Der Naturparkverein Schwäbisch-Fränkischer Wald will in den kommenden Jahren auf sanften Tourismus setzen. Waldbaden könnte da eine Attraktion werden .
Murrhardt - Sich ganz bewusst abseits von Straßen und Wegen zurückziehen, die Stille genießen, tief einatmen und den Wald mit allen Sinnen genießen. Das kann sich nicht nur Jasmin Kotrba dank ihres Studiums im Bereich Gesundheitsmanagement im Tourismus für den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald sehr gut vorstellen. Die Projektmanagerin in der Naturpark-Geschäftsstelle hat offenkundig auch den Vorsitzenden des Naturparkvereins von der Idee überzeugt. Das „Waldbaden“, professionell und interessant angeleitet, könnte die Tradition ehemaliger Kurorte im Schwäbischen Wald wiederbeleben, meint der Murrhardter Bürgermeister Armin Mössner.
„Traumurlaub in der Heimat“
Auf jeden Fall wäre der geführte meditative Aufenthalt unter Bäumen ein gutes Beispiel für das, was man sich im Naturparkverein vorgenommen habe: den „sanften Tourismus“ zu fördern – „Traumurlaub in der Heimat“ auf naturschonende Art und Weise anzubieten.
Armin Mössner sowie Karl-Dieter Diemer, der neue Leiter der Naturpark-Geschäftsstelle mit Sitz in Murrhardt, und sein Team haben jetzt den „Naturparkplan 2030“ vorgestellt. Das Werk, das noch vor der Coronapandemie unter Beteiligung unterschiedlicher Gruppierungen erarbeitet worden ist, soll eine Art Kompass für die Ausrichtung der kommenden Jahre sein. Neben dem „nachhaltigen Tourismus“ sind darin auch „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, „Regionalvermarktung“ und „Biodiversität“ als Handlungsfelder aufgeführt.
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In allen Feldern ist man bereits aktiv, man wolle bewährte Projekte erhalten und neue entwickeln, sagt Karl-Dieter Diemer, der jetzt rund 100 Tage als Geschäftsführer und Nachfolger von Bernhard Drixler im Amt ist. So sollen etwa im Bereich Bildung zu den bereits zertifizierten Naturpark-Schulen demnächst auch entsprechende Kindergärten hinzu kommen. Das Ziel ist, Kinder durch regelmäßige originäre Naturerfahrungen für Natur- und Umweltthemen sowie für die Besonderheiten in der Region zu begeistern. In einer Naturpark-Schule wird eine nachhaltige Natur-, Umwelt- und Heimatbildung im Lehrplan verankert. Zwölf Schulen sind bereits entsprechend zertifiziert. Nun wolle man auch Formate entwickeln, um den kleinkindlichen Forscherdrang anzusprechen, sagt die Projektleiterin Elena Schick. Konkret damit starten wolle man voraussichtlich in zwei Jahren.
Schulung für Bauhofmitarbeiter
In Sachen Förderung der Biodiversität setzt ihre Kollegin Franziska Hornung unter anderem auf eine zumindest an Lebensjahren deutlich erfahrenere Klientel: Schon in den vergangenen Jahren sind im Rahmen des Projekts „Blühender Naturpark“ Bauhofmitarbeiter darin geschult worden, ökologisch wertvolle Blühwiesen anzulegen, welche dazu beitragen sollen, die heimische Artenvielfalt in Flora und Fauna zu erhalten und zu erweitern. In dieser Woche startet eine Wildbienenexkursion, im Herbst gibt ein Fachmann für Amphibien Tipps für die Hecken- und Grabenpflege. 27 Kommunen beteiligen sich regelmäßig an den Schulungen ihrer Mitarbeiter. Aber Franziska Hornung will das Thema noch breiter streuen und für möglichst viele Menschen erlebbar machen. Wie? „Man muss das fühlen, spüren und schmecken können“, sagt sie.
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Letzteres ist ein wichtiger Aspekt bei der Regionalvermarktung, die Sabine Rücker vorantreiben soll. Sie hofft, dass ein entscheidender Bestandteil des Konzepts, die Naturparkmärkte, die zuletzt coronabedingt abgesagt werden mussten, bald wieder stattfinden können. Zurzeit ist Rücker allerdings vor allem mit ihrem zweiten Aufgabengebiet, der Projektförderung beschäftigt. So soll mit Unterstützung des Naturparks beispielsweise demnächst der Mühlenwanderweg neu beschildert und noch familientauglicher gemacht werden, außerdem ist eine große Landschaftsausstellung zum Thema Pilze in Arbeit. 20 bis 25 Förderanträge bewilligt der Naturparkverein im Schnitt jedes Jahr. Und weil das Land einerseits die Mittel aufgestockt hat und andererseits dieses Jahr nicht so viel möglich war, sei noch einiges möglich, sagt Armin Mössner. Kommunen, Vereine oder Organisationen dürften sich gerne mit einem guten Projekt bewerben.