Ein naturnaher Garten hilft Tieren das ganze Jahr und erspart im Winter sogar die Fütterung. Foto: Fotolia

Im Futterhäuschen lassen sich Vögel prima beobachten. Experten haben deshalb auch nichts dagegen, dass die Tiere gefüttert werden – an manchen Orten sogar das ganze Jahr über. Aber nur wenn der Garten entsprechend gestaltet ist, leben die Vögel dort auch.

Im Futterhäuschen lassen sich Vögel prima beobachten. Experten haben deshalb auch nichts dagegen, dass die Tiere gefüttert werden – an manchen Orten sogar das ganze Jahr über. Aber nur wenn der Garten entsprechend gestaltet ist, leben die Vögel dort auch.

Stuttgart - Die Pflanzen: Beim Nachbarn streiten sich Scharen von Vögeln um das Futter, das Häuschen im eigenen Garten aber wird verschmäht? Das könnte an der Art der Gartengestaltung liegen. „Wer einen vogelfreundlichen Garten will, sollte viele einheimische Laubsträucher pflanzen, die Beeren tragen“, sagt Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund Nabu.

Denn anders als auf exotischen Gewächsen wie Rhododendron, Forsythie oder Thuja fühlen sich auf heimischen Sträuchern (etwa Haselnuss, Holunder, Kornelkirsche, Vogelbeere) auch heimische Insekten wohl. „Zusammen mit den Beeren sind sie einfach die beste Nahrung für Vögel“, sagt Lachmann. Damit die Insekten auch im Winter als Vogelfutter zur Verfügung stehen, wird das Laub im Herbst unter die Sträucher gerecht.

Ein, zwei Nadelgehölze dürfen in einem vogelfreundlichen Garten trotzdem nicht fehlen. „Da sie immergrün sind, bieten sie Tieren auch im Winter Schutz. Im Frühjahr finden frühbrütende Arten wie Amseln oder Grünlinge darin Deckung.“

Die Gartenpflege: Wer seinen Rasen mit nur einer Grasart ganz kurz geschnitten hält und ständig düngt, wer alle geschnittenen Zweige aus dem Garten verbannt und verblühte Stauden gleich abschneidet, der macht den Tieren im Garten keine Freude. „Aus den Stauden können die Vögel im Winter die Samen herauspicken, und in Totholzhaufen finden kleine Vögel wie der Zaunkönig Insekten“, sagt Lachmann. Er empfiehlt zudem einen offenen Komposthaufen, in dem die Vögel auch dann noch ­Asseln und Regenwürmer finden, wenn der Boden gefroren ist.

Die Fütterung: „Ein Futterhäuschen ist eine schöne Möglichkeit, die Tiere zu beobachten und ihnen sogar zu ­helfen, wenn man richtig füttert“, sagt Vogelexperte Lars Lachmann.

Ob es tatsächlich viel Schnee oder tagelangen Frost braucht, bevor mit der Fütterung begonnen werden darf, ist unter Experten inzwischen umstritten. „Zumindest in städtischen Regionen, in denen es an natürlichen Futterquellen wie Feldern und Wäldern fehlt, kann man ruhig das ganze Jahr über füttern“, sagt Ornithologe und Buchautor Peter Berthold. So können sich die Zugvögel vor dem anstrengenden Flug im Herbst stärken. Im Frühjahr bekommen die Tiere bei der Aufzucht der ­Jungvögel Unterstützung.

Die Angst, dass die Tiere sich an die bequeme Nahrungsquelle Futterhaus ­gewöhnen und Beeren oder Insekten künftig verschmähen, hält auch Lars Lachmann für unbegründet. „Selbst an kalten Wintertagen sucht ein Vogel zuerst nach natürlichen Nahrungsquellen, weil ihm das einfach besser schmeckt.“

Erst wenn er dort nicht mehr ­fündig wird, fliegt er die Futterstelle an. Diese sollte dann aber auch immer etwas zu bieten haben. Denn insbesondere nach einer ­kalten Winternacht brauchen ­Vögel schnell Energie, um nicht zu verhungern. Wer in den Skiurlaub fährt, sollte eine Futterstelle deshalb nicht für zwei Wochen leer ­lassen. „Aus hygienischen Gründen empfehlen wir ohnehin keine offenen Häuschen, sondern Silos, aus denen die Körner einzeln herausfallen. Da muss auch nicht jeden Tag Futter nachgelegt werden“, sagt ­Lachmann.

Für Finken, Meisen, Sperlinge und Ammern reichen als Hauptfutter Sonnenblumenkerne. Rotkehlchen, Zaunkönige oder Amseln mit weniger kräftigen Schnäbeln freuen sich über Haferflocken, Rosinen, Obst und Fettfutter. Oder man sammelt im Herbst im Wald Schlehen, Vogelbeeren und Hagebutten und trocknet sie für den Winter. Schädlich für die Tiere hingegen sind Lebensmittelreste wie Brot oder Pizza.

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