Thomas Lehr, Umweltbeauftragter des Gemeindeverwaltungsverbands, freut sich über naturnah gestaltete Gärten. Foto: Philipp Braitinger

Plochingen, Altbach und Deizisau machen mit bei „Hier brummt’s“. Beim Wettbewerb des Nabu wird der schönste Naturgarten ausgezeichnet.

Wer hat den biologisch wertvollsten und vielfältigsten naturnahen Garten? Bis vor Kurzem konnten sich Gartenbesitzer im Rahmen des Nabu-Wettbewerbs „Hier brummt’s“ bewerben. Zusammen liefen die Bewerbungen beim Umweltbeauftragten des Gemeindeverwaltungsverbands, Thomas Lehr. „Wir wollen es ins Bewusstsein rücken, dass Gärten naturnah und biodivers gestaltet werden sollten“, erklärt der Rathausmitarbeiter. In der ersten Julihälfte begutachtet eine achtköpfige Jury die zehn teilnehmenden Gärten aus dem Gemeindeverwaltungsverband vor Ort.

 

Worauf es ankommt, das erklärt Thomas Lehr exemplarisch an einem naturnahen Garten hinter einem Haus am Stumpenhof in Plochingen. „Unser Garten – ein Ort voller Farben, Düfte und Glück“ steht auf einem kleinen Schild gleich am Eingang. Wer die grüne Oase betritt, merkt schnell, dass die Besitzer viel liebevolle Arbeit in das Kleinod stecken. Es gibt einen kleinen Teich, Natursteinmauern, zahlreiche unterschiedliche Pflanzen und wenig versiegelte Fläche. Bei genauerem Hinsehen wird rasch deutlich, dass neben der Pflanzenwelt auch viele Tiere diesen Garten bewohnen. Es schwirren unterschiedliche Insekten umher. „Hier brummt’s tatsächlich“, sagt Lehr.

Paradies für Tiere

Auch Vögel fühlen sich sichtlich wohl in diesem Garten, was auch mit dem Wasserangebot zusammenhängt. Die Natursteinmauern mit ihren vielen kleinen Versteckmöglichkeiten sind ein hervorragendes Zuhause für Eidechsen. „Die gehören zum Ökosystem“, hebt Lehr hervor. Doch nicht allein die Tiere finden in solch einem Garten Nahrung und Unterschlupf. Äpfel und Kirschen versprechen auch den Gärtnern kulinarischen Genuss, ebenso das selbstangebaute Gemüse und die Kräuter wie Thymian und Minze. „Dieser Garten steht nicht schlecht da. Man sieht, dass hier etwas gemacht wird“, erkennt der Plochinger Umweltbeauftragte Lehr nach wenigen Minuten an.

Die Jury bekommt eine Bewertungstabelle mit 16 Elementen zur Hand. Darin wird unter anderem gefragt, ob es lediglich einen kurz geschnittenen Rasen oder eine Blühwiese gibt. Gut ist es auch, wenn die Ränder des Rasens nicht ganz ausgemäht werden und ein kleiner Streifen Wildnis zurückbleibt. Ebenso wichtig ist es, heimische Pflanzen und keine sogenannten Neophyten anzupflanzen. Neophyten sind Pflanzen, die nach der „Entdeckung“ Amerikas im Jahr 1492 absichtlich oder unabsichtlich durch den Menschen in Gebiete gebracht wurden, in denen sie nicht heimisch sind. In den örtlichen Gartenmärkten gebe es eine Menge dieser Pflanzen zu kaufen, berichtet Lehr. Die Gefahr sei, dass sie heimische Sorten verdrängen. Gleichzeitig gebe es einen Bedarf, die Pflanzen im Garten an den Klimawandel anzupassen.

Grünflächen senken Temperatur

Was sofort beim Betreten des Gartens auf dem Stumpenhof auffällt, ist die kühlende Wirkung des Grüns, wofür es noch nicht einmal einen schattenspendenden Baum braucht. Bereits kleine Grünflächen helfen spürbar dabei, die Temperatur vor dem eigenen Haus zu senken. Bis zu elf Grad Celsius könne der Temperaturunterschied im Vergleich zur Umgebung einer Asphaltfläche betragen, erklärt der Umweltbeauftragte. Wer Flächen rund um das Haus bepflanzt, tut also nicht nur der Tierwelt etwas Gutes, die Hausbewohner profitieren im Sommer ebenfalls durch niedrigere Temperaturen davon.

Wer nun den schönsten Naturgarten hat, wird im Herbst bekanntgegeben. Zu gewinnen gibt es Einkaufsgutscheine im Wert von 100, 50 und 30 Euro für den ersten, zweiten und dritten Platz. Die Siegerehrung soll während der Plochinger Umweltmesse, die parallel zum Plochinger Herbst stattfindet, erfolgen. Die Hoffnung ist, dass die vorbildlichen Gärten zu Vorbildern für andere Grundstücksbesitzer werden.