Naturdenkmal „Sieben Linden“ in Kernen Streit um Aussichtssteg

Von Hans-Dieter Wolz 

Der  umstrittene Steg im Modell aus dem Büro Schlaich Bergermann Partner. Foto: Firmenfoto
Der umstrittene Steg im Modell aus dem Büro Schlaich Bergermann Partner. Foto: Firmenfoto

Zwei Lager streiten sich um den Aussichtssteg im Naturdenkmal „Sieben Linden“. Vor dem Bürgerentscheid werden Infoabende veranstaltet. Start ist am Dienstag.

Kernen - Im Hinblick auf den kommenden Bürgerentscheid über den Aussichtssteg im Naturdenkmal „Sieben Linden“ in Stetten am 27. November in Kernen machen jetzt beide Seiten mobil. Der CDU-Gemeindeverband schlägt sich ebenso wie zuvor seine Gemeinderatsfraktion auf die Seite der Befürworter und lässt an diesem Dienstag, 25. Oktober, Stadträte aus Öhringen sprechen. Auf der anderen Seite kündigt Andrea Höchstädter, Mitglied im Ortsvorstand des Bunds für Umwelt und Naturschutz und Vertrauensperson der Gegner, Infoveranstaltungen und Infostände an.

Die Gartenschau-Begeisterung ist bisher rar, obwohl die Projekte nachhaltig angelegt sind

Der Aussichtssteg ist eigentlich nur ein kleiner Teil der Anstrengungen in Kernen, Attraktionen für Besucher der Remstal-Gartenschau 2019 aus der ganzen Region zu bieten. Aber der Streit um die Tourismus-Förderung einerseits und Natur- und Landschaftsschutz andererseits droht mittlerweile darüber die anderen Projekte vergessen zu machen. Eine Gartenschau-Begeisterung ist bisher rar im Ort, obwohl die Projekte nachhaltig angelegt sind: Sie werden nach einer Saison nicht wieder abgebaut, sondern bleiben den Bürgern erhalten. Hauptsächlich will sich die Gemeinde Kernen mit den Alleinstellungsmerkmalen Schloss und Burgruine positionieren und die vielen Verbindungen zumindest in Stetten mit dem einstigen Herrscherhaus Württemberg bei den Besuchern in die Waagschale werfen. Dazu wird die ganze Strecke vom Schlosspark bis zur Yburg aufwertet. Die Aussichtsplattform in den Sieben Linden ist auch nur eine von drei oder – wenn das in allen Gartenschau-Gemeinden angedachte weiße Haus beim sogenannten Dichterblick entsteht – vier Aussichtspunkten auf das Remstal, die als Attraktionen hergerichtet werden sollen.

Ganz anders haben CDU-Vertreter die Stimmung in Öhringen wahrgenommen, das in diesem Jahr die Landesgartenschau ausrichtete. Die Hohenloher haben es sogar geschafft, zu ihrer Gartenschau einen aus Spenden finanzierten Turm zu errichten. So sollte sich nach CDU-Meinung auch das Bürgerengagement zum Steg zeigen, von dem sich bisher erst die Architekten-Fachwelt und der Gemeinderat überzeugt zeigen.

Horst Schaal, Beigeordneter in Kernen, wird die geplanten Gartenschau-Projekte vorstellen

Unter der Überschrift „Mit Begeisterung Zeichen setzen – die Gartenschau zum Erfolg machen“ berichten am heutigen Dienstag, ab 19 Uhr in der Glockenkelter in Stetten, Kommunalpolitiker aus Öhringen. Horst Schaal, der Beigeordnete der Gemeinde Kernen, wird die geplanten Projekte zur Gartenschau vorstellen und den Entwurf für den Aussichtssteg erläutern.

Auf der anderen Seite stehen vor allem Naturschützer, die den Bürgerentscheid initiiert haben. So begründet BUND-Vorstandsmitglied Andrea Höchstädter die Gegnerschaft: „Im Landesnaturschutzgesetz wird festgeschrieben, dass besonders wertvolle Gebiete in ihrer ökologischen Beschaffenheit erhalten und zur Förderung der biologischen Vielfalt weiterentwickelt werden sollen.“ Damit hat sich jeder, der ein Gartengrundstück in einem geschützten Gebiet bewirtschaftet, an eine Reihe von Vorschriften zu halten. Wer schon einmal ein Gartenhaus oder einen Gartenzaun im Landschaftsschutzgebiet errichten wollte, dürfte ein Veto vom Landratsamt kassiert haben. Wer die Vorschriften dennoch missachtet, muss mit Konsequenzen wie einer Geldbuße rechnen.

Achtung: Ein „Ja“ bedeutet beim Bürgerentscheid: „Ich stimme für die Rücknahme des Baubeschlusses.“

„Bei der Auseinandersetzung um den Schlaich-Steg hat man jedoch den Eindruck, dass das Naturschutzgesetz für die Gemeindeverwaltung nicht gilt“, kritisiert Andrea Höchstädter die leichtherzige Wahl des sensiblen Baugrundstücks für den Steg. „Da wir der Meinung sind, Naturschutzbestimmungen gelten auch für unsere Kommune, muss der Baubeschluss des Gemeinderats aufgehoben werden. Daher werden wir beim Bürgerentscheid am 27. November mit Ja stimmen.“ Im letzten Satz steckt kein Widerspruch oder Schreibfehler. Ein „Ja“ bedeutet beim Bürgerentscheid: „Ich stimme für die Rücknahme des Baubeschlusses.“

Als Informationsveranstaltungen der Steg-Gegner kündigt Andrea Höchstädter Termine am Donnerstag, 10. November, um 19.30 Uhr in der Glockenkelter in Stetten und am Donnerstag, 17. November, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in Rommelshausen an. Infostände gibt es am Samstag, 12. November, und Samstag, 26. November, jeweils von 10 bis 13 Uhr in Stetten sowie am Samstag, 19. November, 10 Uhr bis 13 Uhr und Freitag, 25. November, von 14 bis 16 Uhr in Rommelshausen.

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