Die beiden jungen Neckartailfinger Dominik Dieme und Manuel Geiselhart sind von Kryptowährungen überzeugt. Ihren Kunden wollen sie die Angst vor Bitcoin & Co. nehmen.
Mit Krypto eins sein – so übersetzt Dominic Dieme den Firmennamen bcrypto. Und damit die Kunden dieses Ziel erreichen, hat er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Manuel Geiselhart gleich eine „bcrypto-Bibel“ dazu geschrieben, eine rund 50-seitige Broschüre. Sie ist Teil eines Ein-Jahres-Pakets, mit dem Dieme und Geiselhart Menschen in Einzelberatungen für die Welt der Kryptowährungen fit machen wollen. „Wir schulen die Menschen, wie man mit Geld umgeht und sein Portfolio ohne Berater verwaltet“, so Dieme.
In einer „Bibel“ haben die Gründer ihre Tipps zusammengefasst
Andrea S. aus Wernau ist eine ihrer Kundinnen. Die 61-Jährige hat Geld zur Verfügung, das sie investieren will. Nicht alles in Kryptowährungen, sie möchte das Risiko streuen. Dieme hat sich vor drei Monaten das erste Mal mit ihr getroffen, nachdem ein Bekannter S. von dem Unternehmen der beiden Männer erzählt hatte. Seitdem kommt Dieme regelmäßig zu der Wernauerin.
Zunächst hat sie sich die „bcrypto-Bibel“ zu Gemüte geführt. In ihr werden die gängigen Begriffe der Kryptowelt aufgeführt und die beiden bekanntesten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum erklärt. Während laut Diemes und Geiselharts Broschüre der Bitcoin 2009 von einer anonymen Person oder Gruppe namens Satoshi Nakamoto erschaffen wurde, steckt hinter Ethereum ein öffentlich bekannter Gründer, der auch als Geschäftsführer agiert.
Sechsstelligen Gewinn erzielt
Knapp 25 000 Euro ist ein Bitcoin derzeit wert. Als Dieme erstmals 2019 als Student Geld in Kryptowährungen investierte, habe der Kurs des Bitcoins durchschnittlich bei 5000 Euro gelegen. Damals investierte er in Bitcoins und Ethereum, aber auch in kleinere Kryptowährungen. „Die Inflation wird immer getoppt“, meint Dieme. 2020 sei ein sehr, sehr gutes Jahr gewesen, 2021 seien Kryptowährungen auf das 30- bis 50-Fache gestiegen und so habe er durch kaufen und verkaufen einen Gewinn im sechsstelligen Bereich erzielt, erzählt der 27-Jährige.
Multimillionär wie ein 44-jähriger Bayer, den er 2019 bei einer Hochzeitsfeier kennengelernt habe und dem er Fragen zu dessen Anlagestrategie habe stellen können, sei er noch nicht. „Ich habe sehr viel von ihm gelernt“, sagt Dieme. Er habe damals alles auf eine Karte gesetzt und sein gesamtes zur Verfügung stehendes Vermögen von 5000 Euro in Kryptowährungen investiert. 2020 habe er dann sein 2017 in Köln begonnenes Finanz- und Controllingstudium abgeschlossen, nachdem er sich in seiner Bachelorarbeit dem Thema Digitalisierung von Währungen gewidmet habe.
Demnächst soll das junge Unternehmen eine GmbH werden
Geiselhart dagegen, der seinen Master in Verfahrenstechnik in Heilbronn gemacht hat, stieg im Mai 2020 mit 1500 Euro in Kryptowährungen ein. Innerhalb von fünf Monaten habe sich der Wert verdreifacht bis verfünffacht. Doch der Wert der Kryptowährungen ist stark schwankend: Im Februar 2021 hatte Tesla-Chef Elon Musk für einen neuen Schub beim Bitcoin gesorgt. Diese Kryptowährung sprang damals zeitweise über die Marke von 44 000 US-Dollar, nachdem Musk bekannt gegeben hatte, dass Tesla seit Januar 2021 rund 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert hätte. Zudem wolle Tesla bald auch Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Zur Begründung für das Investment hieß es, Tesla wolle seine Cash-Reserven diversifizieren und so profitabel wie möglich einsetzen. Im Mai 2021 kündigte Tesla dann an, doch keine Bitcoins mehr als Zahlungsmittel zu akzeptieren und den Handel mit der Kryptowährung einzustellen – wegen Umweltbedenken. Der Kurs fiel daraufhin. Im September 2021 gründeten die beiden in Neckartailfingen aufgewachsenen Männer dann ihr Unternehmen. Derzeit sind sie dabei, dies in eine GmbH umzuwandeln. Anfang 2024 soll es so weit sein. Vom ersten Tag an hätten sie schwarze Zahlen geschrieben. Zwischen 200 und 300 Kundinnen und Kunden haben sie Dieme zufolge mittlerweile.
Das Geschäft floriere, vor allem durch die Inflation beflügelt. „Hauptsächlich Leute ab 50 machen sich deshalb Gedanken. Wenn sie ihren Rentenbescheid sehen, wissen sie, dass sie ihren Lebensstandard nicht mehr halten können“, sagt er. Mit Investitionen in Kryptowährungen könnte man eine gute Rendite machen. Vor allem Frauen wendeten sich an sie – Männer versuchten es erst einmal selber und investierten in ihr 5000 Euro teures Schulungsjahrespaket meist erst, wenn sie schon Geld in Kryptowährungen verloren hätten.
Männer kommen erst, wenn der Schaden da ist
Andrea S. hofft, dass sie nach einem Jahr Schulung bei Dieme den Umgang mit Kryptowährungen selber beherrscht und beurteilen lernt, welche der mehr als 24 000 derzeit auf dem Markt befindlichen für sie infrage kämen. Dass es keine Garantie mit Kryptowährungen gibt, ficht sie nicht an: „Das Leben selbst ist ein Risiko.“
Hochriskante Anlage ohne Wachstumsgarantie
Risiken
Nach Angaben des Statista Research Departments belief sich der Kurs eines Bitcoins zum 18. Mai 2023 auf 25 273,33 Euro. Im November 2021 lag der Kurs noch bei über 50 000 Euro. Anschließend ging es Dieme zufolge ein Jahr lang bergab. Viele Kryptowährungen haben Konkurs angemeldet und viele Menschen hätten vergangenes Jahr viel Geld verloren. Die bekanntesten Kryptobörsen haben es Dieme zufolge gut überstanden. Auch er selbst habe mehrmals einen Totalverlust erlitten, jedoch nicht mit viel Geld. Er erlebe immer wieder Rentner, die ohne Wissen in Panik in Kryptowährungen investierten. Doch Kryptowährungen sind eine hochriskante Anlage, in der man Geld gewinnen, aber auch alles verlieren könne. Kryptowährungen sind kein konstanter Wachstumsmarkt. Es gehe rauf und runter. 2023 ist laut Dieme die Erholungsphase für Kryptowährungen.
Bitcoin und Co.
Laut dem Ranking der größten virtuellen Währungen nach Marktkapitalisierung befindet sich der Bitcoin mit einem Wert von mehr als 406 Milliarden US-Dollar auf Platz eins unter den Kryptowährungen. Insgesamt befanden sich Ende Dezember 2022 rund 19,3 Millionen Bitcoins in Umlauf. Die Anzahl der Bitcoin-Transaktionen belief sich auf rund 792 Millionen. In El Salvador dagegen ist Bitcoin bereits zur offiziellen Staatswährung erklärt worden.
Kritik
Kryptowährungen werden in Wirtschaft und Wissenschaft kontrovers diskutiert. Es können Softwarefehler auftreten. Doch die größte Gefahr sind Kursmanipulationen durch Kriminelle sowie Datendiebstahl. Auch Datenverlust kann durch menschliches als auch durch technisches Versagen auftreten. Nicht zuletzt lassen sich Cyberkriminelle, die Systeme mit Schadsoftware lahmlegen, mit Bitcoin bezahlen.