Die Mauereidechse zählt zu den streng geschützten Tierarten. Foto: dpa

Der Bezirksbeirat stimmt dem Umzug der streng geschützten Tiere zu, damit das neue Quartier Neckarpark bebaut werden kann. 700 000 Euro kostet der zweite Bauabschnitt für die neue Heimat der Eidechsen.

Bad Cannstatt - Wo einst Schrott- und Großhändler sowie Spediteure ihre Heimat hatten, sollen ab 2021 mehr als 2000 Menschen leben, wohnen und arbeiten. Doch ehe das ehemalige Güterbahnhof-Areal in Bad Cannstatt zwischen Bahndamm, Benz-, Mercedes- und Daimlerstraße bebaut werden kann, ist noch einiges zu tun. Derzeit sind noch einige Bauplätze besetzt – unter anderem von tausenden Zaun- und Mauereidechsen. Die streng geschützten Tiere müssen erst einmal ein neues Zuhause auf dem Areal bekommen, bevor unter anderem das Sportbad und ein Parkhaus entstehen können sowie die Benzstraße komplett verlegt werden kann.

„Der erste Bauabschnitt ist beendet“, sagte Viola Hellwag vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung. Etwa 8000 Quadratmeter wurden auf dem rund 22 Hektar großen Areal entlang der Gleise für die Eidechsen hergerichtet. Nun stünde Teil zwei der Maßnahme an. Weitere etwa 10 000 Quadratmeter sollen den Tieren als neue Heimat dienen. „Im Sommer wollen wir loslegen, wenn bis dahin die Firma Degenkolbe ausgezogen ist“, sagte Hellwag. In diesem Jahr sollen mehr als 14 000 Quadratmeter für die anstehenden Baumaßnahmen freigemacht werden. „Die Eidechsen werden vergrämt“, erklärte Hellwag. So nenne man das Umsiedeln der Tiere. Zunächst einmal müsse dafür die Fläche, auf der die Eidechsen leben, gesäubert werden. Dann werde dort sukzessive Folie ausgerollt. So finden die Tiere keinen Unterschlupf mehr und gehen auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Damit sie sich auch an der richtigen Stelle niederlassen, werden sogenannte Reptilienleitwände aufgestellt. Rund 700 000 Euro wird wohl der zweite Bauabschnitt kosten. Zusätzlich müssen die Maßnahmen zur Vergrämung der Eidechsen bezahlt werden. Diese belaufen sich nach Schätzungen insgesamt auf mehr als zwei Millionen Euro. Denn 2017 soll noch lange nicht Schluss sein. Auch im kommenden Jahr stehen Umzüge der Eidechsen an. 2018 werden noch einmal zirka 10 000 Quadratmeter freigemacht, um später bebaut werden zu können. Ist das erledigt, hat das Garten-, Friedhofs- und Forstamt auf dem ehemaligen Güterbahnhofs-Areal insgesamt rund 43 000 Quadratmeter für die Eidechsen zu pflegen.

Die Entscheidung fällen die Stadträte am Dienstag

„Die Tiere sind ganz schön teuer“, sagte der CDU-Bezirksbeirat Walter Opfermann. Aufgrund der hohen Kosten hätte die Kurpark-Sanierung zurückgestellt werden müssen. Viola Hellwag machte den Lokalpolitikern allerdings Hoffnung, dass dieses Projekt eventuell zeitnah in Angriff genommen werden könne, da sich nun die Abteilung Groß- und Sonderprojekte des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes um die Eidechsen kümmere und nicht mehr die Abteilung Neckar. Da seien dann wieder Kapazitäten frei. Wie diese allerdings genutzt werden, könne sie nicht sagen.

Peter Pipiorke (SÖS-Linke-Plus) fragte noch nach der Effektivität der Vergrämung. Hellwag betonte, dass es regelmäßig Erkundungen gebe: „Mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass sich der Bestand der Tiere verringert hat.“

Bei einer Enthaltung stimmte der Bezirksbeirat schließlich zu, den zweiten Bauabschnitt zu finanzieren. Das letzte Wort haben die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik des Gemeinderats in ihrer Sitzung am Dienstag, 28. März.

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