Naturschutz Die Störche sind wieder da

Von Annette Mohl 

Zigtausende Kilometer unterwegs: Störche auf dem Weg zwischen Baden-Württemberg und Afrika Foto: dpa
Zigtausende Kilometer unterwegs: Störche auf dem Weg zwischen Baden-Württemberg und Afrika Foto: dpa

Vor 40 Jahren war der Storch im Südwesten praktisch ausgerottet. Gerade mal 15 Paare gab es 1975 noch. Heute sind es zwar wieder 760 Paare. Das Nahrungsangebot wird aber knapp.

Stuttgart - Störche sind Zugvögel. Sie legen gewaltige Strecken zurück. Zurzeit verbringen die meisten Tiere aus Baden-Württemberg den Winter in Afrika. Entweder haben sie die Westroute genommen und sind in drei bis vier Wochen über Spanien und Marokko bis Mali oder sogar Nord-Ghana geflogen.

Oder sie haben die Ostroute gewählt und haben die Türkei und den Nahen Osten überflogen, um nun in Ost- oder sogar Südafrika zu überwintern. Aufgebrochen zu der zigtausend Kilometer langen Reise sind die 2014 in Baden-Württemberg geschlüpften Jungtiere im August, die älteren im September. Zurückerwartet werden sie im Februar.

Ein Storchenpaar bekam 2014 im Schnitt 2,3 Junge

2014 war für den Weißstorch ein gutes Jahr. Der Bruterfolg habe bei 2,3 Tieren pro Paar gelegen, sagt die Koordinatorin des Weißstorchschutzes in Baden-Württemberg, Ute Reinhard. So kletterte die Zahl der Storchenpaare dank der milden Witterung auf 760 Paare. Ganz anders sah es 2013 aus: Damals brachten die Paare im Schnitt nur 0,7 Jungvögel durch. Das lag vor allem an einem längeren Kälteeinbruch im Mai: Die Jungvögel waren schon zu groß, um unter dem Gefieder der Eltern Schutz zu finden. Damals seien 90 Prozent des Nachwuchses erfroren, sagt Ute Reinhard.

„Auf das Klima haben wir keinen Einfluss, wohl aber auf andere Faktoren“, sagt Reinhard. Vor allem die sinkende Zahl passender Nahrungsgebiete macht ihr Sorgen. Immer mehr Grünland werde zur Biogasproduktion in Maisfelder verwandelt. „Da können die Eltern die Jungvögel nicht ernähren.“ Ihre Hauptnahrungsquelle – Frösche – gibt es längst nicht mehr in ausreichender Zahl. Störche fressen deshalb inzwischen vor allem Mäuse. An den Nachwuchs werden Regenwürmer verfüttert, Insekten, Käfer, Spinnen oder Kaulquappen.

Zu wenig ungedüngtes Grünland

Wichtig ist für sie, dass Grünland erhalten wird, ungedüngt und extensiv bewirtschaftet. Auch darf es nur kleinparzellig abgemäht werden, damit immer ein Teil des Grases hochwachsen kann und den Insekten Schutz bietet. Der Balkenmäher richte bei der Mahd weitaus geringeren Schaden an als der Kreiselmäher: Der häckselt alles kurz und klein und habe auch schon Störche das Leben gekostet, weiß Ute Reinhard. Die Vögel marschieren oft neben dem Mäher her, um leicht an die fliehenden Mäuse und Insekten heranzukommen.

Die Hochburgen der Störche im Land sind die großen Flusstäler – das Rhein-, Donau- und Jagsttal. Auf der Baar sind weitere zu Hause, andere am Hochrhein bis zum Bodensee. Dort hat sich, am Affenberg, auch eine eigenständige Kolonie gebildet.

Dass es heute wieder nennenswerte Bestände gibt, liegt auch an Auswilderungsprojekten in den 1980er und 1990er Jahren. Damals wurden Paare, die sich in Aufzuchtstationen gebildet hatten, ausgewildert. Damit sie länger in der Nähe bleiben, wurden weitere Paare in Volieren ausgesetzt. Diese Tiere wurden erst Jahre später ausgewildert.

Die Altstörche bleiben zur Überwinterung

Diese Altstörche gehören zu jenem Drittel, das nicht mehr auf Reisen geht, sondern in Baden-Württemberg überwintert. In Oberschwaben ist diese Zahl gesichert, für das Rheintal ist sie nicht bestätigt. Ute Reinhard vermutet, dass einige Störche auch auf die andere Rheinseite ins Elsass wechseln und sich Nahrung auf Müllkippen suchen.

2004 wurden in Baden-Württemberg dann wieder 274 Horstpaare gezählt, in den vergangenen zehn Jahren hat sich ihre Zahl noch einmal fast verdreifacht. Der ehrenamtliche Jungstorch-Beringer Fritz Meier aus Dettenheim in Nordbaden ist mit 2014 ebenfalls zufrieden: Im Kreis Karlsruhe hat er 241 Jungvögel beringt – ein Jahr vorher waren es nur 75.

Zurücklehnen dürfe man sich angesichts der wachsenden Populationen nicht, meint Ute Reinhard. Denn auch Hochspannungsleitungen bedeuten eine Gefahr. „Die Energieversorger bemühen sich“, sagt die Fachfrau. Dennoch sterben viele Störche schon im ersten Lebensjahr an einem Stromschlag.

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