Die Bagger machen aus Wehren schiefe Ebenen, damit Fische flussaufwärts kommen Foto: Horst Rudel

Ein großes Naturschutzprojekt im Kreis Göppingen ist bald abgeschlossen. In wenigen Wochen können Fische die Fils wieder von Plochingen bis Süßen ungehindert flussaufwärts passieren

Eislingen - Ein großes Naturschutzprojekt im Kreis Göppingen ist bald abgeschlossen. In wenigen Wochen können Fische die Fils wieder von Plochingen bis Süßen ungehindert flussaufwärts passieren. Das entspricht einer Strecke von knapp 30 Kilometern. Zuvor müssen noch mehrere kleine Wehre in Eislingen und Uhingen abgerissen und durch sogenannte raue Rampen ersetzt werden. In vier, fünf Wochen sei das voraussichtlich erledigt, schätzt Richard Zweig vom Regierungspräsidium Stuttgart, der das Projekt leitet.

Eigentlich hätten die Arbeiten jetzt schon abgeschlossen sein sollen. Da die Fils in den vergangenen Wochen aber viel Wasser führte, konnten die Bagger nicht mit den Arbeiten loslegen. Doch am Freitag fiel, nachdem ein größerer Bagger herangeschafft worden war, in Eislingen der Startschuss. Dort wird das alte Wehr im Bereich der Bahnhofstraße abgerissen. Die Stufe in der Bachsohle wird anschließend so mit Steinen aufgefüllt, dass eine schiefe Ebene entsteht, über die die Fische später flussaufwärts ziehen können. 100 000 Euro steckt das Land in diese Maßnahme.

Von Montag an wird dann auch wieder in der Fils bei Uhingen gearbeitet. Dort müssen von insgesamt drei Wehren noch zwei durch eine Fischtreppe, wie die rauen Rampen auch genannt werden, ersetzt werden. Die Kosten dafür veranschlagt das Regierungspräsidium mit weiteren 300 000 Euro. Die aktuellen Rückbauten sind nicht die ersten. In den vergangenen fünf Jahren wurden bereits 14 landeseigene Wehre zwischen Plochingen und Süßen abgerissen. Zweig beziffert die Gesamtkosten des Projekts auf rund eine Million Euro.

Durch den Rückbau werden die Sünden der Vergangenheit wieder gut gemacht. Zweig erinnert daran, dass die mäandrierenden Flüsse in den 60er und 70er Jahren begradigt wurden. Dadurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit, die Flusssohle erodierte. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, baute man Wehre. Erst im Nachhinein realisierte man, dass die Fische vor allem bei Hochwasser regelrecht von der Strömung mitgerissen wurden. Die Folge: viele Fischarten gelangten nicht mehr an ihre angestammten Laichplätze.

Künftig soll das wieder möglich sein. Über die rauen Rampen können die Fische flussaufwärts gelangen. Dazu werden die Steine so eingebaut, dass die Steigung maximal fünf Prozent beträgt. Die Baggerfahrer, die dies erledigen, müssen großes Geschick beweisen, um die Rampen so hinzukriegen, dass sie bei Niedrigwasser noch ausreichend Wasser führen. Auf der anderen Seite darf die Strömung niemals zu stark werden, damit die Fische nicht abgetrieben werden. Ferner sei es wichtig, die Steine so zu platzieren, dass sie auch großen Wassermassen standhielten, sagt Richard Zweig. Damit sich die Fische auf dem Weg flussaufwärts auch ausruhen können, werden sogenannte Störsteine eingebaut, hinter denen sich Gumpen bilden.

Mit Abschluss der Arbeiten in Eislingen und Uhingen werden alles Wehre des Landes beseitigt sein. Dann gibt es nur noch zwei größere private bei Süßen. „Dort wird Wasserkraft genutzt“, sagt Zweig. Er hofft, dass die Besitzer dort Abhilfe schaffen. Das erneuerbare Energie-Gesetz sichere den Wasserkraftwerksbetreibern eine höhere Vergütung zu, wenn sie ebenfalls Fischtreppen errichteten. In Gingen und in Ebersbach sei bereits so verfahren worden.

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