Auch wenn die Fasnetszeit vorbei ist, schwelen Konflikte bei der Narrenzunft Donner-Hexen. Einige Mitglieder haben den Verein verlassen. Was sind die Gründe?
Während der Fasnet sind sie mit ihren Tanz-Auftritten ein Aushängeschild der Narrenzunft der Donner-Hexen, die Donner-Funken. In ihren blauweißen Kostümen mit langen schwarzen Zopf-Perücken springen sie in einem neuen Instagram-Beitrag fröhlich gemeinsam in den Spagat. Mit dem Video sucht der Verein neue Tänzerinnen für Marsch- und Schautanz ab 16 Jahren. Doch die fröhliche Atmosphäre, die hier verbreitet wird, ist bei einigen längst vorbei. Sie sind ausgetreten. Was ist passiert?
Bei den Donner-Hexen, einer Narrenzunft, die es seit 2005 im Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen gibt, schwelen offenbar schon länger Konflikte, wie einige ehemalige Mitglieder gegenüber unserer Zeitung erzählen. Sie wollen anonym bleiben, möchten aber, dass die Öffentlichkeit von den aus ihrer Sicht „unhaltbaren Zuständen“ des Vereins erfährt. Betroffene sprechen von mutmaßlicher Verunglimpfung durch die Trainerinnen der Tanzgarde, einem harschen Umgangston bei Proben und immer wieder respektlosen, verletzenden Äußerungen und das nicht nur über soziale Netzwerke.
Auf Nachfrage erklärt der Vorsitzende der Donnerhexen, Paul Benthin, zu den Vorwürfen zum Umgang der Trainerinnen mit den Tanzenden, dass er sich zu einzelnen Personen nicht öffentlich äußern wolle und bittet hierfür um Verständnis. Aber Grundsätzlich gelte: „Hinweise auf Unstimmigkeiten nehmen wir ernst und gehen diesen im persönlichen Gespräch nach.“ Der Vorstand stehe im engen Austausch mit den Verantwortlichen und sei jederzeit bestrebt, ein konstruktives und respektvolles Vereinsklima sicherzustellen, teilt der Vorstand schriftlich mit.
Vorstand legt Wert auf „offenen und respektvollen Austausch“
Wie in jedem leistungsorientierten Gruppen könne es, so Benthin, im Training auch zu kritischen Rückmeldungen kommen. „Diese verstehen wir als Teil der gemeinsamen Weiterentwicklung.“ Gleichzeitig lege man großen Wert darauf, dass ein offener und respektvoller Austausch stattfinde. „Diese Kultur wird in unserem Verein aktiv gepflegt und von allen Mitgliedern erwartet“, erklärt der Vorstand.
Ehemalige Mitglieder sehen das anders
Das sehen ehemalige Mitglieder anders. Wie sie berichten, habe es in der Tanzgarde wohl viele verbale persönliche Verletzungen unterhalb der Gürtellinie gegeben. Gespräche mit dem Vorstand hätten nach ihren Äußerungen nicht gefruchtet. Im Gegenteil: Der Vorstand habe die Trainerinnen weiterhin im Amt belassen.
Die Folge: Tänzerinnen sind frustriert und enttäuscht ausgetreten oder es wurde eigenen Angaben zufolge ohne Grund die Mitgliedschaft gekündigt. Von zuletzt zwölf Tänzerinnen seien in der jüngsten Zeit sechs gegangen. Zur aktuellen Zahl machte Benthin auf Nachfrage keine Angaben. Eine ist in einen anderen Fasnetsverein gewechselt und sagt, sie habe damit abgeschlossen. Andere kämpfen noch mit psychischen Problemen nach für sie empfundenen massiven Anschuldigungen durch die Trainerinnen.
Nachgefragt zu den Vereinsaustritten erklärt Benthin für den Vorstand: In Vereinen mit saisonalem Schwerpunkt seien Ein- und Austritte nichts Ungewöhnliches. Insgesamt verzeichnen die Donner-Hexen seit Jahren eine stabile und positive Entwicklung der Mitgliederzahlen.
Strafkasse für Zuspätkommen und fehlende Mithilfe
Auch die vor einiger Zeit bei der Tanzgarde eingeführte Strafkasse habe die Situation nicht besser gemacht, erzählen ehemalige Mitglieder. Im Gegenteil. Pro Minute Zuspätkommen wurde ein Euro verlangt. Für fehlende Mithilfe bei Veranstaltungen gar 50 Euro. „Strafkassen passen nicht in einen Hobbyverein“, sagt eine Betroffene.
Zu den organisatorischen Regelungen erklärt Benthin, dass es im Verein interne Absprachen zur Unterstützung bei Veranstaltungen gebe. Die Beiträge kämen vollständig der Gemeinschaft zugute und würden die Leistungen derjenigen würdigen, die sich über das Jahr hinweg bei Veranstaltungen engagiert hätten.
Die ausgetretenen Mitglieder sahen sich dadurch gegängelt und sahen keinen Sinn in den Strafgeldern.
Ehemalige Mitglieder haben respektvollen Umgang vermisst
Für die Tanzgarde der Donner-Funken, die ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens seien und wesentlich dazu beitrügen, das Brauchtum zu pflegen und den Veranstaltungen Leben und Freude zu verleihen, seien Einsatz, Disziplin, Motivation und ein respektvoller Umgang miteinander erforderlich, sagt Benthin. Ehemalige Mitglieder haben letzteres vermisst und sind deshalb gegangen.