Über Jahre dominierten die Golden State Warriors die NBA. Nach einer Wechsel-Lawine im Sommer schicken sich nun eine Handvoll Teams an, das Erbe der Kalifornier anzutreten. Wer ist Ihr Favorit?
Stuttgart - Die Grünen haben sie seit Jahren, die SPD macht es der Ökopartei nach und der Trend schwappte nun offenbar auch in die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA über. Die Rede ist von der sogenannten Doppelspitze. Dominierten in den vergangenen Jahren noch die Superteams wie die Golden State Warriors und zuvor die Miami Heat die NBA, sind es nun eine Handvoll Teams, die sich dank ihrer Superstar-Duos Hoffnungen auf den Titel machen.
Alles begann in Miami, Florida
Neun Jahre ist es her, dass LeBron James die Cleveland Cavaliers verließ, um sich den Miami Heat um Kumpel und Superstar Dwayne Wade anzuschließen. Gemeinsam mit Allstar Chris Bosh, den die beiden aus Toronto nach Florida lotsten, gewannen sie in den folgenden drei Jahren zwei NBA-Meisterschaften. Es war der Beginn der Ära der Superteams.
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Auf der Suche nach dem ersten NBA-Titel ging der vormalige MVP (wertvollste Spieler der Saison) Kevin Durant vor drei Jahren noch einen Schritt weiter – nachdem er erneut mit den Oklahoma City Thunder an den alles überragenden Golden State Warriors gescheitert war, heuerte er bei eben jenen Warriors an, die bereits ohne ihn das beste Team der Liga stellten. „Wenn Du sie nicht besiegen kannst, tu Dich mit ihnen zusammen“ – so brachten Kritiker den Durant-Wechsel auf den Punkt. Erfolgreich war er mit den Warriors (zwei Titel in drei Jahren), glücklich wurde der sensible Superstar in Kalifornien aber nie.
Ist gewinnen doch nicht alles?
Ist gewinnen also doch nicht alles? Wer sich die Transfers aus diesem Sommer anschaut, kommt zu einem anderen Schluss.
Bereits seit der vergangenen Runde ist LeBron James das Aushängeschild der Los Angeles Lakers, Durant verließ im Sommer unter großem Getöse die Warriors in Richtung Brooklyn. Es war nicht der einzige Wechsel eines Superstars vor der am Dienstag beginnenden NBA-Saison. Rund 3 Milliarden Dollar investierten die NBA-Clubs in neue Spieler. Superstars schlossen sich zu Duos zusammen. Alle eint ein Ziel: das Erbe der Warriors anzutreten und den amtierenden Überraschungsmeister aus Toronto abzulösen.
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Namen gefällig? Russell Westbrook, Kawhi Leonard, Kyrie Irving, Anthony Davis, Paul George, Chris Paul, D’Angelo Russel, Al Horford und Jimmy Butler – was sich wie die Startaufstellung beim Allstar-Spiel liest, ist nur eine Auswahl der besten Spieler, die sich in diesem Sommer einem neuen Verein anschlossen und das Kräfteverhältnis der NBA auf den Kopf stellten.
Leonard-Wechsel gleicht einem Erdbeben in der NBA
Alles begann mit Leonards Entscheidung, dem frischgebackenen Meister in Toronto den Rücken zu kehren. Wochenlang hielt sich der überragende Flügelspieler bedeckt: Toronto oder Los Angeles? Am Ende entschied sich der 28-Jährige für die L.A. Clippers und brachte eine Wechsel-Lawine ins Rollen. Der Finals-MVP überzeugte Paul George (29), ihm zu den Clippers zu folgen. George zwang seinen ehemaligen Club, die Oklahoma City Thunder, ihn zu den Clippers zu transferieren.
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Aber die Clippers sind nicht das einzige „Powerhouse“ in der Stadt der Engel. LeBron James (34) lotste nur wenige Stunden nach dem Leonard-Wechsel den wohl besten Center der Liga, Anthony Davis (26), zu den Lakers. Man darf gespannt sein, welcher der beiden Clubs die Vorherrschaft in Hollywood haben wird. Defensiv dürfte den beiden Teams außerhalb von L.A. niemand das Wasser reichen.
Funktioniert das Duo Harden-Westbrook?
Nach dem Goerge-Abgang war Russell Westbrook (30), der MVP von 2017, in Oklahoma auf sich gestellt und beschloss, seine Zeit bei den Thunder ist ebenfalls abgelaufen. Trotz eines noch über drei Jahre laufenden Vertrags drängt er auf einen Wechsel zu Kumpel James Harden (30), dem MVP von 2018. Zweifel an der Kompatibilität der beiden Ball-dominanten Guards der Houston Rockets wischt ihr Trainer Mike D’Antoni zur Seite: „Wenn zwei außergewöhnliche Spieler etwas wollen, sorgen sie dafür dass es funktioniert.“ Die Offensivpower der Rockets ist der Gegenentwurf zu den Teams in Los Angeles – welche Taktik eher aufgeht, wagt kaum jemand zu prognostizieren.
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Harden und Westbrook, Leonard und George, James und Davis – von der Spielfähigkeit könnten die Kombinationen kaum unterschiedlicher sein. Alle Duos eint: sie benötigen Rollenspieler, die ihnen den Rücken frei halten. Daher mutmaßen Analysten, dass es nicht die Superstars sind, die die kommenden Play-offs entscheiden. „Es geht darum, wer die zuverlässigsten Wasserträger hat“, mutmaßt NBA-Legende Shaquille O’Neal.
Favoriten sind schwer auszumachen
Neben den drei genannten Teams haben auch die Dallas Mavericks, die Brooklyn Nets und die Golden State Warriors zwei Topspieler in ihren Reihen. Aber während den Mavs um die slowenische Sensation Luka Doncic (20) aufgrund ihrer Jugend noch ein, zwei Jahre Entwicklung benötigen, warten die anderen Teams auf einen verletzten Superstar. So wird Durant wohl erst kommende Saison an der Seite von Kyrie Irving für die Nets eingreifen und Stephen Curry muss bis mindestens Februar auf seinen kongenialen Partner Klay Thompson verzichten.
Wer alle Titelfavoriten nennen will, muss auch die Philadelphia 76ers und die Milwaukee Bucks um den amtierenden MVP Giannis Antetokounmpo aufzählen. Fest steht daher heute nur: So spannend wie diese Saison war die NBA schon lange nicht mehr.
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