Meinungsverschiedenheiten: Brigitte Hobmeier, Fritz Karl (Mitte) und Harald Windisch in „Ein Dorf wehrt sich“ Foto: ZDF/Bernd Schuller

1945, kurz vor Kriegsende, wollen die Nazis in einem Bergwerk gelagerte Raubkunst vernichten – doch die Bürger von Altaussee verhindern das. Davon erzählt das TV-Drama „Ein Dorf wehrt sich“.

Stuttgart - Franz und Sepp sind ziemlich beste Freunde, aber auch sehr verschieden – was sich zeigt, als 1938 die Nazis Österreich und auch das Dorf Altaussee übernehmen. Während der lebensfrohe Schuster Franz heimlich die Partisanen in den Bergen versorgt, hat sich der eigenbrötlerische Fischer Sepp drängen lassen, in die Partei einzutreten. Die beiden verkörpern also ein Grunddilemma in Diktaturen in dem TV-Spielfilm „Ein Dorf wehrt sich“ der österreichischen Filmregisseurin Gabriela Zerhau.

Fürs große Drama sorgt eine wahre Geschichte: Die Nazis lagern ab 1943 ihre geraubten Kunstschätze im Salzbergwerk von Altaussee ein; im April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, möchte der Gauleiter Eigruber ernstmachen mit Hitlers Politik der verbrannte Erde, das Bergwerk sprengen und die Kunst vernichten. Die Dörfler verhindern das, und Zerhau zeigt fiktionalisiert, wie der Widerstandsgeist unter den anfangs überwiegend mitlaufenden Menschen wächst.

Masucci als gespenstischer SS-Mann

Die Österreicher Harald Windisch (Franz) und Fritz Karl (Sepp) geben zwei kernige Typen, wie man sie sich damals im Salzkammergut gut vorstellen kann. Sie harmonieren auch als entfremdete Freunde, denen das Bedauern über die Verhältnisse anzumerken ist. Die Münchnerin Brigitte Hobmeier spielt erhobenen Hauptes eine Schlüsselrolle als Franz’ unbeugsame Ehefrau, die hochschwanger noch auf den Berg steigt, wenn es dem Widerstand hilft.

Unter den Nazi-Figuren sticht der Deutsche Oliver Masucci heraus, der schon Hitler gespielt hat („Er ist wieder da“, 2015) und nun den Gestapo-Chef Ernst Kaltenbrunner mit gespenstischer Menschenverachtung ausstattet. Mit Hitlerbärtchen macht der Wiener Philipp Hochmair aus dem Gauleiter Ei­gruber ein ungehobeltes Ekelpaket ohne jeden Respekt, wie es sie in der Nazi-Hierarchie zuhauf gab.

Facettenreiches Zeitgemälde

Man sieht die Rivalitäten untereinander ebenso wie den barbarischen Wahn des Mörderregimes, der sich kurz vor dem Untergang zunehmend gegen die eigene Bevölkerung richtete: Auch als der Krieg längst eindeutig verloren war, genügte es unter Umständen, öffentlich am „Endsieg“ zu zweifeln, um als Verräter am Marktplatz aufgehängt zu werden. Dabei gibt es Abstufungen, während einfache Parteimitglieder eher Maulhelden sind, neigen die in NS-Organisationen deformierten Uniformträger zu gewissenloser Gewaltausübung. Als Gegenentwurf dienen die Dörfler, die nach und nach wie aus einem Albtraum erwachen und die Kraft des menschlichen Zusammenhalts wiederentdecken.

Nur punktuell neigt diese deutsch-österreichische Koproduktion zu ausführlichen Erläuterungen inklusive Erklärbär-Dialogen, wie sie das Fernsehen traditionell liefern zu müssen glaubt, um keine Zuschauer zu verlieren. Insgesamt aber ist Zerhau ist ein facettenreiches Zeitgemälde mit vielen emotionalen Zwischentönen gelungen. Die Kulisse samt Bergwerk und die Kostüme wirken sehr stimmig, schlaglichtartig kommen Skulpturen und Gemälde – Michelangelo, Da Vinci – ins Bild. Nicht auszudenken, wenn die Altausseer weniger mutig gewesen wären.

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