Offenbar kann das Aussehen der Eier die Zukunft der Küken beeinflussen. Da lohnt es sich, in ein ausgeklügeltes Design zu investieren. Foto: dpa-Zentralbild

Vögel schmücken ihre Gelege mit ganz unterschiedlichen Designs – den Grund für die blauen, gesprenkelten oder strahlend weißen Eierschalen versuchen Forscher zu enträtseln.

Berlin - Dekorative Eier? Kein Problem. Grüne und blaue Schalen, rötliche und braune, einfarbige und gefleckte – das alles bekommt die Vogelwelt ganz ohne österliche Nachhilfe zustande. Was aber steckt hinter dieser Vielfalt? Welche Vorteile haben die verschiedenen Farben und Muster? Solche Fragen untersuchen Evolutionsforscher schon seit mehr als hundert Jahren. Und sie finden immer wieder neue Antworten. Offenbar kann das Aussehen der Eier auf ganz verschiedene Weise die Zukunftschancen der Küken beeinflussen. Da lohnt es sich, in ein ausgeklügeltes Design zu investieren.

Sämtliche natürliche Eierfarben basieren auf nur zwei Pigmente

Die Farbpalette, mit der die Vögel dabei arbeiten können, ist allerdings begrenzt. So scheinen sämtliche natürlichen Eierfarben auf zwei Pigmenten zu basieren: dem blaugrünen Biliverdin und dem rostbraunen Protoporphyrin. In der bisher größten Studie über Eierfarben haben Daniel Hanley von der Palacký-Universität im tschechischen Olomouc und seine Kollegen untersucht, ob die Tiere damit tatsächlich eine solche Vielfalt unterschiedlicher Schattierungen zustande bringen können. Dazu haben sie die Eier von mehr als 600 Vogelarten unter die Lupe genommen. In ein Computermodell haben sie zunächst die optischen Daten von drei Arten eingespeist, die ohne Mischfarben auskommen: Wanderdrosseln setzen auf weitgehend reines Blau, Wanderfalken auf pures Braun. Und Eissturmvögel verzichten ganz auf Pigmente und lassen ihre Eischalen einfach weiß. Diese drei Grundtöne ließen sich dann im Computer tatsächlich zu sämtlichen Farben des Eierschalen-Spektrums zusammenmischen.

Die Eierfarbe dient nicht allein der Tarnung

Viele Arten nutzen die Pigmente zum Beispiel, um ihrem Gelege eine Art Tarnanstrich zu verpassen. Gerade in Nestern, die für Plünderer leicht erreichbar sind, finden sich deshalb oft sehr unauffällige Gelege. Die cremefarbenen, braun gefleckten Kiebitz-Eier etwa sind in einer Bodenmulde zwischen Pflanzen sehr schlecht zu erkennen.

Allerdings ist Tarnung nicht alles. Sonst müsste auch der Afrikanische Strauß seinen Nachwuchs in Brauntöne hüllen. Schließlich lässt der Riesenvogel sein strahlend weißes Gelege fast zwei Wochen lang unbetreut auf dem Savannenboden liegen, bevor er mit dem Brüten anfängt. Warum wählen diese Vögel also keine dunklere Farbe? Um das herauszufinden, haben Flora John Maggie und ihre Kollegen von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität im norwegischen Trondheim einige Straußeneier braun gefärbt und andere weiß gelassen. Erstere waren in der Vegetation der Serengeti in Tansania zwar schwerer zu entdecken. Dafür heizten sie sich aber stärker auf. In ihrem Inneren stieg die Temperatur auf mehr als 37,5 Grad Celsius an – ein Wert, der die Sterblichkeit der Embryonen ansteigen lässt. Damit ihr Nachwuchs nicht gekocht wird, müssen Strauße also helle Eier legen.

Dunkle Eierfarben sind ein guter UV-Schutz

Wenn es nicht zu heiß ist, können dunklere Schalen gerade an lichtdurchfluteten Nistplätzen aber auch ihre Vorteile haben. Denn ihre Pigmente wirken wie ein Sonnenschutz und verhindern, dass die Küken zu viel schädliche UV-Strahlung abbekommen. Helle Schalen lassen dagegen deutlich mehr Strahlung durch. Das ist vor allem in schummrigen Bruthöhlen wichtig. Zu wenig Licht ist für den Vogelnachwuchs nämlich auch nicht gut und kann zu Entwicklungsstörungen und Krankheiten führen. Das könnte ein Grund dafür sein, dass Spechte rein weiße Eier legen.

Einiges Rätselraten herrscht noch über die Vorteile von blauen und grünen Eiern, wie sie für Stare, Amseln und etliche Hundert andere Vogelarten typisch sind. Solche Gelege finden sich häufig in offenen Nestern, in die jeder potenzielle Eierdieb problemlos hineinschauen kann. Und trotzdem haben sich ihre Produzenten nicht für einen unauffälligeren Farbton entschieden. Des Rätsels Lösung könnte auch in diesem Fall ein optimaler Lichtschutz sein. David Lahti von der City University New York und Daniel Ardia vom Franklin and Marshall College in Lancaster haben untersucht, welche Schalen wie viel Licht durchlassen und welche sich durch Wärmestrahlung besonders stark erhitzen. Ein blau-grünes Ei könnte ein Kompromiss sein: Es bietet seinem Insassen gleichzeitig einen effektiven Sonnenschirm und erträgliche Temperaturen.

Ist die Farbe der Eier kräftig, geht’s dem Vogelweibchen blendend

Es könnte allerdings auch noch etwas ganz anderes hinter den blauen und grünen Schalen stecken: So können besonders intensive Farben auch ein Zeichen dafür sein, dass die werdende Mutter in gutem körperlichem Zustand ist. Das ist für die Männchen eine wichtige Information, weil sich dadurch die Überlebenschancen des gemeinsamen Nachwuchses verbessern. Tatsächlich scheinen das zumindest einige männliche Trauerschnäpper und Einfarb-Stare zu berücksichtigen: Je intensiver die Eier gefärbt sind, umso stärker legen sie sich später beim Füttern der geschlüpften Jungvögel ins Zeug.

Wiedehopf-Weibchen malen ihre Eier sogar an

Ein ähnlicher Effekt könnte auch bei Wiedehopf-Paaren eine Rolle spielen. Diese exzentrischen Vögel mit der auffälligen Federhaube auf dem Kopf haben die Kunst des Eierfärbens perfektioniert. Sie produzieren nicht einfach Schalen mit bestimmten Farben und Mustern, sondern verändern später aktiv das Design. Anfangs ist so ein Wiedehopf-Gelege blaugrau. Dann aber schmiert das Weibchen die Schalen mit einem braunen Sekret ein, das es in einer Drüse über dem Schwanz produziert und eigentlich zur Federpflege dient. Dadurch nehmen die Eier einen grünlich-braunen Ton an.

Doch wozu das Ganze? Ju an Soler vom Forschungsinstitut für Trockengebiete im spanischen Almería und seine Kollegen haben nämlich herausgefunden, dass in den färbenden Drüsensekreten antimikrobielle Substanzen stecken, die im Labor sehr gut gegen federzersetzende Bakterien wirken. Das Sekret könnte also die Insassen der Eier vor Krankheiten schützen, die durch die Schale übertragen werden. Und der werdende Vater könnte gleichzeitig an der Farbe erkennen, wie stark der Schutz ist, den seine Partnerin dem gemeinsamen Nachwuchs mitgibt. Da kann sich das Eierfärben schon lohnen. Nicht nur zu Ostern.

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