Der Naturpark Schönbuch ist nicht nur der älteste in Baden-Württemberg, er hat auch einen sehr hohen Waldanteil. Die Besucher des Parks erwartet in diesem Jahr einiges an Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten – und zudem jede Menge spannende Tierarten.
Kreis Böblingen - „Es zieht so viele Menschen in den Wald wie nie“, freut sich die Naturpark-Vorsitzende Anja Peck auf der Pressekonferenz mitten im Schönbuch. Über vier Millionen Besucher zieht es jährlich in den Park, dessen Fläche mit 156 Quadratkilometern in etwa der von Liechtenstein entspricht. „Jeder Naturpark hat seine Schwerpunkte“, erläutert Peck, „aber der Schönbuch ist mit dem ehemaligen Zisterzienserkloster Bebenhausen kulturhistorisch gesehen ein ganz besonderer.“ Der Park, der im Jahr 1972 gegründet wurde, ist der älteste von insgesamt sieben in Baden-Württemberg. Zusammen nehmen die Großschutzgebiete ganze 36 Prozent von Baden-Württemberg ein.
Unterstützt wird die Verwaltung des Geländes durch den Förderverein „Naturpark Schönbuch“. Damit der Park allerdings „kein Selbstzweck“ bleibt, braucht es „eine breite Beteiligung, um einen Einklang von Natur und Mensch zu schaffen“, erläutert die Vorsitzende. Deshalb werden aus Fördermitteln des Landes und der EU nicht nur Projekte der Naturparkstädte und -gemeinden, sondern auch jene von privaten Vereinen und Personen unterstützt.
Wald, wie er vor 100 Jahren aussah
Ein solches Projekt stellt Reinhold Kratzer, Forstamtsleiter im Kreis Böblingen, vor: die Herrenberger Waldweide. Die im letzten Jahrhundert langsam aussterbende Waldnutzungsform, die lichte Wälder mit großen Lücken vorsieht, erlebt im Zuge des Naturschutzes seit einigen Jahren eine Renaissance. Im Auftrag der Stadt Herrenberg, der Besitzerin der Waldweide, soll „die historische Waldnutzungsart reaktiviert werden“, berichtet Kratzer. Auf sieben Hektar wird die Weide den Wald so repräsentieren, wie er bis Ende des 18. Jahrhunderts existiert hat, erklärt der Forstamtsleiter. Denn dichte Wälder sind ein Problem für die Artenvielfalt: „Sie schränken den Lebensraum für viele Arten ein“, weiß Kratzer, „deshalb wollen wir lichte Wälder fördern, und damit auch die Biodiversität“.
Besonders freuen dürfte das die vier Galloway-Rinder, die noch in dieser Woche die Waldweide als ihr neues Habitat beziehen. „Die urigen Rindviecher drücken zwar viel Kraft aus“, schmunzelt Kratzer, „sie sind aber auch sehr tolerant und lassen sich gerne bestaunen“. Die Rinder tragen insofern zu der Instandhaltung der Weide bei, dass sie die Fläche während der Sommerbeweidungssaison von April bis Oktober von Gräsern und Gehölz freihalten.
Lautes Froschkonzert
Doch nicht nur die großen Säugetiere sorgen für Vielfalt im Naturpark Schönbuch, auch der Laubfrosch hat sich angesiedelt, berichtet Forstrevierleiter Winfried Seitz: „Die Frösche machen hier immer wieder laute Konzerte.“ Vogelkundler können außerdem den Halsbandschnäpper sichten oder den Wespenbussard. „Wir sehen an den verschiedenen Arten, die hier sind, dass unsere Arbeit wirkt“, freut sich Seitz.
Zu guter Letzt wollen die Projektverantwortlichen die Wegführung erleichtern, deshalb wurde die Waldweide an das Wegeleitsystem im Naturpark angeschlossen. „Wir möchten einen Naturpark für alle“, sagt Mathias Allgäuer, Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch. „Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sollen den Naturpark erleben können, sofern die Topografie des Waldes es zulässt.“
Das Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2021 des Parks beinhaltet von Barfuß-Spaziergängen bis Gottesdiensten im Grünen für jeden Geschmack etwas – allerdings schauen Interessierte vor einer Veranstaltung besser noch einmal im Internet nach, ob diese stattfindet, empfiehlt Allgäuer. Eine Neuerung für Naturparkbesucher: „Bis Mai bauen wir einen Steg, der zu einer Beobachtungsplattform führt.“ Von dort aus lässt sich dann die Waldweide bestaunen.
Johann Wolfgang von Goethe, der wohl prominenteste Zeitzeuge des Herrenberger Waldes, beschrieb ihn in seinen Tagebüchern schon als „Weidewald“. Der Dichter ließ sich einst von dem romantischen Licht, das sanft auf „einzelne Eichbäume“ fällt, faszinieren. Für heutige Besucher wird er durch die zahlreichen Projekte noch „erlebbarer“, glaubt Winfried Seitz: „Er wird sichtbarer, hörbarer, fühlbarer.“
Weitere Informationen zum Park und zum Programm gibt es unter der Adresse www.naturpark-schoenbuch.de im Netz.