Neckarwestheim Altreaktor auf der Kippe

Von Kerstin Ruchay 

Die Atomkonzerne müssen künftig eine neue Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro zahlen. Damit soll ein Teil der Zusatzgewinne der Konzerne bei längeren Atomlaufzeiten abgeschöpft werden. Foto: dpa
Die Atomkonzerne müssen künftig eine neue Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro zahlen. Damit soll ein Teil der Zusatzgewinne der Konzerne bei längeren Atomlaufzeiten abgeschöpft werden. Foto: dpa

Die EnBW will die Rentabilität von Block I im Kraftwerk Neckarwestheim prüfen.

Neckarwestheim - Während der Streit um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in vollem Gange ist, spielt die EnBW mit dem Gedanken, einen Reaktor frühzeitig abzuschalten. Der Energiekonzern will die Rentabilität von Block I im Kraftwerk Neckarwestheim prüfen. Das hat EnBW-Chef Hans-Peter Villis angedeutet. Er sagte, es sei "ein Irrglaube, dass die Laufzeitverlängerung für die Branche Milliardengewinne bedeutet". Möglicherweise lohne sich der Betrieb des 1976 ans Netz gegangenen Altmeilers durch die neue Brennelementesteuer künftig wirtschaftlich nicht mehr. Es könne sein, so eine Sprecherin, dass man ihn vom Netz nehme, "obwohl wir das nicht wollen".

Energieexperten nehmen die Pläne ernst und betrachten sie nicht allein als politisches Druckmittel. "Natürlich steckt auch ein bisschen Kalkül dahinter", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Vermutlich wolle der Konzern so gegen die finanziellen Auflagen angehen. Allerdings sei Neckarwestheim I tatsächlich eines der wenigen Kernkraftwerke in Deutschland, die auf der Kippe stehen - auch deshalb, weil es eines der kleinsten ist. Zuletzt lag der Umsatz von Block I bei 300 Millionen Euro im Jahr.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sehen die Überlegungen mit Sorge. Sowohl in Neckarwestheim als auch in Gemmrigheim kommt ein Großteil der Gewerbesteuereinnahmen aus dem Kernkraftwerk. Zudem sind dort 800 Mitarbeiter beschäftigt. Neckarwestheims Rathauschef Mario Dürr schätzt im Übrigen die Kaufkraft, die das Kraftwerk in die Region bringt, auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. "Wir wissen nicht, wie es mit dem Kernkraftwerk weitergeht", sagt er.

Dürr und seine Gemmrigheimer Amtskollegin Monika Chef wollen sich deshalb Anfang Dezember mit EnBW-Chef Villis treffen, um in Erfahrung zu bringen, wie die Zukunft aussehen könnte. Davon hängen auch die Haushaltsplanungen der Gemeinden in den nächsten Jahren ab.

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