Die Naturfreunde Weinstadt haben ihr Vereinsdomizil oberhalb von Strümpfelbach erweitert. Nun suchen sie einen neuen Pächter – und locken mit großer Wohnung. Der scheidende Pächter macht Werbung und zieht einen Vergleich mit dem Allgäu.
Weinstadt - Es riecht nach frischem Verputz und gesägtem Holz im neuen Anbau am Naturfreundehaus Strümpfelbach. Nur noch Kleinigkeiten fehlten, wie ein paar Lampen und Abdeckungen, die installiert werden müssten, erklärt Armin Kiesel. Mit einem harten Kern von rund 20 Vereinskollegen hat der Vorsitzende der Naturfreunde Weinstadt den Anbau auf der Rückseite des bestehenden Hauses weitestgehend in Eigenleistung errichtet. 2018 wurde das Fundament ausgebaggert und mit Beton der bestehende Bau unterfüttert. 4500 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder. Fast jeden Samstag seien sie auf der Baustelle gewesen, berichtet Kiesels Stellvertreter Ralf Kux. Entstanden ist eine 120 Quadratmeter große, zweigeschossige Wohnung für die Pächter des Naturfreundehauses, darunter ein Seminarraum mit Beamer sowie eine Küche in einem Nebenzimmer.
Einst stand hier ein Blockhaus
„Das wird unser neues Vereinsdomizil“, sagt Wolf Dieter Forster, der Ehrenvorsitzende der Weinstädter Naturfreunde. Rund 20 Jahre lang stand er ihr nicht nur vor, er war auch als Hausreferent tätig, organisierte die Gastronomie und die Übernachtungen. Bisher stand den Naturfreunden für Vereinsaktivitäten die Widmaier-Stube im Altbau zur Verfügung. Auch diesen haben die Naturfreunde selbst errichtet. 1953/54 bauten sie ihn anstelle eines Blockhauses, das von 1932 an der Arbeiterturn- und Gesangverein Vorwärts als Waldheim nutzte – bis zur Enteignung durch die NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe man 1949 das Blockhaus vom Amt für Wiedergutmachung zurückerhalten und die Naturfreunde-Ortsgruppe als Nachfolger des von den Nazis verbotenen Arbeitervereins gegründet, berichtet Forster.
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Doch ist es eng geworden, trotz mehrfacher Erweiterung in den vergangenen Jahrzehnten, zuletzt 1995. Da gab es einen Anbau am Gastraum mit einer großen Glasfront, in den Jahren 1999 und 2000 stand ein Ausbau des Obergeschosses mit zusätzlichen Sanitärräumen und einer Selbstversorgerküche für die Hausgäste an. Die Widmaier-Stube dient auch Übernachtungsgästen als Aufenthaltsraum.
„Wenn wir 20 Jahre jünger wären, wäre es keine Frage“
Mit dem neuen Seminarraum, der auch Gästen offenstehen soll, wolle man das Naturfreundehaus attraktiver machen, mehr Veranstaltungen mit befreundeten Verbänden wie Nabu und BUND organisieren sowie eine eigene Jugendgruppe aufbauen, sagt Forster. Um die Gastronomie kümmert sich seit 2014 das Pächterehepaar Traute und Holger Dorer, das zuvor 26 Jahre lang die Traditionsgaststätte Zum Gretle in Strümpfelbach geführt hatte. Eigentlich würde der Vertrag noch dreieinhalb Jahre weiterlaufen. Jedoch habe man einvernehmlich einen Ausstieg zum kommenden März vereinbart, sagt Holger Dorer: Sie wollten weder ins Naturfreundehaus einziehen noch den Zukunftsplänen des Vereins im Wege stehen. Mit festen Bewohnern erhoffen sich die Naturfreunde Schutz vor Vandalismus. „Wenn wir 20 Jahre jünger wären, wäre es keine Frage, dass wir das machen, und ich kann es jedem Nachfolger nur empfehlen“, sagt Dorer.
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Das Naturfreundehaus biete für einen als Gastronom alle Möglichkeiten. „Es hat eine volle Konzession, und man kann sich beruflich austoben. Als Location ist es alternativlos“, sagt Dorer, der die Gaststätte selbst nur sonntags bewirtet und freitags und samstags meist Geburtstags- und Hochzeitsgesellschaften empfängt. Unter der Woche bevölkerten in Vor-Corona-Zeiten Schulklassen, Kindergartengruppen, Jugend- und Kinderfreizeiten Haus und Garten. Daneben gehört der Übernachtungsbetrieb mit 28 Betten und einem Matratzenlager für 25 Personen ebenfalls zu den Aufgaben der Pächter. „Man fühlt sich hier oben wie ein Hüttenwirt im Allgäu.“ Parallel zur Pächtersuche sind die Naturfreunde schon am nächsten Bauprojekte: Hinter dem Haus sollen ein Amphitheater und ein Waldspielplatz entstehen.
Pächtersuche Interessenten für das Naturfreundehaus können dem Naturfreunde-Vorsitzenden mailen: arminkiesel62@gmail.com.