Nach der schweren Verletzung von Marc-André ter Stegen und dem Rücktritt von Manuel Neuer wird eine neue Nummer eins im Tor der deutschen Nationalelf gesucht. Eine Option ist dabei der VfB-Torwart Alexander Nübel.
Marc-André ter Stegen hat sein weißes Torwarttrikot des FC Barcelona noch an, als er am späten Sonntagabend im Rollstuhl in den Katakomben eines Krankenhauses in Villarreal in einen schwarzen Van geschoben wird. Sein rechtes Bein ist bandagiert und wird hoch gelagert – denn klar ist zu diesem Zeitpunkt bereits, dass sich der Schlussmann auf eine Operation sowie eine monatelange Pause wird einstellen müssen.
Das ist ganz bitter, war ter Stegen als langjähriger Kronprinz doch erst am 21. August nach dem Rücktritt von Manuel Neuer zur neuen Nummer eins im Tor der deutschen Fußball-Nationalelf aufgestiegen. Die Anteilnahme ist groß. „Es hat mir sehr weh getan, dich so vom Platz gehen zu sehen“, schrieb etwa der Keeperkollege Thibaut Courtois von Real Madrid in den sozialen Medien.
Courtois weiß, um was es geht, war er doch selbst monatelang nach einem Kreuzbandriss ausgefallen. Ein ähnliches Schicksal teilt nun ter Stegen, der im Spiel des FC Barcelona beim FC Villarreal (5:1) kurz vor dem Halbzeitpfiff von einem Gegenspieler unterlaufen wurde – und danach unsanft auf dem Rücken und dem rechten Bein landete. Als sich der 32-Jährige danach auf dem Rasen unter Schmerzen krümmte, riefen die umstehenden Spieler sofort nach dem medizinischen Personal.
Am Montagmittag verkündet der FC Barcelona dann „den kompletten Riss der Patellasehne“ im rechten Knie des Keepers, was für ter Stegen eine mindestens acht Monate lange Auszeit bedeutet. Bereits 2020 und 2021 wurde er an der Patellasehne, welche die untere Kniescheibe mit dem Schienbein verbindet, in eben jenem rechten Knie operiert. „Man hat sofort gesehen, dass es eine schwere Verletzung ist“, sagte Barcelonas Trainer Hansi Flick, der sich am Sonntagabend über den Sieg beim FC Villarreal nicht so recht freuen konnte.
Natürlich hat die Verletzung von ter Stegen neben dem FC Barcelona auch Folgen für die deutsche Nationalelf, wo nun eine neue Nummer eins gesucht wird. „Die Nachricht von Marcs Verletzung war ein großer Schock für uns. Wir werden auf seinem Weg zurück immer für ihn da sein“, sagte der Bundestrainer Julian Nagelsmann, dessen Entscheidung für die neue Erstbesetzung des deutschen Tores in den Länderspielblöcken Mitte Oktober und Mitte November nun aber bereits eine Signalwirkung in Richtung der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko haben dürfte.
Klar ist schon jetzt, dass die Chancen von Alexander Nübel, dem Schlussmann des VfB Stuttgart, durch die Verletzung und den Rücktritt der beiden alten Hasen ter Stegen (42 Länderspiele) und Neuer (124 Länderspiele) auf sein Debüt im deutschen Tor deutlich gestiegen sind. Auch wenn sich in das Spiel des Stuttgarter Torhüters neben diversen starken Paraden zuletzt auch ein paar Fehler eingeschlichen haben, wie etwa beim Auftritt des VfB bei Real Madrid (1:3).
Doch die Zeit drängt: Schon in der kommenden Woche will Nagelsmann seinen Kader für die nächsten Länderspiele in der Nations League in Bosnien-Herzegowina (11. Oktober) und in München gegen die Niederlande (14. Oktober) benennen.
Dabei ist mit Blick auf diese Spiele ein Comeback von Manuel Neuer so gut wie ausgeschlossen, da der Bayern-Keeper selbst nicht hundertprozentig fit ist – und beim 5:0-Sieg der Münchner in Bremen kurz vor dem Anpfiff mit Oberschenkelproblemen passen musste. „Kein Kommentar“, sagte Neuer am Montag, als er zu der Möglichkeit befragt wurde, ob er noch einmal grundsätzlich bereit stünde für das DFB-Team, für das er acht große Turnier bestritten hat.
Hinter ter Stegen und Neuer ist der Hoffenheimer Oliver Baumann dritter Torhüter im deutschen EM-Kader 2024 gewesen, während Alexander Nübel als Nummer vier nach der Vorbereitung auf das Turnier in Herzogenaurach die Heimreise hatte antreten müssen. Wie der VfB-Keeper hat Baumann noch kein Länderspiel bestritten, ist mit 34 Jahren aber deutlich älter als Nübel, der am nächsten Montag 28 Jahre alt wird.
Nübel wäre also der Keeper mit dem größten Zukunftspotenzial. Anders als die weiteren Alternativen Bernd Leno vom FC Fulham (32) und Kevin Trapp (34) von Eintracht Frankfurt, der seinerseits mit einer Oberschenkelverletzung aktuell für mehrere Wochen ausfällt.