Rainer Ganter in einem Sojabohnenfeld: Die Ernte ist jetzt in vollem Gange. Foto: Faltin

Rainer Ganter aus Achern ist seit fast 30 Jahren Ökobauer aus Überzeugung. Um dauerhaft auf synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten zu können, muss er sich manchmal auch raffinierter Tricks bedienen.

Achern - Als Ökolandwirt muss man erfinderisch sein, sonst löst man manches Problem einfach nicht. Schon lange etwa haben die Krähen die frisch keimenden Maiskörner auf Rainer Ganters Äcker als Leckerbissen für sich entdeckt, manchmal fehlen deshalb halbe Reihen – vor zwei Jahren kam der 56-jährige Bauer aus Achern (Ortenaukreis) auf die Idee, die Körner in einer Betonmaschine mit Eukalyptus- und Fichtennadelöl zu vermischen: „Das hat gut funktioniert, aber dieses Jahr fressen die Krähen den Mais wieder weg.“ Also muss er weiter grübeln und tüfteln.

Schon fast 30 Jahre arbeitet Rainer Ganter nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus, seit mehr als 20 Jahren ist er Mitglied von Bioland. Auf seinen 90 Hektar baut er Sojabohnen, Kartoffeln, Mais und Meerrettich an. Die Eltern waren damals alles andere als begeistert, seine Mutter habe die Äcker kaum noch anschauen mögen, weil so viel Unkraut darin gestanden habe, erinnert sich Ganter. Und ja, er habe Lehrgeld zahlen müssen, räumt der Landwirt unumwunden ein. Manchmal überwucherte Gestrüpp die Sojapflanzen, und in nassen Jahren fault ihm manchmal noch heute das Kartoffelkraut und damit die Ernte weg. Dass die Umstellung auf Öko dennoch richtig war, daran hat Rainer Ganter keinerlei Zweifel: „Ich will das Gefühl haben, dass es in Ordnung ist, was ich tue“, sagt er.

Die Striegelmaschine gehört zu den wichtigsten Helfern

Mit den vielen Pflanzenschutzmitteln hatte er dieses Gefühl nicht mehr. Dabei ist Rainer Ganter nicht so sehr von Ideologie getrieben. Er sagt gerne „Unkraut“, obwohl das in der Branche verpönt ist; jede Pflanze gilt als wertvoll, man sagt korrekt „Beikräuter“. Er redet nicht groß von Naturschutz, sondern sagt wie selbstverständlich: „Man muss doch den Viechern auf den Feldern eine Chance geben.“ Und damals vor drei Jahrzehnten störte ihn vor allem, dass er vorher nie wusste, welchen Preis er für sein Getreide bekommen wird. Die Abhängigkeit ist heute geringer für ihn.

Der Aufwand aber deutlich höher. Um die synthetischen Spritzmittel ganz weglassen zu können, hat Rainer Ganter viele Maschinen, viele Tricks – und viel Arbeit. Ein wichtiges Instrument ist die Striegelmaschine. Mit Metallhaken fährt man durch den Boden, das junge Unkraut wird dabei gestört und stirbt ab. In wenigen Fällen, etwa beim Meerrettich, muss Rainer Ganter Unerwünschtes teils noch von Hand ausreißen. So vermeidet er die Herbizide. Die Insektizide kann er weglassen, weil er etwa das Getreide sehr spät im November oder gar Dezember aussät, wenn keine Schädlinge mehr unterwegs sind.

Allerdings, und das wissen viele nicht, muss auch ein Ökobauer gegen Kartoffel- oder Meerrettichkäfer manchmal zur Spritze greifen. Erlaubt sind nur natürliche Mittel wie das Öl des Niembaums. Auch in Ganters Schuppen steht ein Spritzgerät für den Traktor. Es fällt aber recht putzig aus im Vergleich zu konventionellen Höfen.

Der Ertrag ist teils deutlich geringer als auf normalem Hof

Die Fungizide dagegen, die dritte Gruppe der Pflanzenschutzmittel gegen Pilze, sind am schwersten zu ersetzen. Teils nutzen Biolandwirte Kupfer, etwa gegen die Krautfäule, doch das ist auch nicht unumstritten; schließlich ist Kupfer ein Schwermetall. Manchmal aber hilft nur, die Pilze hinzunehmen – und einen geringeren Ertrag zu akzeptieren.

Das ist generell die zweite große Auswirkung, die der Verzicht auf Spritzmittel mit sich bringt: Die Ernte fällt kleiner aus. Bei Soja und Mais, die für Rainer Ganter die Ertragsbringer sind, sei das nicht gravierend; beim Getreide aber ernte er manchmal nur die Hälfte dessen, was ein herkömmlicher Betrieb pro Hektar in die Scheune fährt. Insgesamt mache der höhere Preis den größeren Aufwand und den geringeren Ertrag aber wett: „Bei aller Liebe zur Natur, wir müssen von unserem Hof auch leben können“, sagt der 56-Jährige.

In diesen Zeiten, in der Bioprodukte hoch im Kurs stehen und selbst die Discounter ihr Biosortiment rasend schnell ausbauen, geht das Konzept auf. Ganter liefert nicht an Aldi oder Lidl – sein Soja geht an die Firma Taifun-Soja in Freiburg, seinen Speisemais liefert er an eine Erzeugergemeinschaft, und die Kartoffeln kaufen die Leute in Fautenbach und Umgebung.

Obwohl der einzige Biobauer im Dorf, ist Ganter der Vorsitzende des örtlichen Bauernverbands. Er hat ein sehr gutes Verhältnis zu den konventionell arbeitenden Kollegen und sät ihnen gerne auch mal Biosoja ein, damit sie ihre ökologischen Vorgaben erfüllen. In vielen Punkten steht er Seite an Seite mit ihnen: Der Nachwuchsmangel, das schlechte Image, der Preisdruck, all das treibt auch ihn um.

Mindestens genauso fuchst ihn aber, dass er noch keinen überzeugen konnte, den Hof auf Bio umzustellen. Dabei seien die Chancen noch nie so gut gewesen wie heute, sagt Rainer Ganter. Egal, er arbeitet weiter dran: „Aber manche sind schon eine ganz schön harte Nuss“, sagt er und lacht.

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