Schwere Zeiten beim FC Arsenal und in der Nationalelf: Lukas Podolski Foto: Getty

Der Weltmeister ist beim FC Arsenal wie in der Nationalelf nur noch Reservist. Jetzt hofft er auf einen Einsatz im EM-Qualifikationsspiel in seiner Heimat Polen.

Warschau/Stuttgart - Vorsichtig schiebt Lukas Podolski den Kopf um die Werbebande, mit flinken Augen peilt er die Lage und hält inne: Noch ist er nicht an der Reihe. Noch spricht Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz im Raum Copernicus des Warschauer Teamhotels. Also zieht sich Podolski wieder zurück, wartet geduldig im Halbdunkel und hört genau hin, als Löw über ihn sagt: „Lukas darf sich immer berechtigte Hoffnungen machen, dass er bei uns von Beginn an spielt.“

Der Jubelschrei hinter der Sichtblende bleibt aus: Podolski muss vermutlich viel Energie darauf verwenden, ihn zu unterdrücken. Denn spielen, auch noch von Beginn an, darf er schon lange nicht mehr. Nicht im Nationalteam, nicht bei seinem Verein FC Arsenal. Und so sagt Podolski, als er endlich dran ist und Löw auf dem Podium ablöst, ganz nüchtern: „Ich habe nicht den Spielrhythmus, um Ansprüche zu stellen. Ich bin fit, den Rest entscheidet der Trainer.“

Der Trainer Arsène Wenger beim FC Arsenal, der Trainer Löw bei der Nationalmannschaft. Beide meinen es in letzter Zeit nicht gut mit ihm – denkt sich Podolski. Er ist nicht mehr gut genug – denken sich Wenger und Löw. Zwar nicht so schlecht, wie ihn das Magazin „Bleacher Report“ nach Arsenals Ligapokal-Aus gegen den FC Southampton gemacht hat. „Podolski“, hieß es dort, „hat schon immer wie ein eckiger Pflock in einem runden Loch gewirkt.“ Aber auch nicht gut genug, um seinen Platz gegen die interne Konkurrenz mit Erfolg zu verteidigen.

Draußen zu sitzen, das ist die Höchststrafe für ihn. „Ich habe Bock auf Fußball“, sagt Podolski, „ich will auf dem Platz stehen, ich will den Zweikampf, ich will im Spielertunnel stehen und die Champions-League-Hymne hören. Das fehlt mir.“ Beim FC Arsenal hat er in dieser Saison nur fünf von 13 Pflichtspielen bestritten, nur einmal stand er in der Startelf – beim Ligapokal-Aus gegen Southampton. So, denkt er sich, kann es nicht lange weitergehen. „Ich bin Vollblutfußballer, Straßenfußballer, ich liebe den Wettkampf. Wenn ich diesen Wettkampf nicht jedes Wochenende habe, muss eine Veränderung her“, sagt Podolski. Konkret: ein Vereinswechsel in der Winterpause.

Kicken ist Podolskis Lebenselixier, und wenn es im Club nicht lief, dann hatte er ja die Nationalelf. 118 Länderspiele, sechs große Turniere, Weltmeister – und doch ist er seit geraumer Zeit nur noch eine Randfigur. Bei der WM in Brasilien war er nach einer schwachen ersten Halbzeit gegen die USA draußen, als es in der K.-o.-Runde drauf ankam. Und als nach dem Rücktritt von Philipp Lahm das Kapitänsamt zu vergeben war, spielte Podolski trotz seiner Erfahrung keine Rolle – vielleicht, weil er immer noch wie ein großer Kindskopf wirkt. Ein Vorwurf lautet, er poste und twittere zu viel.

Nun sitzt er am Vortag des EM-Qualifikationsspiels gegen Polen an diesem Samstag (20.45 Uhr/RTL) im Hotel in Warschau, in seinem Geburtsland, das er zuletzt im Sommer besucht hat, um Freunden und seiner Familie stolz die WM-Medaille zu präsentieren. „In Polen zu spielen, das ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagt Podolski. Und spielen wird er. „Bei uns bringt Lukas vom ersten Tag an seine ganze Qualität ein, da kommt er sofort auf Touren“, sagt Löw. Das spricht für einen Platz in der Startelf. Doch dann sagt der Bundestrainer: „Wenn er reinkommt, kann er viel Dynamik ins Spiel bringen. Das ist auch eine Überlegung.“

Sicher, wie es weitergeht, kann sich Lukas Podolski nicht mehr sein. Nicht beim FC Arsenal, nicht bei der Nationalmannschaft. Und nicht einmal im nächsten Spiel.

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