Rund 200 Gäste haben sich bei einer Flussfahrt auf und am Neckar umgesehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Rund 200 Gäste haben sich zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Neckarfantasien ein Bild des Neckarufers von Untertürkheim bis Mühlhausen gemacht und sich bei einer Flussfahrt vorgestellt, wie der Fluss lebenswerter werden könnte.

Bad Cannstatt - Eine Flussfahrt voller Träume haben rund 200 Passagiere an Bord der MS Wilhelma am Freitagabend beim Auftakt der Veranstaltungsreihe Neckarfantasien erlebt. Bei der Fahrt des Cannstatt-Teams von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten auf der MS Wilhelma aus der Flotte des Neckar-Käpt’n haben sie nicht nur die Neckarufer von Untertürkheim bis Mühlhausen in Augenschein genommen, sondern sich auch vorgestellt, wie es dort noch schöner werden könnte.

Unterstützung für die Fantasie gab es durch acht Impulsreferate. Der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin träumte von einem Gehege für Flusspferde am Neckar: „Ein solches kostenfreies Schaufenster zur Wilhelma samt einem Service-Center könnte eine Leuchtturmfunktion für Stuttgart haben und Touristen an den Neckar locken“, sagte er den Lesern von Stuttgarter Zeitung und Nachrichten an Bord. Bezirksbeirat Peter Mielert präsentierte seine Vision von einem grünen Park über dem Fluss anstelle der heutigen Eisenbahnbrücke, Astrid Gier von der Facebook-Initiative Wunschvolles Stuttgart die Idee einer mit Mineralwasser gefüllten Badeschleuse. Der Wunsch des stellvertretende Bezirksvorstehers Andreas Schneider wäre ein Café am Neckarufer in Wangen, Bezirksbeirat Roland Schmid hofft auf mehr Aufenthaltsqualität für Bürger auf der Landzunge am Sicherheitshafen. Wenn Bezirksbeirat Gerhard Veyhl die Augen schließt und an den Neckar denkt, sieht er Freitreppen gegenüber der Wilhelma vor seinem inneren Auge auftauchen, Marion Heck von der Initiative Neckarfreude möchte die Ufer gerne naturnah sehen. Bad Cannstatt-Teamleiter Jürgen Brand sprach an Bord des Neckar Käpt’n über die Möglichkeit, einen neuen Stadtteil am Neckar zu entwickeln, wenn das Kraftwerk Gaisburg abgerissen und durch ein kleineres ersetzt wird. Dass Natur und Industrie auch zusammen gedacht werden können, bewies Carsten Strähle von der Hafen Stuttgart GmbH, dem Veranstaltungspartner von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Er zeigte den Gästen während der Fahrt durch den Stuttgarter Hafen unter anderem eine renaturierte Niederwasserzone, in der Fische laichen.

Leser wünschen sich Restaurants und eine Promenade

„In einer Tour den Hafen in Hedelfingen und die Weinberge in Mühlhausen zu sehen, ist eine besondere Kombination“, sagte der Neckarfahrt-Teilnehmer Jan Siegel.Er habe sich riesig gefreut, die Teilnahme gewonnen zu haben – schließlich waren insgesamt 1266 Anmeldungen für die knapp 200 Plätze eingegangen. Zusammen mit seiner Mutter hat er die Fahrt genossen und beide hoffen, dass sich in Stuttgart künftig noch mehr Möglichkeiten ergeben, den Neckar zu erleben. „Ich würde mir zum Beispiel eine Promenade statt schmaler Wege wünschen“, sagt Ulrike Siegel, die ein bisschen neidisch auf andere Städte wie Köln oder Bonn schaut, wo der Fluss für die Menschen viel besser erreichbar sei.

Renate Noz und Jürgen Sell würden sich vor allem mehr Ausflugsziele und Restaurants am Neckar wünschen.

Auch für Michael Marquardt aus Untertürkheim steht ein Café am Fluss weit oben auf der Wunschliste. „Höchste Priorität sollte das Gehege für die Flusspferde bekommen, das ist eine tolle Idee“, sagte der Untertürkheimer, der es sehr schade findet, dass der Neckar in seinem Stadtbezirk fast gar nicht zugänglich und nutzbar ist.

Volker Baumbusch aus Münster wohnt direkt am Fluss und versucht, dieses Privileg so gut wie möglich zu nutzen. „Ich gehe Fahrrad fahren und spazieren am Neckar.“ Er würde aber gerne noch mehr am und im Fluss erleben. „Vielleicht ließen sich auf Nebenarmen Möglichkeiten zum Kanu oder Jetski-Fahren schaffen.“

Für die Leserin Brigitte Bonnet wäre das Schönste eine Bademöglichkeit am Fluss: „Die Idee einer Badeschleuse ist ganz toll“, sagt die Vaihingerin, die regelmäßig an den Max-Eyth-See fährt, um dem Wasser zumindest nahe zu sein.

Die allererste Flussfahrt war es dagegen für Martin Duwe, der seit 20 Jahren in Stuttgart lebt. Er war positiv überrascht: „Man denkt immer, der Fluss sei viel schmutziger.“

Wichtig sei, ein Bewusstsein für den Fluss zu schaffen, findet Georg Schiel: „Die Politik hat in Stuttgart kein Interesse am Neckar. Man müsste Geld investieren, dann ließe sich einiges realisieren.“ Er denkt dabei zum Beispiel an mehr Zugang zum Fluss durch Fußwege direkt am Ufer.

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