Zitrone ist nicht nur als Heißgetränk zu empfehlen, sondern kann auch als Nasenspülung verwendet werden – wie das geht, lesen Sie im Artikel. Foto: dpa

Bei Schnupfen greifen die meisten zu Tabletten, Tropfen, Pillen oder Salzwasserduschen aus Apotheke und Drogerie, obwohl die Volksmedizin viele Hausmittel zu bieten hat.

Stuttgart - Wenn die Temperaturen plötzlich sinken lenken viele Menschen nicht rechtzeitig dagegen – und schon ist die lästige Erkältung da. Bei Schnupfen muss man aber nicht gleich zu Medikamenten greifen. Alte Hausmittel wirken oft wahre Wunder. Das bestätigen auch wissenschaftliche Studien. Eine Übersicht.

1. Knoblauch

Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs eliminieren Schnupfenviren – und das tun sie nicht nur im Labor. Am Herbal Research Centre im englischen Sussex verabreichte man 146 Testpersonen drei Monate lang entweder ein geruchsneu­trales Knoblauchextrakt oder ein Placebo ohne Wirkstoff. Dabei zeigte sich, dass die Knofi-Gruppe nur halb so viele grippale Infekte entwickelte wie die Placebogruppe, deren Nasen zudem auch noch dreimal so lange trieften.

Die Anwendung zu Hause ist denkbar einfach: Die geschälte Zehe einfach zerkauen. Oder zerstampfen und den Brei in heißem Zitronenwasser ziehen lassen. Dreimal pro Tag in kleinen Schlucken trinken.

2. Ingwer

Die Wurzel enthält Scharfstoffe, die den Schleim in den oberen Atemwegen verflüssigen, so dass er besser abtransportiert werden kann. Taiwanische Forscher entdeckten zudem, dass Ingwer Schnupfenviren daran hindert, an Zellen anzudocken. „Allerdings fanden wir diesen Effekt nur bei frischen, nicht bei getrockneten Wurzeln“, betont der Mikrobiologe Lien-Chai Chiang von der Medical University in Kaohsiung. Die Traditionelle Chinesische Medizin bevorzugt das sogenannte Dekokt: Einen Esslöffel klein geschnittenen Ingwer mit 200 bis 250 Milliliter kaltem Wasser übergießen und im geschlossenen Topf aufkochen. 15 bis 20 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, dann abseihen. Drei Tassen pro Tag.

3. Zitrone

Etwas Mut braucht man für die Salz-Zi­trone-Spülung aus der rumänischen Volksheilkunde. Dazu wird der Saft einer halben Zitrone in einen Eierbecher ausgedrückt, mit einem Teelöffel Salz vermischt und mit Wasser bis zum Rand aufgefüllt. Die Flüssigkeit zieht man dann mit einem Strohhalm die Nase hoch. Am besten morgens und abends. Das Wirkprinzip klingt logisch: Die übersalzene Lösung entzieht den geschwollenen Nasenschleimhäuten das Wasser, das Vitamin C aus der Zitrone dichtet die Kapillaren ab und lindert dadurch die Entzündung.

4. Spitzgurke

Der Pharmazeut Ekrem Sezik von der Universität Ankara hat zusammen mit Kollegen 46 Städte der Türkei bereist, um einen Katalog anatolischer Heilpflanzen zu erstellen. Dabei stieß er auf den Fruchtsaft der Spitzgurke, den man in die Nasenlöcher tropft, um entzündete Nebenhöhlen frei zu machen. Noch härter im Nehmen muss der Patient jedoch sein, wenn er sich gegen schmerzhaften Husten 15 Minuten lang die in Essig oder Schafsmilch eingelegten Stachelblätter der Kleinen Klette (Arctium minus) auf die Brust legen lässt. Doch es könnte tatsächlich helfen. Eine aktuelle Studie der Federal University of Santa Maria in Brasilien belegt, dass die Mini-Klette tatsächlich Schmerzen und Entzündungen lindern kann.

5. Honig

In einer israelischen Studie an 200 Kleinkindern verringerten Eukalyptus- und Zitronenblütenhonig die Häufigkeit und Stärke der Hustenattacken beim Schnupfen. Hauptverantwortlich dafür ist neben den antibiotischen Inhaltsstoffen der spezielle Zucker des Bienenprodukts, der die für das Husten zuständigen Areale im Gehirn besänftigt.

Bei Buchweizenhonig kommen noch die entzündungshemmenden Gerbstoffe der Pflanze hinzu. Er zeigte in einer amerikanischen Studie an 105 hustenden Kindern eine bessere Wirksamkeit als ein Standard-Hustensaft mit Dextromethorphan. Studienleiter Ian Paul von der Pennsylvania State University lobte zudem: „Geschmack und Konsistenz des Honigs sind einfach kinderfreundlich.“ Die Anwendung: Viermal täglich einen Teelöffel Buchweizenhonig einnehmen und ein wenig im Mund hin und her bewegen.

6. Hühnersuppe

Nicht etwa Vitamin C, sondern Zink hat laut aktuellen Studien die größten Chancen in der Schnupfentherapie, denn das Mineral dämpft die Vermehrungsfreude der Schnupfenviren und stimuliert bestimmte Bereiche des Immunsystems. Große Zinkmengen findet man beispielsweise in Hühnersuppe, und die enthält auch noch Proteine, die das Mineral so verpacken, dass es der Patient gut verwerten kann. Am US-amerikanischen Nebraska Medical Center fanden Forscher zudem heraus, dass in der „chicken soup“ große Mengen des Eiweißbausteins Cystein schwimmen, der entzündete Schleimhäute zum Abschwellen bringt. Vorausgesetzt, das Huhn wird – ähnlich wie Ingwer – im kalten Sud aufgesetzt und langsam erhitzt. Sonst gerinnt das Eiweiß, bevor es in die Brühe kommt.

7. Warme Wickel

Immunbiologen der Yale University in Connecticut haben festgestellt, dass Schnupfenviren sich deutlich schwächer vermehren, wenn es warm wird. Deswegen halten sie sich ja auch in den oberen Atemwegen auf, weil der Luftstrom dort moderate 33 Grad bringt. Bestrahlt man nun die Stirnhöhlen mit Infrarotlicht und legt einen warmen Wickel um den Hals, steigen die Temperaturen – und die Erreger haben schlechte Karten. Für den Wickel einfach nur ein feuchtes Baumwolltuch um den Hals wickeln und mit einem Handtuch abdecken, das Erhitzen besorgt dann die Körperwärme.

8. Holunder

In Franken erzählen die Bauern ihren Enkeln noch heute, dass man vor jedem Holunderstrauch den Hut ziehen sollte. Tatsächlich enthalten Holunderbeeren selbst nach dem Kochen viel immunstärkendes Vitamin C sowie entzündungshemmende, schleimlösende und antivirale Glykoside. Australische Forscher verabreichten 312 Passagieren eines langen Überseeflugs entweder Holunderbeer-Extrakt oder ein Placebo. Das Resultat: Die Beeren-Gruppe bekam zwar nicht seltener Schnupfen. „Doch er verlief bei ihnen glimpflicher und dauerte nur ungefähr halb so lang wie in der Placebo-Gruppe“, betont Studienleiterin Evelin Tiralongo von der Griffith University in Queensland.

Holunderbeerensaft kann man auch problemlos selbst herstellen. Dazu die Beeren 15 Minuten kochen, bis sie schrumpelig und weich aussehen. Anschließend die Früchte in ein Sieb gießen und nach dem Abkühlen über einem Gefäß ausdrücken.

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