Der Anfang einer Legende: Magic Johnson (li.) von den Los Angeles Lakers gegen Larry Bird von den Boston Celtics - 1979 trafen die beiden Superstars das erste Mal aufeinander. Aus den großen... Foto: AP

Geschichte trifft auf Neuzeit: Im NBA-Finale spielen die L. A. Lakers gegen die Boston Celtics.

Los Angeles/Boton - Geschichte trifft auf Neuzeit: Im NBA-Finale spielen die Los Angeles Lakers gegen die Boston Celtics - und ganz Amerika erinnert sich an Magic Johnson und Larry Bird. Doch auch die aktuellen Basketball-Helden haben viel zu bieten.

Der große Magic Johnson saß in der rot-blauen Kulisse des Sportsenders ESPN, er trug einen grauen Anzug und eine Kojak-Glatze, die im Scheinwerferlicht glänzte wie Butter in der Sonne. "Ich bin sooo aufgeregt!", rief Johnson, und seine Stimme überschlug sich, er klang wie ein Gummi-Entchen. "Ich werde sofort Larry anrufen", quietschte es aus ihm heraus, "er muss zum Finale kommen." Er meinte natürlich den großen Larry Bird, mit dem er sich einst meisterhaft duellierte. Damals, in den 80er Jahren, als Johnson bei den Los Angeles Lakers spielte und Bird bei den Boston Celtics, zwei herausragende Sportler, deren Begegnungen die amerikanische Basketball-Profiliga NBA prägten.

Amerikaner lieben ihre Sportdramen

Nun haben die Lakers das Finale des Jahres 2010 erreicht - gegen die Celtics. Und Johnson appellierte an das Volk: "Amerika, mach dich bereit: Die alte Rivalität wird erneuert!" Dann grinste er, magisch breit.

Die Lakers gehen als Favoriten in die Serie (Modus: Best of seven), die am Donnerstag in Los Angeles beginnt: Sie beendeten die reguläre Saison als bestes Team des Westens, die Celtics belegten nur Rang vier im Osten. Doch dann eliminierten sie die Cleveland Cavaliers, Nummer eins der Eastern Conference, hinterher die Orlando Magic, die Nummer zwei; die Celtics erleben zum besten Zeitpunkt das, was man im Sport einen Lauf nennt. Und zwischen ihnen und den Lakers ist ohnehin immer alles möglich.

Manche Duelle sind größer als normale sportliche Wettkämpfe, weil sie aufgeladen sind durch Geschichten und große Egos und darum hitzig. Und die Lakers gegen die Celtics, so jedenfalls sehen sie es in Amerika, das ist sogar noch ein bisschen mehr, mindestens Mars gegen Erde. Das große, weite Land hat halt nicht so viel Geschichte, darum liebt es seine epischen Sportdramen besonders innig.

"Tiefer kannst du nicht fallen"

Die Spiele der 80er, Magic Johnson gegen Larry Bird, gelten als Geburt des modernen, des so rasanten wie körperbetonten wie lässigen wie egozentrischen Basketballs. Und da ist noch viel mehr: Westküste gegen Ostküste, einst auch Schwarz gegen Weiß, heute noch Hollywood gegen harte Arbeit - "Showtime" eben, wie das Spiel der Lakers seit Johnson genannt wird, gegen Bostons Defensive oder gar den Willen zur Selbstopferung. So zumindest sehen sich die Celtics gern, seit einst Larry Bird, von Rückenschmerzen gezeichnet, neben der Bank auf dem Hallenboden lag und doch noch zurückkam, um den letzten Wurf zu versuchen. Und traf, selbstverständlich.

Diesmal ist es anders, diesmal spielen zwei Teams gegeneinander, die sich näher sind, als es zunächst scheint. Natürlich ist Los Angeles noch immer die große, weite Glitzerwelt, im Staples Center sitzen Jack Nicholson, David Beckham und Leonardo DiCaprio am Spielfeld, mit weiblichem Anhang, der kalifornisch großbrüstig und blond gewellt erscheint. Dazu spielen die Lakers Basketball, und sie haben beim letzten Duell der zwei Großen verstanden, wie man heutzutage gewinnt: mit dem Teamgeist der Boston Celtics, die 2008 die Meisterschaft für sich entschieden - gegen die Lakers.

"Tiefer kannst du nicht fallen"

"Nichts tut so weh wie eine Niederlage im Finale", sagt Phil Jackson, der Coach der Lakers. "Tiefer kannst du nicht fallen." Der Titel von 2009 (gegen Orlando) mag die Lakers aufgefangen haben - ein Triumph gegen die Celtics würde sie wieder erheben.

Beide Teams haben sich seit ihrem letzten großen Duell kaum verändert, doch den Lakers fehlten damals zwei Spieler: Center Andrew Bynum und Forward Trevor Ariza, beide verletzt. Bynum (2,11 m), eine Wand von einem Kerl, kann nun spielen, Ariza nicht - er wurde durch Ron Artest ersetzt, den grimmigsten Verteidiger der Liga, dessen Blick Abwehr genug ist. Vor ihnen zaubert Kobe Bryant, unterstützt von Pau Gasol, der 2008 noch weich wirkte wie ein Marshmallow. Es war sein erstes NBA-Finale, nun ist der Spanier akklimatisiert.

Mit den Celtics hatte diesmal niemand so richtig gerechnet. Ende der vergangenen Saison fehlte ihnen Kevin Garnett, ihr 2,11- m-Riese, nach einer Knie-OP. Er fand nur langsam zurück, spielte bisweilen wie in Zeitlupe. Die Experten nölten schon, die Ära der Celtics sei vorbei, ihre Stars seien mit Mitte 30 zu alt. Doch als hätten sie nur Kräfte gespart, legten die Celtics in den Play-offs zu, es glänzte ihr bewährtes Kleeblatt: Paul Pierce mit Kampfgeist, Ray Allen mit Drei-Punkte-Würfen, Garnett mit Rebounds. Hinzu kam Rajon Rondo, der dem berühmten Trio 2008 noch ehrfürchtig zugesehen hatte und nun auf ihrem Niveau mitmischt. "Wir sind nicht mehr die Jüngsten", sagt Garnett, "und deshalb wissen wir, wann es gilt." Jetzt, gegen die Lakers.

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