Bannwald im Nordschwarzwald: Daraus kann ein Urwald werden Foto: dpa

Echte Urwälder gibt es in Baden-Württemberg schon lange nicht mehr. 1,5 Prozent der Waldfläche entwickelt sich aber ohne menschliche Eingriffe. Damit es bis 2020 fünf Prozent sind, müssen weitere 40 000 Hektar brach liegen.

Stuttgart - Wenn es um naturnahe Wälder geht, sind Baden-Württemberg und Bayern Schlusslicht: Bundesweit werden im Schnitt 1,9 Prozent des Waldes sich selbst überlassen. Das ist nicht genug: 2007 hat der Bund verordnet, dass bis zum Jahr 2020 fünf Prozent des Waldes gänzlich unangetastet bleiben sollen – die Urwälder von morgen. Die baden-württembergische Landesregierung hat das Ziel in den Koalitionsvertrag aufgenommen – tut sich aber schwer mit der Umsetzung. Rund 50 Prozent des Waldes im Land sind in Privatbesitz. Die Eigentümer befürchten drastische Ertragseinbußen. Vor allem die großen Privatwälder sind sehr ökonomisch ausgerichtet.

Aber auch die Städte und Gemeinden wollen an ihrem Wald verdienen. Das Land kann sie nicht zwingen, Waldflächen aufzugeben. Der notwendige Prozentsatz an Urwald soll deshalb vor allem im Staatswald wachsen, der aber nur 23 Prozent der gesamten Waldfläche ausmacht.

Um das gesteckte Ziel zu erreichen, fehlen im Land noch 40 000 Hektar: „Das wäre die vierfache Fläche des Nationalparks Schwarzwald“, sagt Johannes Enssle, Referent für Waldwirtschaft und Naturschutz beim Naturschutzbund (Nabu). Das löse natürlich einen Aufschrei bei den Waldbesitzern aus. Dabei könnten sie durchaus auch am Urwald Geld verdienen, sagt Enssle.

Eine Möglichkeit wäre, über das baden-württembergische Ökokonto für die neuen Waldrefugien mit Alt- und Totholz so genannte Ökopunkte zu sammeln. Die können dann an Investoren verkauft werden, die im Außenbereich bauen wollen, aber keine Ausgleichsflächen schaffen können. Der Gemeindetag Baden-Württemberg warnte vor einem erhöhten bürokratischen Aufwand.

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