Schilder wie dieses gibt es bereits im Eichenhain, das RP hat zusätzlich neue aufgestellt beziehungsweise bestehende versetzt, damit sie besser gesehen werden Foto: Holowiecki

Spaziergänger und Mountainbiker werden nun deutlicher durch das Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch geleitet. Denn das Problem ist: Nicht alle scheren sich um die geltenden Regeln.

Sillenbuch - Der Sillenbucher Eichenhain ist Umweltfreunden durch den Magerrasen und die uralten prächtigen Eichen bekannt. Seltene Tier- und Pflanzenarten leben auf den sonnigen Hängen, und ihnen zuliebe greift das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart nun stärker durch.

Im vergangenen Jahr wurde dem evangelischen Ferienwaldheim an der Eichenparkstraße untersagt, das Naturschutzgebiet zu nutzen. Bis 2021 gibt es übergangsweise eine Ausnahmegenehmigung für definierte Flächen. Jetzt sollen auch andere Aktivitäten unterbunden werden. Laut der RP-Sprecherin Julia Christiansen „haben die Auswirkungen der zunehmenden Freizeitnutzung in den vergangenen Jahren gezeigt, dass das Naturschutzgebiet längerfristig stärker geschützt werden muss“.

Dieses Verhalten soll nun ein Ende haben

An schönen Tagen ist viel los. Familien spielen und vespern auf den Wiesen, Gassigeher wandern querfeldein, Radler hoppeln über Stock und Stein. Das soll nach dem Willen der Behörde nun aufhören, und zwar durch eine gezielte Besucherlenkung. Dieser Tage werden entlang der Hauptwege Baumstämme verlegt, die Personen wie natürliche Barrieren davon abhalten sollen, kreuz und quer umher zu stapfen. „In einigen anderen Naturschutzgebieten wird diese Maßnahme bereits erfolgreich angewandt“, teilt das RP mit. Erste Stämme – nur hiesiges Holz – werden im Norden verlegt. Richtung Riedenberg geht es dann sukzessive weiter.

Zum einen sollen die Baumstämme vorhandene Trampelpfade, etwa vom Hermann-Löns-Weg oder der Eichenparkstraße kommend, blockieren. Außerdem sollen sie Mountainbiker stoppen, die die Flächen zahlreich als Offroadstrecke nutzen. Vor allem der ausgetrocknete Bachlauf steht dabei im Fokus. Das RP hofft, dass sich so die Vegetation regenerieren kann. Gerade die wertvollen Pflanzen des Magerrasens reagierten sehr empfindlich auf Tritte, „sie können sich dann nicht mehr gegen weitverbreitete und weniger empfindliche Pflanzen behaupten und verschwinden“.

Es gelten strenge Vorgaben für die Besucher

In einem ersten Schritt sind Bänke versetzt worden. Das gefällt offenbar nicht jedem. Eine Leserin hatte sich an unsere Redaktion gewandt und sich über den Bankabbau empört. Außerdem wurden zusätzliche Schilder angebracht, die über die Vorschriften informieren. Was viele Eichenhain-Fans nicht wissen oder ignorieren: Hier gelten strengere Vorgaben als für andere Grünbereiche. Tatsächlich zählt die Kategorie Naturschutzgebiet zu den höchsten im deutschen Naturschutzrecht. Der Eichenhain wurde bereits vor rund 70 Jahren als solches deklariert. Das Verlassen der Wege ist nicht erlaubt. Lärm und Bodenerschütterungen sind verboten. Auch eine Picknickdecke auszubreiten oder im Gras ein Nickerchen zu halten, ist tabu. Hunde sind an die Leine zu nehmen.

Das Regierungspräsidium plant als höhere Naturschutzbehörde derartige Pflege- und Schutzmaßnahmen, die Stadt als untere Naturschutzbehörde muss sie umsetzen. Das Ordnungsamt kontrolliert regelmäßig, ob Vorschriften eingehalten werden. Je nach Schwere oder Einsichtigkeit können Bußgelder bis zu 700 Euro fällig werden. Verstöße gibt es immer wieder. Immerhin: Laut dem Stadt-Sprecher Martin Thronberens hat die Zahl zuletzt nicht zugenommen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: