Das in Esslingen ertappte Wolfsexemplar ist mutmaßlich weitergezogen. Foto: Umweltministerium

Bislang gibt es keine weiteren Hinweise auf Wölfe im Landkreis Esslingen, nachdem im Juni ein Tier bei Esslingen fotografiert worden war. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt erhält aber viele Meldungen.

Manchen hat sie gefreut, andere besorgt: Die Nachricht, dass erstmals im Landkreis Esslingen ein Wolf gesichtet wurde. Am 11. Juni hat eine Wildkamera ihn bei Esslingen eingefangen. Doch offenbar ist er nicht geblieben. Denn bislang gibt es keine weiteren Hinweise dafür, dass eines der Wildtiere sich noch in der Umgebung aufhalten würde.

 

Zuständig für das sogenannte Wolfsmonitoring ist die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen von Privatpersonen oder Behörden mögliche Hinweise auf den Wolf entgegen und bewerten sie. Das sind, besonders nachdem Wolfssichtungen veröffentlicht werden, viele, mehr als 800 im Jahr, sagt Felix Böcker, Wildbiologe und als Fachbereichsleiter bei der FVA fürs Wolfsmonitoring zuständig. „Wir nehmen jede Meldung ernst“, so Böcker.

Meistens ist es kein Wolf

Im Esslinger Fall kam der Fotohinweis auf die Wolfssichtung ebenfalls von Privatpersonen. Oft stellten Jäger oder Landwirte Kameras auf. „Wir selbst haben keine einzige Fotofalle im Kreis Esslingen“, sagt Böcker. Nur wenn sich die Hinweise mehren, dass sich Wölfe längere Zeit in einer Region aufhalten, gehe die FVA selbst vor Ort. Neben Fotografien könnten das beispielsweise Wolfsrisse oder Kot sein.

Allerdings handele es bei den meisten Hinweisen, die direkt oder über andere Behörden gemeldet würden, nicht um Hinweise auf einen Wolf. So seien beispielsweise Tierkadaver, die offensichtlich anderen als Nahrung dienten, selten auf Wolfsrisse zurückzuführen, weil klassische Merkmale wie beispielsweise charakteristische Bissspuren fehlten. Oft hingen Todesursache des Tiers und die spätere Nutzung – also die Verwertung als Nahrung – nicht zusammen. Es gebe Allesfresser, die gerne bereits tote Tiere verspeisten, weil das weniger Arbeit als die Jagd bedeute. Das gelte für viele Wildtiere wie Fuchs und Wildschwein oder Vögel. Aber es sei auch nachgewiesen, dass Haustiere wie Hunde gerne Aas verspeisten.

Im ganzen Land können Wölfe auftauchen

Seit dem Foto vom 11. Juni gebe es keinen einzigen Hinweis, der plausibel mache, dass sich der Wolf noch im Kreis Esslingen aufhalte, sagt Felix Böcker. Die Experten vom Wolfsmonitoring waren deswegen auch noch nicht im Kreis Esslingen vor Ort. Die Wildtierbeauftragten der Landkreise seien mit den Leuten vor Ort in Kontakt, so auch in Esslingen. „Wir würden es mitkriegen, wenn sich ein Wolf länger aufhielte“, ist sich der Wildbiologe sicher.

Ist der Kreis Esslingen als Lebensraum für Wölfe überhaupt geeignet? „Grundsätzlich kann man eigentlich überall in Baden-Württemberg damit rechnen, dass Wölfe auftauchen“, sagt der Experte – bis auf die stark frequentierten Zentren. Ob Wölfe sich dann auch niederließen, sei aber eine andere Frage. Das Wolfsmonitoring-Team geht im Esslinger Fall von einem jungen Wolf aus, der seine Familie altersbedingt verlassen musste und nun nach einem neuen Revier und einem Partner sucht. „Dafür wandern die Tiere viele hundert Kilometer.“

Es sei wahrscheinlich, dass das in Esslingen gesichtete Exemplar weitergezogen sei, weil es im Esslinger Raum enger zugehe. Zwar ist es laut Böcker kein Problem, wenn sich in einem Gebiet Menschen und Wolf öfters mal nahe kommen, beispielsweise wenn ein Wald als Naherholungsgebiet genutzt wird. Doch es müsse auch Orte geben, an die sich der Wolf dann zurückziehen könne. Es gebe im Südwesten Gebiete, die dafür eher prädestiniert seien als der Raum Esslingen. Beispielsweise die Schwäbische Alb oder der Schwarzwald.