Lukas Podolski. Foto: dapd

Lukas Podolski ist ein Spaßvogel. „Wo ich mich auf dem Platz sehe, entscheidet der Bundestrainer“, sagt er auf Poldi-Deutsch. Zuletzt war er Joker bei Joachim Löw. Das soll sich rasch ändern.

Frankfurt/Main - Am Wochenende war er mal wieder in Köln. Erst auf der Tribüne bei seinem geliebten Eff-Cee, dann beim Spiel seines Jugendvereins FC Bergheim. „Als die Fans meinen Namen riefen, habe ich Gänsehaut bekommen“, sagt Lukas Podolski.

Poldi und die großen Gefühle. In Köln ist er Kult, da ist das der Normalfall. Als er dann im Sommer für 13 Millionen Euro zum FC Arsenal wechselte, befürchtete so mancher, Prinz Poldi würde sich in der Metropole London verlaufen und schmählich untergehen. Das Gegenteil ist der Fall. Mit vier Toren und zwei Assists in neun Pflichtspielen hat es Podolski auch auf der Insel auf Anhieb zum Publikumsliebling geschafft. Die Arsenal-Fans dichteten ihre Hymne, die dem Niederländer Robin van Persie galt, auf ihn um: „He scores when he wants.“ Podolski trifft, wann er will. Und wenn man ihn lässt.

Denn jetzt ist er wieder bei der Nationalmannschaft, und da ist alles anders. Doch das war nicht immer so. In den allermeisten seiner bislang 103 Länderspiele war er Stammkraft. Dann spielte er eine miserable EM und musste mit anschauen, wie Marco Reus und Andre Schürrle seinen Anspruch auf den gewohnten Stammplatz im linken Mittelfeld erschütterten und selbst in die Stammelf drängten. Anschließend war er gegen Argentinien nicht dabei und fand sich gegen die Färöer und Österreich auf der Ersatzbank wieder. Das könnte ihm auch in den WM-Qualifikationsspielen gegen Irland an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in Dublin und gegen Schweden kommenden Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Berlin widerfahren.

Lukas Podolski – Prinz (in Köln), König (in London), Bettelmann (in der Nationalmannschaft).

„Ich kann es besser als bei der EM, und das will ich zeigen“

Nun ist es nicht so, dass ihm die Götterdämmerung in der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw großes Kopfzerbrechen zu bereiten scheint. Podolski hat ein Dauergrinsen im Gesicht, grüßt nach links, lächelt einem Bekannten nach rechts zu – und, ach, den in der Mitte kennt er auch und schenkt ihm ein Augenzwinkern. „Meine Stimmung ist, auch wenn ich nicht spiele, nicht schlechter geworden“, beteuert er, „wir haben einen großen Kader. Der Konkurrenz stelle ich mich. Wir wollen gemeinsam zur WM. Wenn man dann nicht spielt, dann ist das auch kein Beinbruch.“ Wer’s glaubt. Denn Podolski sagt auch: „Ich habe den Anspruch, immer zu spielen. Ich kann es besser als bei der EM, und das will ich zeigen.“

In London zeigt er es Woche für Woche. Das dynamische und schnelle Spiel von Arsenal kommt seiner Spielweise entgegen, die Umgewöhnung auf die englische Härte ist ihm ansatzlos gelungen: „Ich habe mich vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt“, sagt er.

Interviews, schon auf Deutsch eine holperige Sache, gibt er inzwischen auch auf Englisch. Ray Parlour, die Arsenal-Legende, hat ihm in Ansätzen den Londoner Cockney-Slang beigebracht, das Video ist der Renner bei YouTube. Podolski gibt sich als Podolski, seine bodenständige Art kommt bei Trainern, Fans und Medien an. Kürzlich veröffentlichte das Boulevardblatt „Sun“ ein Foto, das ihn beim Schlangestehen an der Bushaltestelle zeigt. Und Podolski bekannte, er könne sich vorstellen, sich ein Arsenal-Tattoo stechen zu lassen. Allerdings mahnt er auch: „Es sind erst neun Spiele gespielt, da ist es zu früh, alles nur positiv zu sehen.“

Vorbereiter und Vollender, diese Doppelrolle will Podolski nun mit neuem Selbstbewusstsein auch in der Nationalmannschaft wieder mit Leben füllen

Manche seiner Auftritte verleiten dazu. Im Premier-League-Spiel beim FC Liverpool erzielte er das erste Tor und bereitete das zweite vor – Endstand 2:0. In der Champions League leitete er gegen Olympiakos Piräus das 1:0 ein und schoss das 2:1 – Endstand 3:1. „Lukas ist ein fantastischer Voll­ender“, schwärmt Trainer Arsène Wenger.

Vorbereiter und Vollender, diese Doppelrolle will Podolski nun mit neuem Selbstbewusstsein auch in der Nationalmannschaft wieder mit Leben füllen. „Wo ich mich sehe, entscheidet der Trainer“, sagt er mit seinem ihm eigenen Deutsch. Dann aber, ernsthaft: „Bei Arsenal habe ich ein Spiel ganz vorne gemacht, den Rest auf der linken Seite. Ich bin ein variabler Spieler. Egal, ob ich jetzt links oder rechts eingesetzt werde, ist mir egal. Das kann der Bundestrainer sich aussuchen.“

Insgeheim hofft Joachim Löw, dass ihm in Podolski sogar eine Alternative für seinen spärlich besetzten Angriff erwächst. „Es tut uns gut, wenn er bei Arsenal wieder ein Gefühl für die Mittelstürmer-Position entwickelt“, sagt er. Doch das ist ein Wagnis: Beim FC Bayern war die Variante mit Podolski an vorderster Front einst fehlgeschlagen.

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