Mit Blick auf stark steigende Fuchsbestände in Baden-Württemberg – 2008 wurden 73.200 Tiere erlegt, 2012 waren es 77.300 – spricht sich Andrè Baumann, Landeschef des Naturschutzbundes, für ein zielgerichtetes Vorgehen aus. Foto: dpa-Zentralbild

Das geltende Landesjagdgesetz stammt aus dem Jahr 1978. Nun soll es eine Reform geben – mit vielen Änderungen. Geplant ist, dass Landwirte künftig für Wildschweinschäden zahlen.

Das geltende Landesjagdgesetz stammt aus dem Jahr 1978. Nun soll es eine Reform geben – mit vielen Änderungen. Geplant ist, dass Landwirte künftig für Wildschweinschäden zahlen.

Stuttgart - Eine Wiese unweit der B 500, ­also im Gebiet des neuen Nationalparks Schwarzwald. Gestern war das Gebiet noch grün, heute gleicht es einer Matschwüste. Kein Zweifel: Hier haben Wildschweine über Nacht ganze Arbeit geleistet und sich danach in die nahen Wälder verkrochen. Ein Einzelfall? Keineswegs. Und aus Sicht der Wildforschungsstelle des Landes mit Sitz in Aulendorf ist ein Ende solcher Attacken nicht in Sicht, da der Winter bisher ausgefallen ist. „Bei feuchter und kalter Witterung haben wir es mit großen Verlusten im Bestand zu tun, weil die jungen Wildschweine kaum durchkommen. Aber bei trockener und milder Witterung sind die Verluste gleich null", sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Nun aber scheint Abhilfe in Sicht. Im Zuge des neuen Landesjagdgesetzes, das die Landesregierung derzeit erstellt, soll die Jagd nach Wildschweinen erleichtert werden. Eine Idee von vielen: die Einrichtung sogenannter Schussschneisen.

Was sich auf den ersten Blick wie ein komplizierter Begriff aus dem Jägerlatein anhört, ist in Wahrheit relativ simpel. Wo sich die Wildschweine derzeit in Wäldern und gerne auch in Maisfeldern verstecken, ehe sie zu ihren Beutezügen aufbrechen, könnte künftig mit eigens freigeschlagenen Wegen quer durch Felder erreicht werden, dass die Jäger es leichter haben, das Schwarzwild zu erlegen. Dass Notwendigkeit zum Handeln besteht, beweist die neue Jahresstatistik des Deutschen Jagdverbandes aus dieser Woche.

Demnach hat die Zahl der geschossenen Wildschweine stark zugenommen. Im Jagdjahr 2012/2013 (April bis März des Folgejahres) wurden bundesweit 644.000 Wildschweine erlegt, ein Plus von 26 Prozent gegenüber den Vorjahren. Allein in Baden-Württemberg wurden 70 100 geschossene Wildschweine registriert. Angesichts des milden Winters erwarten Experten eine weiter stark steigende Population in den nächsten Wochen. Im Zuge des neuen Landesjagdgesetzes will man aber nicht nur die Jagd­methoden reformieren, sondern auch die Regelung von Schadensfällen überarbeiten. Bisher müssen Jäger die Kosten begleichen, wenn Wildschweine in Feldern wüten. Künftig ist geplant, dass sich die Landwirte zu 20 Prozent an den Kosten beteiligen.

Jagd nur noch an künstlichen Fuchsbauten

Das Problem Wildschweine ist eines der vielen Themen, die im neuen Landesjagdgesetz eine Rolle spielen sollen. Seit zwei Jahren tüfteln Experten von Tierschutz, Naturschutz, Jagdverbänden, Landwirten und anderen Interessenverbänden an der Reform des Gesetzes. „Wir planen, im ersten Quartal einen Referentenentwurf vorzulegen“, sagte eine Sprecherin von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) am Donnerstag unserer Zeitung. Der Amtschef des Ministeriums, Wolfgang Reimer, gewährte diese Woche in Ravensburg schon mal Einblicke. So will man unter anderem die Fallenjagd einschränken, die Abschusserlaubnis für Tierarten in unterschiedliche Klassen aufteilen, um die Ausrottung einzelner Tierarten zu vermeiden, und ein zeitweises Fütterungsverbot im Winter erlassen. CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk warnte Grün-Rot in Ravensburg, den Jägern zu viel vorzuschreiben: „Sie haben viel Erfahrung bei Hege und Pflege. Da muss nicht alles vom Staat reguliert werden.“

Korrekturen sind auch bei der Fuchsbaujagd geplant. Demnach soll die Fuchsjagd künftig nicht mehr an natürlichen, sondern nur noch an künstlichen Fuchsbauten erlaubt sein. Der Grund: Immer wieder gibt es Vorfälle, bei denen Jagdhunde beim Eindringen in den Fuchsbau nicht auf das gesuchte Tier, sondern auf einen Dachs treffen und dabei verletzt oder getötet werden. Mit künstlichen Fuchsbauten soll gewährleistet werden, dass nur noch Füchse im Bau leben.

Mit Blick auf stark steigende Fuchsbestände im Land – 2008 wurden 73.200 Tiere erlegt, 2012 waren es 77.300 – spricht sich André Baumann, Landeschef des Naturschutzbundes, für ein zielgerichtetes Vorgehen aus. „Wir haben nichts gegen eine Fuchsjagd. Sie macht aber nur einen Sinn, wenn die toten Tiere nicht wie bisher zu 99 Prozent in der Tierkörperbeseitigungsanstalt landen, sondern als Pelze weiterverwendet werden“, sagte Baumann unserer Zeitung. Dass er mit dieser Haltung gerade bei den Grünen, aber auch bei Tierschützern in ein Wespennest sticht, ahnt Baumann wohl. Aber auch Tierschützer müssten akzeptieren, „dass einen Pelz zu tragen, nicht verwerflich ist“. Die Gegner dürften das anders sehen. In Berlin hielten Demonstranten diese Woche am Rand der Fashion-Week Transparente mit der Aufschrift „Pelz ist nicht sexy“ in die Höhe. Ein Mann zückte daraufhin eine Wasserpistole und spritzte Buttersäure auf die Demonstranten.