Das Länderspiel Tschechien gegen Deutschland wurde überschattet vom Fehlverhalten einiger mitgereister Anhänger. Foto: Bongarts

Das Fehlverhalten Rechtsextremer hält den Fußball weiter in Atem. Erste Störer des deutschen WM-Qualifikationsspiels in Tschechien sind identifiziert.

Stuttgart - Die FIFA prüft eine Untersuchung, der Deutsche Fußball-Bund will aufklären und regt Maßnahmen an, erste Problemfans sind identifiziert: Der Nazi-Eklat von Prag hat auf vielen Ebenen ein Nachspiel. Drei Tage nach den „Sieg Heil“-Rufen während des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien (2:1) trat auch der Weltverband auf den Plan. „Wir haben das Thema in den Medien verfolgt. Wir haben Beobachter, die es hinsichtlich unseres Anti-Diskriminierungs-Systems überprüfen“, sagte eine FIFA-Sprecherin am Montag auf Sport1-Anfrage.

Die FIFA erhalte „Berichte zu jedem WM-Qualifikationsspiel. Der zum Spiel in Prag ist noch nicht da. Erst anschließend entscheiden wir, ob wir eine Untersuchung einleiten.“ DFB-Präsident Reinhard Grindel reagierte zurückhaltend: „Das gilt es abzuwarten.“ Eine direkte Verantwortung des Verbandes wies er zurück. Neben dem offiziell organisierten deutschen Fanblock gab es in der Eden Aréna eine Zelle von etwa 200 Personen, die beide Nationalhymnen und eine Schweigeminute störten. Nationalspieler Timo Werner (RB Leipzig) wurde beschimpft, der DFB geschmäht.

Illegal Zugang zum Stadion verschafft

Laut Grindel hat sich zumindest ein Teil der Rechtsextremen illegal Zugang zum Stadion verschafft. „Eine ganze Reihe dieser Leute ist gewaltsam ins Stadion gekommen, indem sie einen Blocksturm gemacht haben“, sagte er in der SWR-Sendung Sport im Dritten. Grindel sprach von 200-300 Problemfans, vor denen der DFB vorab gewarnt gewesen sei - eine altbekannte „Klientel“. „Sie haben gezeigt, dass sie den Fußball nicht lieben, sondern ihn verachten“, fügte er am Montag in Stuttgart hinzu: „Wir werden eine ganze Reihe von Strafverfahren sehen.“ Zudem kündigte er Stadionverbote an. Bei der Aufklärung wird der DFB eng mit den Behörden zusammenarbeiten.

„Es werden eigene Aufnahmen und Fotos zur Verfügung gestellt, es wird seitens der deutschen Verbindungsbeamten eine Kontaktaufnahme zu den tschechischen Kollegen geben“, betonte Grindel. „Es gibt breite Kritik an Kollektivstrafen, aber wo man bestimmte Taten bestimmten Tätern zuordnen kann, müssen wir reagieren.“ Die Dresdner Polizei wurde bereits tätig: Sie hat Ermittlungen eingeleitet und einige Stadionbesucher identifiziert. Die Beamten untersuchten öffentliches Bild- und Videomaterial, darauf wurden bislang 13 Personen aus dem Umfeld der Dresdner Fanszene als Stadionbesucher erkannt. Zwei von ihnen haben laut Polizeipräsident Horst Kretzschmar vor dem Spiel Gefährderanschreiben von der Polizei erhalten. Es sei jedoch nicht bekannt, ob den identifizierten Personen Straftaten vorgeworfen werden.

Umdenken beim Verkauf von Eintrittskarten gefordert

„In erster Linie identifizieren unsere Ermittler Personen, die sich während des Spiels im Prager Stadion aufhielten. Wir gehen damit in Vorleistung für den Fall, dass uns die zuständigen Behörden mit strafrechtlichen Ermittlungen beauftragen“, sagte Kretzschmar. Grindel forderte als erste Konsequenz im sportlichen Bereich ein europaweites Umdenken beim Verkauf von Eintrittskarten. „Ich werde das Thema nächste Woche im UEFA-Exekutivkomitee und in den zuständigen Kommissionen deutlich ansprechen“, sagte er dem kicker: „Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten.“

Die Störer hatten Eintrittskarten nicht über den Fanclub Nationalmannschaft bezogen. „Zur Wahrheit gehört, dass es in Ländern wie San Marino oder Tschechien keine absolute Sicherheit gibt, weil dort zum Beispiel von Einheimischen unkontrolliert Tickets weitergegeben werden und in den freien Verkauf gelangen“, ergänzte Grindel. Dort müsse angesetzt werden, um eine Wiederholung zu verhindern. DFL-Chef Reinhard Rauball forderte im Kampf gegen Problemfans mehr „Rückendeckung der Politik“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: