Die Feuerwehr zeigt ihre mobilen Lautsprecher. Foto: Feuerwehr Stuttgart

Die Stuttgarter Feuerwehr informiert an drei Stellen in der Stadt über Warntechniken. Dabei zeigt sie auch, womit sie im Ernstfall für Aufmerksamkeit sorgen kann.

Stuttgart - Nina kriegt nicht alle wach. Deswegen verlässt sich der Katastrophenschutz nicht allein auf sie. Nina ist die Warnapp des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Abkürzung steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App. Wer ein Smartphone hat, kann sie darauf laden und bekommt dann von Wetter- bis Katastrophenwarnungen alles mit.

Mobile Sirenen sind im Einsatz

Was aber ist mit Menschen, die immer noch kein Smartphone haben, oder nachts, wenn viele ihr Handy aus- oder lautlos stellen? Spätestens dann brauchen die Katastrophenschützer einen Plan B, wie sie die Bevölkerung erreichen. Dann kommen unter anderem die Mobelas ins Spiel. Das sind mobile Lautsprecher- und Warngeräte, die sich die Feuerwehr einfach aufs Autodach heften kann – mit einer Magnetplatte. Wie sich das anhört, wenn die kleine weiße Kugel ertönt, das ist am Donnerstag beim bundesweiten Warntag auch in Stuttgart zu erleben.

Um 11 Uhr ertönt aus drei der vier Mobelas, über die die Feuerwehr Stuttgart verfügt, ein Sirenenton. Ältere Jahrgänge erinnern sich: Früher drang dieser auf – und absteigende Heulton einmal im Monat, meist am Samstag gegen Mittag, über die Dächer. Damals waren noch feste Sirenen in den Städten und Gemeinden installiert. Die Entwarnung kommt am Donnerstag beim großen Übungsfall natürlich auch kurz darauf.

Die Bevölkerung soll die Warnsysteme kennenlernen

Der Warntag ist in diesem Jahr zum ersten Mal angesetzt, und das bundesweit, um nicht nur die Bevölkerung für den Sirenenton zu sensibilisieren, den die Jüngeren vielleicht noch nie gehört haben. Auch Nina sollen die Menschen kennenlernen. „Man will einfach die Leute wieder fit machen in solchen Warnsystemen“, sagt Marina Hausch, bei der Feuerwehr Stuttgart für den Katastrophenschutz zuständig. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe habe den Bedarf festgestellt – angesichts einer zunehmenden Anzahl weltweiter Krisen und Naturkatastrophen. Deswegen sei der erste bundesweite Warntag angesetzt wordne, der fortan immer an jedem ersten Donnerstag im September sein. „Etwas größer hätten wir den ersten ja schon gestaltet, aber wegen Corona machen wir es halt nun nicht so aufwendig“, sagt Hausch.

Runde Kugeln auf dem Autodach sind die neuen Sirenen

An drei Punkten in der Stadt werden Feuerwehrfahrzeuge mit den runden Kugeln auf dem Dach stehen, die ungefähr so groß sind wie ein Fußball. Das sind die Mobelas, zu sehen und zu hören beim Hauptbahnhof, auf dem Schlossplatz und am Rotebühlplatz. Strom bekommen sie aus dem Zigarettenanzünder. Die Bedienung ist einfach: Mehrere Warntöne und Lautstärken stehen zur Auswahl, eine Anleitung liegt bei. mit einem Mikrofon kann die Alarmkugel als Lautsprecher genutzt werden. Somit könnte ihn die Feuerwehr im Ernstfall auch auf dem Dach ihres kleinsten Dienstfahrzeuges, ein Smart, einsetzen – die größeren haben ohnehin Lautsprecher an Bord für Durchsagen. Neben der Anleitung enthält die gepolsterte Alubox, in der die Mobela liegt, auch noch einen Umschlag mit Ohropax. „Stufe zwei ist im Fahrzeug drin schon sehr heftig“, sagt der Feuerwehrsprecher Christopher Haigis. Das Fenster müsse wegen der Kabel zur Kugel auf dem Dach schließlich offen bleiben.

Am Warntag stehen die Sirenen stehen an drei Stellen

Wie laut die Kugeln dröhnen, kann man am Donnerstag, 10. September, von 11 Uhr an hören. An den drei Punkten in der City stehen die Feuerwehrfahrzeuge für die Aktion am Warntag. Rund um die Fahrzeuge erhält man Informationen zur Warnapp Nina und zu anderen Möglichkeiten, sich auf dem Laufenden zu halten.

Die alten Sirenen wurden in den 1990er Jahren abgebaut

Die Sirenen, die früher auf Dächern standen, sind in Stuttgart seit 1994 endgültig Geschichte. Nach der Wiedervereinigung gab der Bund sie auf und stellte es den Kommunen anheim, ob sie sie weiter betreiben – und den Unterhalt finanzieren – wollten. Die meisten Verwaltungen entschieden sich dagegen. 380 Stück baute man in Stuttgart ab, in zwei Phasen in den Jahren 1992 und 1994. Wobei nicht restlos alle daran glauben mussten. Auf dem Dach der Feuerwache 1 im Heusteigviertel stehe noch eine, verrät der Pressesprecher Haigis. Sie sei aber – wie auf Wohnhausdächern nicht abgebaute Fernsehantennen – „nur noch Elektroschrott“. Ein paar Firmen in der Stadt, die mit gefährlichen Stoffen arbeiten, hätten noch Sirenen um bei Unfällen Mitarbeiter und Anwohner zu warnen. Aber sonst herrscht Ruhe über den Dächern der Stadt.

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