Stadt und Polizei melden Verkehrsbehinderungen nicht direkt an Google Maps, sondern ans Innenministerium. Die Daten sind online abrufbar, der Konzern setzt aber auch auf Nutzerinfos.
Die Zeiten, in denen Autofahrer auf einer Faltkarte oder dem Reiseatlas nach der richtigen Route suchten, sind längst vorbei. Auch rechts ranfahren und nach dem Weg fragen, muss heute dank Navigationsapps wie Google Maps kaum noch ein Verkehrsteilnehmer. Zu 100 Prozent auf die Angaben der digitalen Helfer sollte man sich jedoch nicht verlassen. Immer wieder sind Sperrungen nicht eingetragen oder geplante Routen enden aufgrund von baulichen Veränderungen in einer Sackgasse.
Sperrung des Speidelwegs erst spät erfasst
Ein Beispiel: Am Montag, 20. April, wurde der Speidelweg gesperrt, weil sich Steine aus einer Trockenmauer gelöst hatten und auf die Fahrbahn gerollt waren. Bei Google Maps, das im Navigationsbereich Marktführer ist und weltweit von mehr als einer Milliarde Menschen genutzt wird, wurde jedoch auch am Dienstagabend noch angezeigt, dass die Verbindung zwischen Frauenkopf und Rohracker geöffnet ist. Zu diesem Zeitpunkt trug bereits ein Bagger Teile des Hangs ab. Regelmäßig standen verdutzte Autofahrer an den geschlossenen Schranken. Erst in der Nacht auf Mittwoch, 22. April, war die Sperrung erfasst. Verkehrsteilnehmer werden seither umgeleitet.
Um solche Fehler zu minimieren, wird das Kartenmaterial laut einer Google-Sprecherin regelmäßig aktualisiert. Behörden und andere Institutionen könnten das „Geo Data Upload Tool” nutzen und dadurch das Einbinden neuer Routen beschleunigen.
Stadt und Land nutzen Google-Tool nicht
In Stuttgart verzichten die Behörden von Stadt und Land auf diese Möglichkeit. Laut der Integrierten Verkehrsleitzentrale besteht ein zentrales Problem darin, dass es derzeit keine einheitliche, verbindliche Schnittstelle für alle Navigationsanbieter gibt. „Einzelne Anbieter stellen jeweils eigene Portale und Meldewege bereit, die sich jedoch in Struktur und Anforderungen deutlich unterscheiden“, sagt Stadtsprecher Oliver Hillinger. „Die Nutzung solcher anbieterbezogenen Einzellösungen – auch im Fall von Google – würde bedeuten, dass dieselben Informationen mehrfach, manuell und in unterschiedlichen Systemen gepflegt werden müssten. Dies ist mit vertretbarem Aufwand nicht leistbar.“ Die Stadt arbeite laut dem Sprecher aber an einer einheitlichen Lösung, über die alle relevanten Navigationsdienste gleichzeitig und zuverlässig Verkehrsinformationen erhalten.
Doch, wie landen dann derzeit Straßensperrungen und geplante Baustellen in den Navigationssystemen? Stadt und Polizei melden sie über das System TIC3 (Traffic and Travel Information Services) an die Landesmeldestelle des Innenministeriums. Diese prüft die Daten und stellt sie auf der öffentlich zugänglichen Plattform Mobilithek bereit. Von dort können Navigationsdienste sie abrufen – theoretisch. Ob Google das tut, ist unklar. Eine Sprecherin des Unternehmens gibt an, dass die Informationen wie Ortschaften, Straßennamen, Grenzen, Verkehrsdaten und Straßennetzwerke von Drittanbietern und öffentlichen Quellen stammen. Weiter ins Detail geht sie nicht.
Um Kartendaten aktuell zu halten, setzt Google auch auf die Nutzer. Ihr Bewegungsprofil liefert Erkenntnisse zu Verkehrsbehinderungen, zudem können sie Sperrungen und Baustellen direkt in der App eintragen. Allerdings sind solche Meldungen fehleranfällig: Autofahrer können sich irren, veraltete Informationen eintragen oder Sperrungen melden, die längst aufgehoben sind. Um solche Irrtümer zu verhindern, können fehlerhafte Einträge gemeldet werden, außerdem werden Beiträge und Profile geprüft. „Dabei setzen wir sowohl auf Menschen als auch auf verschiedene Technologien“, so die Sprecherin, die überzeugt ist, dass die verschiedenen Quellen, die von Google Maps genutzt werden, im Allgemeinen eine starke Basis für umfassendes und aktuelles Kartenmaterial bieten.