren deutschen Anlagen, was die Sicherheit betrifft, ein gutes Gefühl.