Vielleicht bald wieder vereint: Jogi Löw (li.) und Kevin Kuranyi Foto: Foto: dpa

Noch ist nichts entschieden - doch die Front gegen Kevin Kuranyi bröckelt nun auch intern.

Baiersbronn - Mit oder ohne Kevin Kuranyi? Nimmt Bundestrainer Joachim Löw den in Ungnade gefallenen Stürmer doch noch mit zur WM nach Südafrika - oder bleibt es beim Bannstrahl für den Schalker? Im Schwarzwald-Örtchen Baiersbronn tagt bis zum Mittwoch der Trainerstab des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Löw, Co-Trainer Hansi Flick, Torwartcoach Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler. Noch ist nichts entschieden - doch die Front gegen Kuranyi bröckelt nun auch intern.

Nicht anders ist jedenfalls das dicke Lob zu verstehen, das Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff zu Beginn der WM-Klausur am Montag für Kuranyi bereithielt. "Das Thema ist natürlich wieder hochgekommen, weil Kevin Kuranyi eine tolle Saison spielt und sich in sehr guter Form befindet", sagte Bierhoff, "ich denke, Kevin verhält sich sehr gut. Er konzentriert sich voll auf Schalke."

Laut Bierhoff gebe nur eine Maxime den Ausschlag pro oder contra Kuranyi. "Eines kann ich garantieren: Bundestrainer Joachim Löw wird nur an das Wohl der Mannschaft denken und überlegen: Wie kann ich den stärksten Kader aufstellen?", sagte der Europameister von 1996, "da werden auch die persönlichen Gefühle des Bundestrainers, die bei der Thematik vielleicht da sein könnten, hintenanstehen."

Vier ähnliche Typen für eine einzige Planstelle

Joachim Löw bekräftigte: "Wir werden getroffene Entscheidungen noch einmal überdenken. Ich lasse mich bei diesem Thema auch gern beraten. Immerhin stehen wir vor einer Weltmeisterschaft. Da ist es wichtig, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die sich bieten."

Die entscheidende Frage wird sein: Welche Taktik plant Löw für die WM, welche Rolle könnte Kuranyi dabei spielen - und wer müsste für ihn weichen?

Seit der EM 2008 hat Löw in allen wichtigen Partien das 4:2:3:1-System gewählt. Mit nur einem zentralen Stürmer hätte er in den Münchnern Miroslav Klose und Mario Gomez, dem Leverkusener Stefan Kießling und Kuranyi gleich vier ähnliche Typen für eine einzige Planstelle zur Auswahl. Ein Mittelstürmer auf dem Platz, aber drei auf der Bank oder der Tribüne - Frust und Ärger wären programmiert.

Für Kuranyi sprechen seine aktuelle Topform und 18 Bundesliga-Tore. So häufig hat auch Kießling getroffen. Gomez wiederum machte im ersten durchwachsenen Jahr beim FC Bayern bislang zehn Tore. Darum spräche alles gegen Klose - der Münchner Bankdrücker hat erst zwei Saisontreffer erzielt. Allerdings betont Löw seit Jahren: "Entscheidend ist für mich, was ein Spieler bei uns leistet." Und da hat Klose (48 Treffer in 94 Länderspielen) die Nase vorn: 2002 schoss er bei der WM-Endrunde fünf Tore, 2006 war er WM-Torschützenkönig, und in der Qualifikation für die WM 2010 war er mit sieben Treffern ebenfalls Toptorschütze - unter anderem gelang ihm das Tor zum 1:0-Sieg in Russland, das der Nationalelf endgültig das WM-Ticket sicherte.

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