Während Rebhühner früher auf Feldern weit verbreitet waren, sind sie heute wegen der Bedrohungen für ihren Lebensraum ein seltener Anblick. Foto: imago//alimidi/Arterra

Noch Anfang der 2000er Jahre sah es so aus, als würde das Rebhuhn im Landkreis Esslingen aussterben. Durch das Engagement der Jägerschaft und verschiedener Naturschutzverbände wächst die Zahl der Vögel wieder langsam an.

„Am Ende haben alle ein gemeinsames Ziel: den Erhalt des Rebhuhns“, sagt Peter Endl. Der Biologe ist Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes (Nabu) Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen, und er setzt sich für den Schutz der am Boden brütenden Vögel ein. Deren Situation war vor etwa 20 Jahren höchstkritisch. Nachdem 1991 noch 19 Brutpaare in Leinfelden-Echterdingen gezählt wurden, waren es 2004 nur noch vier. Insgesamt ist die Population der Rebhühner in Deutschland seit 1995 um 82 Prozent gesunken. Sie gelten laut der sogenannten Roten Liste als stark gefährdet. Auch andere sogenannte Agrarvögel wie der Kiebitz oder die Feldlerche sind von diesem Rückgang betroffen.

 

Rückgang seit den 1970er Jahren

Den Grund für diese Entwicklung sieht Wolfgang Hinderer von der Jägervereinigung Esslingen vor allem in der Veränderung der Biotope. Hinderer leitet den Hegering Filder und ist – ebenso wie Endl – mit den Rebhühnern bestens vertraut. In den 1970er Jahren kam es in der Landwirtschaft zur Flurbereinigung. Grünstreifen und Brachflächen verschwanden, um größeren Äckern Platz zu machen. Auch der Ausbau der Wegenetze zwischen Ortschaften und die intensivere Freizeitaktivität verdrängten die scheuen Tiere. Der Wegfall blühender Grünflächen, die den Rebhühnern Insekten als Nahrung für ihren Nachwuchs und genügend Verstecke für ihre Nester boten, ließ die Rebhuhnpopulationen schrumpfen.

Schutz der Rebhühner im Landkreis

Dieser Entwicklung will die „Allianz für Niederwild“ entgegenwirken. Wolfgang Hinderer erklärt, dass es sich um einen Zusammenschluss aus Jägerschaft, Naturschutzverbänden, Kommunen und Landwirten handele, der seit 2016 Lebensräume für Niederwild – darunter Feldhasen, Fasane und Rebhühner – schaffen will. Geleitet wird das Projekt von der Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg und des Landesjagdverbands. Das Gebiet der Mittleren und Westlichen Filder im Landkreis Esslingen ist eine der vier Modellregionen, in denen das Projekt umgesetzt wird. Entscheidend ist dabei vor allem die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen.

Die Landwirte und Kommunen stellen Flächen bereit, die von der Jägerschaft dann so bepflanzt werden, dass sich Rebhühner und andere Tiere dort wohlfühlen. Während das Rebhuhn selbst seit längerer Zeit nicht mehr bejagt wird, kommt der Jägerschaft die Aufgabe zu, die Zahl der Fressfeinde des Rebhuhns – etwa den Fuchs – einzudämmen. Aufgrund der Tollwutimpfung seien deren Bestände problematisch geworden, sagt Peter Endl. Er und der Nabu Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen unterstützen das Projekt beratend, indem sie beispielsweise seit 32 Jahren jährlich die Rebhühner im Gebiet von Leinfelden-Echterdingen zählen.

Auch finanziell helfen Nabu und Jägerschaft bei der Umsetzung des Projekts. „Die Zusammenarbeit der Projektbeteiligten ist sehr gut“, sagt Endl. Auch Hinderer ist mit der Kooperation zufrieden. Gerade die Landwirte hätten ihn überrascht: „Es gibt einige, die die Sache wirklich unterstützen wollen.“ Dies sei nicht selbstverständlich, denn obwohl Kompensationszahlungen einiges abfingen, nähmen die Landwirte durch die Abtretung der Flächen für das Projekt auch finanzielle Einbußen hin. Auch in Kirchheim gibt es ein Projekt zum Schutz der Rebhühner. 2006 gab das Landratsamt Esslingen eine Fläche am Flugplatz Hahnweide für die Arterhaltung der Vögel frei. Der Kreisjägermeister German Kälberer sieht sich mit dem Projekt in die Tradition der Jägervereinigung Kirchheim eingebunden. Denn nicht nur die Jagd, sondern auch der Artenschutz seien deren feste Bestandteile.

Ebenso wie auf den Fildern wird auch in Kirchheim ein Biotop angelegt, das den Vorlieben der Rebhühner entspricht. Die Stadt Kirchheim unterstützt das Projekt bis heute finanziell. Bislang wurde in Kirchheim zumindest erreicht, dass das Rebhuhn nicht vollständig verschwunden ist, stellt Kälberer fest. „Auf das Niveau von damals werden wir wohl kaum mehr kommen.“ Es fehlen laut Kälberer vor allem geeignete Flächen.

Auf den Fildern hingegen hat das Rebhuhn ein kleines Comeback erlebt. Im vergangenen Jahr wurden in Leinfelden-Echterdingen wieder 19 Brutpaare gezählt, so Peter Endl. Auf den Fildern waren es laut dem Landesjagdverband insgesamt 60 Paare. „Das Wichtigste ist, dass der Bestand noch da ist“, sagt Endl. Dennoch sieht er eine Verbesserung der Lage. Auch Wolfgang Hinderer sieht eine leichte Verbesserung, warnt aber davor, dass der Aufwärtstrend noch sehr anfällig sei. Es brauche mehr Projekte, die Reviere für Rebhühner schaffen. Diese gelte es dann noch zu vernetzen. Die Zusammenarbeit aller Kommunen eines Gebiets sei hier gefragt. Denn Rebhühner blieben meist nicht in dem Revier, in dem sie aufwuchsen, sondern suchten sich ein neues. Gebe es viele Habitate, die nahe gelegen und vernetzt seien, erleichtere das ihre Verbreitung.

Die Zahl steigt langsam wieder

Um eine noch weitreichendere Zusammenarbeit zu erreichen, organisiert die Jägervereinigung Exkursionen und Informationsabende und bringt sich auch in Gemeinderatssitzungen ein. Es gelte, alle potenziellen Partner darüber zu informieren, welche Vorteile das Projekt bringt. Laut Angaben des Landratsamts Esslingen sind so im vergangenen Jahr auf etwa 350 Hektar Blühstreifen und Blühflächen angelegt worden. Durch ihre Zusammenarbeit haben die Partner erreicht, dass sich das Rebhuhn im Landkreis Esslingen wieder vermehrt – langsam, aber stetig.

Das Rebhuhn

Merkmale
Das Rebhuhn ist ein etwa 30 Zentimeter großer Vogel mit braunem Gefieder. Er fliegt meist in niedriger Höhe über den Boden und gleitet dabei über längere Strecken. Bei Gefahr drückt sich das Rebhuhn flach auf den Boden.

Nahrung
Junge Rebhühner ernähren sich vor allem von Insekten und deren Larven. Ältere Vögel bevorzugen pflanzliche Nahrung wie Körner, Samen oder grüne Pflanzenanteile.

Anzeichen für Vielfalt
Bodenbrüter wie Rebhühner zeigen den Zustand der biologischen Vielfalt in einem Habitat an. Geht es dem Rebhuhn gut, geht es auch anderen Tieren gut.