Alles im Griff: der VfB-Torhüter Alexander Nübel macht seine ersten Erfahrungen im Kreis der Nationalmannschaft. Foto: IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler

Der Torhüter gehört überraschend zum EM-Kader. Im DFB-Kreis fühlt er sich schnell wohl und blickt auf einige Tiefpunkte zurück. Stuttgart spielt dann eine besondere Rolle.

Alexander Nübel gibt alles. Da kann es während einer Übungseinheit in Blankenhain schon auch mal zu einer unfreiwilligen Flugeinlage des Torwarttrainers Stefan Wessels kommen. Doch am Ende hatte der Schlussmann des VfB Stuttgart den Ball sicher in den Händen. Darauf kommt es ihm an – und der Ex-Profi Wessels rappelte sich wieder vom Boden auf. Nichts passiert.

 

Voller Enthusiasmus und Ehrgeiz ist Nübel schnell im Kreis der deutschen Nationalmannschaft angekommen, die sich Thüringen auf die anstehende Heim-EM (14. Juni bis 14. Juli) vorbereitet. „Die Stuttgarter Jungs kenne ich ja gut. Das hilft mir. Aber insgesamt kenne ich wohl 80 Prozent der Mannschaft“, sagt der 27-Jährige, der die Nachwuchsteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durchlaufen hat.

Lange schien Nübel dabei nur auf dem Weg nach oben: mit 19 Jahren feierte er sein Bundesligadebüt bei Schalke 04 und wurde anschließend zum Stammkeeper. Es folgte der Wechsel zum FC Bayern – und damit begannen in der Saison 2020/2021die Probleme. Denn der Abschied von seinem Herzensclub verlief atmosphärisch unschön, danach gab es in München kein Vorbeikommen an Manuel Neuer. Das bleibt auch vorerst so. „Manu ist da, Manu ist fit. Und solange er da ist, macht es wenig Sinn, zurückzukommen und sich zu viele Gedanken über die Zukunft zu machen“, sagt Nübel über seine Aussichten in Verein und Verband. Trotz der Vertragsverlängerung bis 2029 beim Rekordmeister und der gleichzeitigen Leihe bis maximal 2026 an den diesjährigen Vizemeister aus der Schwabenmetropole.

Wie Jens Lehmann und Ralf Fährmann zählt der VfB-Torwart Neuer zu seinen Vorbildern. „Es ist unfassbar, was er für Deutschland geleistet hat. Er hat das Torwartspiel auf ein neues Niveau gebracht“, sagt Nübel über die Nummer eins im DFB-Team und in München. Sein Verhältnis zu Neuer bezeichnet er als „gut und kollegial“. Dabei bleibt er sachlich und souverän wie zwischen den Pfosten. Obwohl, oder gerade weil Nübel einige sportliche und emotionale Täler durchschritten hat: „Das hat mich natürlich stark gemacht, und es hat mich gegenüber dem Geschäft abgestumpft.“

So spürte Nübel erst nach Bekanntwerden des Wechsels nach München die Ablehnung der Schalke-Fans, dann auch am Ende seiner ersten Leihstation bei AS Monaco Ablehnung. So zumindest hat er das selbst wahrgenommen. Beim VfB erfolgte vor der kürzlich abgelaufenen Spielzeit die Wende, die mit seinem Besuch auf dem Stadionzaun in der Cannstatter Kurve bei den Fans endete. Große Wertschätzung genießt der Torhüter am Neckar, da der Aufschwung von der Relegation in die Champions League auch mit seinem Namen verbunden ist.

Ansprüche leitet Nübel aus diesem Hoch nicht ab. Ohnehin hat das Rollengespräch mit Bundestrainer Julian Nagelsmann noch nicht stattgefunden. Dennoch weiß der gebürtige Paderborner, was von ihm erwartet wird. Er soll sich in die starke Torwartgruppe mit Manuel Neuer (38), Marc-André ter Stegen (31) und Oliver Baumann (33) einordnen. Alle drei haben sich im DFB-Kreis bewährt – alle drei sind aber auch schon über 30. Das eröffnet dem 27-jährigen Nübel in der Nationalelf Perspektiven über die Europameisterschaft hinaus.