StN-Redakteur Tom Hörner bringt schwäbische Seiten der Autorin und Schauspielerin Natalia Wörner zum Vorschein “ Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mit 18 Jahren verließ sie Bad Cannstatt und wurde zu einer international erfolgreichen Schauspielerin. Jetzt besinnt sich Natalia Wörner auf ihre Wurzeln – und hat diese Erinnerungen in dem Buch „Heimat Lust“ notiert.

Stuttgart - Es ist ein echtes Heimspiel für Natalia Wörner. Denn ans Buchhaus Wittwer hat die bundesweite Film- und Fernsehakteurin („Unter anderen Umständen“) „so viele Erinnerungen, hier war ich oft als Zwischenstation auf meinem Schulweg“, sagt die 47-Jährige. Vom Heimspiel zu Heimat ist es nicht weit – „Heimat Lust“ heißt denn auch ihr Premierenwerk, das sie an diesem Nachmittag im Gespräch mit StN-Redakteur Tom Hörner vorstellt. Das Interesse ist enorm, eilig müssen noch ein paar Stühle herbeigeschafft werden, dennoch bleibt einigen der 80 Zuhörer nur der Stehplatz.

Ganz zu Anfang darf die Schauspielerin zunächst einmal ihre Cannstatt-Kenntnisse unter Beweis stellen. Trefflich setzt sie den schwäbischen Gassenhauser fort: „Zwischa Cannstatt ond Schduagert, do gibt’s a Tunell“, so Hörner – und dann Wörner: „Wenn mr neifährt, werd’s donkel, wenn mr nausfährt, werd’s hell!“

Offenkundig hat die gebürtige Stuttgarterin (7. September 1967 in der Sankt-Anna-Klinik) ihr Schwäbisch immer noch drauf. Dabei gibt sie durchaus zu, dass auf der Schauspielschule schon gewisse Anstrengungen nötig waren – weniger den eigentlichen Dialekt betreffend denn auf den „alemannischen Singsang“ bezogen.

Fast 30 Jahre ist es her, seit sie mit 18 Jahren das heimische Fünf-Frauen-Haus mit vier Generationen unter einem Dach in der Kreuznacher Straße verließ. Der nahe gelegene Kurpark war damals ein beliebtes Spielgelände für Natalia, „mein Abenteuerspielplatz, den ich als Anführerin meiner Bande von Nachbarskindern täglich durchstreifte“.

„War es Heimatfrust, der Sie einst aufbrechen ließ?“, möchte Hörner wissen. Ja, die Enge habe sicher auch eine Rolle gespielt, sagt sie, aber vor allem war es die Neugier auf das Leben und die Welt, der Abenteuertrieb, weshalb sie nach dem Abitur (mit Politik-Leistungskurs) erst Model und später Schauspielerin wurde. „Mit 18 war ich flügge!“ Und: „Das Modeln war mein Ticket zum Glück, ich habe damit die Schauspielschule finanziert – man kann es so beschreiben: Mit dem Modeln habe ich mich angefreundet, habe es aber nie geliebt.“ All das beschreibt sie auch in ihrem Buch: die vielen Begegnungen und Freundschaften mit Persönlichkeiten, die Beziehung zum weltberühmten Jazzmusiker John Lurie, bei dessen Konzert mit den Lounge Lizzards er auf der Bühne der Liederhalle stand, sie unten erblickte – und die Liebe auf den ersten Blick sofort entflammt war. Ihre persönliche Geschichte verknüpft sie dabei mit landeshistorischen Ausflügen – und wissenswerten Anmerkungen über Details ihrer Heimatstadt, die auch so manchen Stuttgart-Kenner noch zu überraschen vermögen.

Die aktuelle Rückbesinnung auf die Wurzeln kam aber insbesondere durch den ersten Film „Die Kirche bleibt im Dorf“. Diese Produktion sei „ein reines Vergnügen“ gewesen, „wie wenn man in einen warmen Swimmingpool reinspringt“. In dem Film geht es um die Rivalität zweier Dörfer. „Sie sind dort viel auf dem Traktor unterwegs“, sagt Hörner, „als ob Sie es ihr Lebtag getan hätten.“ Tatsächlich hat sie das in ihrer Jugend während einer Ferienfreizeit im norddeutschen Querenstede gelernt: Als die Regisseurin Ulrike Grote nun ein entsprechendes Training ansetzte, sagte Wörner selbstbewusst: „Zum Üben komme ich gerne, aber ich kann das schon.“ Tatsächlich mussten dann aber doch ein paar neue Handgriffe fürs Schalten gelernt werden. Dennoch: „Beim Traktorrennen hab’ ich gewonnen.“

In dem kurzweiligen Gespräch an diesem Nachmittag plaudert sie noch ein wenig über Karl Lagerfeld und dessen hervorragende Fotosession mit ihr, deren Ergebnisse 2011 im „Playboy“ zu sehen waren. „Ich habe die Fotos noch nicht gesehen“, räumt Hörner ein. „Da haben Sie was verpasst“, kontert Wörner schlagfertig. Und es geht um den Neckar, den „wilden Gesell“, wie er nach Wörners Recherchen einst genannt wurde.

Nach der knapp halbstündigen Plauderei und Fragerei signiert Natalia Wörner Bücher und lässt sich immer wieder bereitwillig von Besuchern zum gemeinsamen Foto mit der Handykamera ablichten – neugierig beobachtet von ihrem danebenstehenden Sohn Jacob.

Mit ihrem Erstlingswerk ist sie sichtlich zufrieden. „Es war eines der aufregendsten Gefühle meines bisherigen Lebens“, sagt sie, „als das Paket mit den neuen Büchern bei mir daheim ankam, war ich erst mal zehn Minuten nur still.“ Ihr Kurztrip in die Heimat bereitet ihr erkennbar Vergnügen. Kein Wunder, wenn man am Abend zuvor, bei einer Lesung in Reutlingen, durch einen Besucher ein solches Kompliment fürs Buch ernten durfte: „Des isch dr Hammer, des wird Kult!“

In der Reihe „Württemberger Köpfe“ unterhält sich Natalia Wörner am Freitag, 26. Juni, um 19 Uhr im Landesmuseum Württemberg mit Thomas Brune, Leiter der Fachabteilung Volkskunde.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: