Bei der Bürgerbefragung zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald zeichnet sich eine große Mehrheit gegen das umstrittene Projekt ab. Nach ersten Auszählungen kommen die Gegner auf deutlich über 70 Prozent. Foto: dpa

Bei der Bürgerbefragung zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald zeichnet sich eine große Mehrheit gegen das umstrittene Projekt ab. Nach ersten Auszählungen kommen die Gegner auf deutlich über 70 Prozent.  

Baiersbronn - Bei der Bürgerbefragung zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald zeichnet sich eine große Mehrheit gegen das umstrittene Projekt ab. Nach ersten Auszählungen kommen die Gegner auf deutlich über 70 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt in den meisten der sieben Anrainerorte bei deutlich über 50 Prozent. „Das ist ein klares Signal. Da gibt es nichts dran zu deuten“, sagte Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack (CDU) am Sonntag in einer ersten Stellungnahme.

Neben Bad Wildbad beteiligten sich Freudenstadt, Baiersbronn, Enzklösterle, Seewald, Forbach und Bad Herrenalb an der Befragung. Diese hat keine rechtliche Relevanz. Sie dient allein als Stimmungsbild. Die Entscheidung, ob im Südwesten der erste Nationalpark entsteht, liegt in der Hand des Landtages.

Das Naturschutzministerium in Stuttgart verwies darauf, dass die sieben Gemeinden nur einen Teil der betroffenen Bewohner repräsentieren. In der Naturparkregion lägen fast 100 Gemeinden, von denen sich bereits etliche positiv zum Nationalpark positioniert hätten. „Gerade erst vor einer Woche hat sich die Vollversammlung des Naturparks mit übergroßer Mehrheit für einen Nationalpark ausgesprochen“, sagte eine Sprecherin.

Fachlich und politisch unstrittig

„Bürgerbeteiligung heißt Prozesse mitzugestalten, nicht sie zu entscheiden“, erklärte Staatsrätin Gisela Erler. Die Landesregierung haben den Betroffenen in Arbeitskreisen die Möglichkeit der Mitwirkung gegeben. So seien unter anderem der Holzindustrie Zugeständnisse gemacht worden. „Auch bei der Ausarbeitung des Gesetzes zur Einrichtung eines Nationalparks kann sich die Region breit beteiligen.“ Es sei allerdings fachlich und politisch unstrittig, dass Baden-Württemberg endlich einen Nationalpark brauche.

Zudem zeigten Umfragen, dass die Mehrheit der Baden-Württemberger die Einrichtung des ersten Nationalparks in ihrem Land begrüßen. So hatte der WWF Deutschland am Sonntag das Ergebnis einer Emnid-Befragung bekanntgegeben, nach der 52 Prozent das Naturschutzprojekt befürworten. Etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) äußerten sich ablehnend. Emnid hatte Anfang Mai 1000 Menschen aus den Kreisen Freudenstadt, Calw, Rastatt, Ortenau und dem Stadtkreis Baden-Baden interviewt.

Die Auswirkungen des Nationalparks wurden zum Teil noch positiver beurteilt. So zeigten sich mehr als 70 Prozent der Befragten überzeugt, dass sich das Projekt positiv auf Tiere und Pflanzen auswirken wird. Mehr als 60 Prozent glauben, dass der Tourismus davon profitiert und sich der Freizeitwert des Waldes für die Bevölkerung erhöht. Allerdings befürchten auch 43 Prozent die Ausbreitung des Borkenkäfers und damit einen Schaden für die Forstwirtschaft.

„Die Umfrage ist ein positives Signal. Die Bevölkerung in der Region steht dem Nationalpark aufgeschlossen gegenüber“, bewertete die WWF-Leiterin Naturschutz Deutschland, Diana Pretzell, das Ergebnis. Dennoch müsse weiter aufgeklärt werden. „Das vehemente Auftreten unterschiedlicher, dem Nationalpark kritisch gegenüberstehender Interessengruppen, unter anderem auch der Forst- und Holzwirtschaft, hat bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Verunsicherung gesorgt.“

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