Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stellt mit Ute Lewitzka von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention eine Strategie vor, die Leben retten soll. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat kluge Ideen vorgelegt, mit denen Suizid vorgebeugt werden soll. Jetzt ist es Zeit zu handeln, kommentiert Berlin-Korrespondent Tobias Peter.

Es gibt wohl kaum einen so bewährten Lebensretter wie den Sicherheitsgurt im Auto. Seit in Deutschland die Anschnallpflicht gilt, ist die Zahl der Verkehrstoten – auch wegen dieser Maßnahme – deutlich gesunken. Anschnallen ist für die allermeisten Deutschen längst eine Selbstverständlichkeit.

 

Gegen Suizid gibt es leider kein so einfaches Mittel. Dass der Staat hier etwas tun muss, zeigen schon die Zahlen: Etwa 2800 Menschen sind im vergangenen Jahr durch Verkehrsunfälle gestorben. Durch Suizid sterben in Deutschland jedes Jahr 9000 Menschen – zuletzt waren es sogar 10 000. Diese Zahl erzählt von großer psychischer Not der Betroffenen, aber auch vom Leid der Familien und des Umfelds. Die Nationale Suizidpräventionsstrategie, die Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), jetzt vorgelegt hat, ist also überfällig.

Ein schmaler Grat

Lauterbach hat Recht, wenn er fordert, die Gesellschaft müsse das „Tabu von Tod und Suizid überwinden“. Es ist zwar ein schmaler Grat, auf dem sich die Politik nun bewegt. Denn Suizid soll durch Enttabuisierung nicht zu einer Art Normalität werden. Doch es braucht eben zwingend ein offenes Klima, in dem über Suizidgedanken gesprochen wird, damit Hilfe angeboten und organisiert werden kann. Deshalb ist eine sensibel gestaltete Aufklärungskampagne, wie sie in der Präventionsstrategie empfohlen wird, ein richtiger Weg. Verschweigen ist eine Sackgasse – für die Gesellschaft und den Einzelnen.

Schulungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege, eine zentrale Krisennotrufnummer, ein besseres Beratungsangebot auch für Angehörige – all das sind kluge Ideen, aus denen jetzt möglichst schnell Realität werden sollte. Dazu ist neben guter Organisation auch Geld notwendig. Der Minister hat ein stimmiges Konzept vorgelegt. Jetzt muss er liefern. Es geht darum, Leben zu retten.