Unter der Maske steckt dieses Jahr Jürgen Bolkart. Foto: Georg Linsenmann

Mit dem Abstauben starten die Weilemer Hörnleshasain die heiße Phase der „fünften Jahreszeit“.

Stuttgart-Weilimdorf - Tradition will gepflegt sein, auch wenn sie noch recht frisch ist. Also sorgten die Aktiven der jungen „Narrenzunft Weilemer Hörnleshasa“ am mausgrauen späten Sonntagnachmittag für buntes Gewusel am Hörnleshasenbrunnen, wo sie sich Punkt 17.01 Uhr zum traditionellen, für die schwäbisch-alemannische Fasnacht obligatorischen Abstauben der Montur für das närrische Treiben einfanden. Unterwegs sind die Hörnleshasa zwar schon seit dem „11. 11.“, die Narrenkostüme dürfen aber erst mit dem Abstauben an Dreikönig getragen werden, bevor sie zu Aschermittwoch wieder im Schrank verschwinden.

„Jetzt haben wir lang genug gewartet, jetzt geht es endlich los!“ schaffte so etwa Thomas Geiger seinem Lampenfieber Luft, bevor Zunftmeister Volker Blanke mit Kristine Ihl die hibbeligen Hörnleshasa zur Abstauberei zusammenrief. Für das Duo war das eine Premiere, und es war durchaus spürbar, wie die neuen Vorstände sich alle Mühe gaben, frischen Wind in die alte Prozedur zu bringen. Zumal es dieses Jahr eine weitere Premiere gab: Bauer Gerlach, legendenhafte Symbolfigur des Stadtteils und der Hörnleshasa, wird nun von Jürgen Bolkart verkörpert. Die Hände auf der Maske mit der wallenden Haarpracht, ließ er sich nicht nur artig einschwören, sondern auch die ausgiebige Abstauberei von allen Seiten geduldig über sich ergehen. Dann aber waren die Hasen dran! Vorneweg die jüngsten, mit dem vierjährigen Tom Pallas voran. Ein geübter Junghas, schon im Kinderwagen dabei. Besonders aufregend war die Prozedur für die älteste unter den Junghasen, für die 13-jährige Jacqueline Joos. Von Beginn an, also seit 2005 ein Hörnleshas, darf sie nun statt der Kindermaske eine richtige, aus dem weichen Holz der Weymuth-Kiefer geschnitzte Has-Maske tragen.

Für die Junghasen ein Hasentäschle mit Proviant

Doch zuerst musste das gute Stück durch den Narren-TÜV! Schmucke, ausladende Löffeln, nur leicht geknickt und gar nicht schlapp, aparte Hörnchen und schelmisches Gesicht. Ein Wischer über die Nase – und schon erging der Ruf: „Solla mer se aufnehma?“ Was von der Hasenschar mit schallendem „Jawohl!“, wildem Gehüpfe und tosendem Geschelle beantwortet wurde. Dann gab es zum ersten Mal für die Junghasen ein Hasentäschle mit Proviant: mit Möhrchen sowieso, mit Glühwürmchen und Gummibärchen als Zugabe.

Zügig verlief danach das Abstauben der restlichen Hasenschar. Jeder Einzelne von Haswirtin Kristine Ihl launig umtanzt: Keine Hochwasserhosa? Schöner weißer Bürzel? Sauberes Kuschelfell? Die angenähten Täschchen: „Sauber genäht: Kann durchgehen!“ Das Laub an den Schuhen: „Des muss weg!“ Und die Zwillingsmöhre: „Sieht gut aus!“ Ratzfatz waren so die Hasen geprüft und von den Löffeln bis zu den Hinterpfoten abgestaubt.

Dann noch schnell das feierliche Gelöbnis, der Fasnet zu frönen, „bis der Hörnleshasbrunnen überläuft“ oder bis den Hasen „die Asche auf den Kopf fällt“. Und schon begab sich die Hasenschar ins gegenüberliegende Gasthaus, wo sie sich auf das nächste Ereignis einstimmte. Denn am Samstag, 11. Januar, ist Hörnleshasanacht in der Lindenbach-Halle. Großer Hasenauftrieb also mit Guggenmusik-Event. Ganz nach dem Motto der Fasnacht: „Jedem zur Freud, niemand zum Leid.“

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