Die Nationalkeeper Alexander Nübel und Oliver Baumann bekommen zum Jahresabschluss wieder jeweils ein Länderspiel – der VfB-Torhüter blickt schon weiter in die Zukunft.
Spiele ich? Und wenn ja: Wo? Nein, diese Fragen muss sich Alexander Nübel (28) im Alltag beim VfB Stuttgart nicht stellen. Da spielt der Torhüter immer (die jüngste Rotation in der zweiten Pokalrunde gegen den 1. FC Kaiserslautern mal ausgenommen). Im Kreise der DFB-Elf dagegen spielt Nübel nicht immer, sondern – das lehrte die jüngere Vergangenheit – in einer von zwei Partien. Jetzt, vor den beiden Duellen in der Nations League am Samstag in Freiburg (20.45 Uhr/RTL) gegen Bosnien-Herzegowina und drei Tage später in Budapest gegen Ungarn, läuft wie schon beim vergangenen Länderspielblock alles auf eine Arbeitsteilung im deutschen Tor hinaus.
Nach der schweren Knieverletzung des Stammkeepers Marc-André ter Stegen sind Nübel und Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim bekanntlich die Konkurrenten. Nun soll der 34-jährige Baumann gegen Bosnien das deutsche Tor hüten, drei Tage später ist dann Nübel am Zug in Budapest.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte sich zunächst nicht in die Karten schauen lassen, am Mittwoch sickerte die neuerliche Arbeitsteilung dann durch. „Das ist immer so ein Running Gag zu sagen: Wenn ein Spieler Geburtstag hat, spielt er von Beginn an“, hatte der Coach gesagt und ergänzt: „Jetzt spielen wir in Freiburg, und Oli Baumann kommt aus der Nähe von Freiburg . . . Aber am Ende entscheidet das in diesem Fall Krone.“
Runde Geschichte
Krone, das ist Andreas Kronenberg, der Torwarttrainer der DFB-Elf, der aus dem nahe Freiburg gelegenen Basel stammt und von 2011 bis 2022 die Keeper beim SC anleitete – und da anfangs auch einen gewissen Oliver Baumann, der wiederum von 2000 bis 2014 als Eigengewächs in Freiburg aktiv war. Die Geschichte mit Baumann und dem Länderspiel am Samstag in der Heimat also ist eine runde Sache, vor allem emotional.
Dabei haben sich zuletzt beide Keeper bei ihren Clubs für weitere Einsätze in der DFB-Elf empfohlen. So verhinderte Baumann etwa am vergangenen Sonntag mit famosen Paraden eine Niederlage der TSG Hoffenheim beim FC Augsburg (0:0) – und Nübel in der Woche zuvor mit einer Weltklasse-Leistung eine VfB-Pleite bei Bayer Leverkusen (ebenfalls 0:0). Gröbere Patzer der beiden gibt es nicht, weshalb im DFB-Kosmos das gilt, was Nagelsmann zuletzt betont hatte: „In dieser Saison ist Olli einen Tick stärker als Alex.“
Harmonie pur
Besagter Alex kommt am Mittwochmittag nach dem Training in einer dicken Daunenjacke des DFB in einen Besprechungsraum des Verbands-Campus in Frankfurt. Die Einheit vorher war wenig schweißtreibend, weshalb Nübel erst nach dem Gespräch unter die Dusche geht. Der VfB-Keeper ist gut gelaunt, was, klar, auch mit der Aussicht aufs zweite Länderspiel am Dienstag zu tun hat – aber, so sagt er es selbst, auch mit dem Umgang mit seinem Konkurrenten Baumann. „Der Austausch mit Oli ist sehr gut und sehr fair“, erklärt Nübel, „wir verstehen uns und gehen uns nicht aus dem Weg – das ist genau so, wie ich es mag.“
Wer einen Eindruck von dieser Harmonie bekommen will, dem reicht ein Blick auf die Trainingseinheiten in diesen Tagen. Da blüht der Flachs, da wird sich zwischen den Übungen umarmt. Fast könnte man meinen, Nübel und Baumann seien beste Freunde. Und nicht beste Feinde, die es ja im Kampf ums deutsche Tor auch schon gab. Man denke nur zurück an die Zeiten mit Toni Schumacher und Uli Stein. Oder später an jene mit Oliver Kahn und Jens Lehmann.
Bei all der Freundlichkeit zwischen den aktuellen Kontrahenten Nübel und Baumann aber ist eines klar: Beide wollen spielen – und müssen ihre Leistung zeigen im Kreise der DFB-Elf. „Vom Auftreten her sollst du hier das Selbstverständnis mitbringen, den Adler auf der Brust zu tragen“, sagt Nübel zu den Anforderungen und ergänzt: „Jeder weiß, dass Julian Nagelsmann sehr hohe Ansprüche hat, dass wir mit dem Ball spielen. Wir analysieren mit Krone sehr viel, gehen auch auf Gegentore im Verein ein und versuchen die Dinge dann anzugehen.“
Davon wiederum profitiert Nübel auf seinem Weg als Torhüter – der ihn, so ist der Plan, ja irgendwann zurück nach München führen soll. Beim FC Bayern läuft Nübels Vertrag bis 2029, bis 2026 ist er an den VfB ausgeliehen. Dank einer Klausel kann der Rekordmeister Nübel schon im Sommer 2025 zurückholen – bis Ende April müssten die Münchner dem Vernehmen nach davon Gebrauch machen. Das aber ist ein unwahrscheinliches Szenario, da davon auszugehen ist, dass Manuel Neuer auch in der kommenden Runde noch im Bayern-Tor stehen wird.
Entspannter Nübel
Nun sagt Nübel in Frankfurt, dass er sich mit Blick auf seine Rückkehr nach München keine zeitliche Deadline gesetzt habe – nur so viel steht fest: „Solange Manu beim FC Bayern ist, macht es keinen Sinn.“ Er sei froh, dass er mit dem VfB einen guten Verein habe, sagt der Keeper weiter: „Wir spielen Champions League und haben mit Sebastian Hoeneß einen sehr, sehr guten Trainer.“ Was dann in ein oder zwei Jahren passiere, so ergänzt das Nübel noch, da sei er relativ entspannt, „weil ich mich in Stuttgart sehr wohlfühle – und durch die Zeit beim VfB bin ich ja in die DFB-Elf berufen worden, viel mehr kann ich nicht verlangen“.