Volles Haus beim Narrensprung in Weil der Stadt: Wenn das Rathaus gestürmt wird, ist die ganze Stadt auf den Beinen. Foto: Ralf Recklies

Der Schultes der Keplerstadt kämpft in diesem Jahr als Chris Skywalter gegen die Macht des Bösen und verteidigte sich beim Rathaussturm gegen die vorgebrachten Anschuldigungen.

Begleitet von einem donnernden Schlag und splitterndem Holz haben die Hexen der Weil der Städter Narrenzunft AHA am Sonntag beim traditionellen Narrensprung das Tor zum Rathaus der Keplerstadt mit einem riesigen Rammbock aufgebrochen und sich so Zugang zum Weiler Zentrum der Macht verschafft. Anschließend wurde Bürgermeister Christian Walter an einem Seil aus seinem Amtszimmer auf den Wagen des AHA-Siebenerrats geführt, wo er sich zu den zuvor gehörten Anschuldigungen äußern konnte.

 

Schließlich, so hatte es Zunftmeister Tobias Forstenhäusler ausgeführt, hatten sich der Weil der Städter Bürgermeister und der Erste Beigeordnete Jürgen Katz im vergangenen Jahr wieder zahlreicher Vergehen schuldig gemacht. Schindluder getrieben hat das seit 2020 amtierende Stadtoberhaupt, wie Tobias Forstenhäusler bei seiner ersten Anklage als neu amtierender Zunftmeister vorbrachte.

Anklagepunkte: Kein Geschenk für die Feuerwehr, teure LED-Lampen

Dass Walter just am 11.11. vergangenen Jahres eine Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses angesetzt hatte und damit auch Mitglieder des AHA-Siebenerrats zum Start in die fünfte Jahreszeit fehlten, dass kurz vor der Fasnet Schulcontainer bei der Baustelle am Schulzentrum aufgestellt wurden und somit bei der Fasnet stören oder dass es für die Jugendfeuerwehr zu deren 40-jährigen Bestehen kein Geschenk seitens der Stadt gab – all das wurde dem Schultes lautstark zur Last gelegt. Dass die Aussage, das neue Feuerwehrgerätehaus sei das Geschenk, keine Ausrede sei, machte Forstenhäusler auch mit dem Versprechen deutlich, dass die Narren der Jugendfeuerwehr „40 Euro und 40 Cent spende – und damit mehr, als sie von Dir erhalten haben.“

Schultes Christian Walter alias Chris Skywalter muss bis zum Aschermittwoch das Rathaus räumen. Foto: Ralf Recklies

Den Narren stieß aber auch auf, dass Walter gleich am Tag nach dem Stadtfest in Elternzeit verschwunden sei, „ohne beim Aufräumen zu helfen“. Und auch die Umrüstung der rund „3000 Pfosten Straßenbeleuchtung auf LED“ für rund eine Million Euro war für Forstenhäusler Grund zur Anklage. „Für so nen Schultes ist kein Platz mehr da“, resümierte der Zunftmeister und ließ den Verwaltungschef aus dem Rathaus bringen.

Als Skywalter lehnt sich Bürgermeister Chris gegen das Imperium auf

Der als Chris Skywalter auftretende Bürgermeister ließ die Vorwürfe als Vertreter des Guten nicht auf sich sitzen, „denn das Imperium aus Bund, Land und Kreis macht viel Scheiß“, so Skywalter, der viele der gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen auf die Bürokratie und Entscheidungen der höheren Ebene schob. „Verbal aufbegehren gegen die dunkle Seite der Macht hat für uns aber net so viel gebracht“, donnerte Chris Skywalter, der das Städtle trotz allem auf einem guten Weg sieht.

Bei Bauhof und Kita gehe es voran, ebenso bei privaten Projekten, wie dem Neubau eines Baumarktes, „und auch bei der Krone Post am Marktplatz tut sich bald was“, versprach der Schultes. Eine Entschuldigung hatte Skywalter nur für eine Sache: Dass er es über Jahre versäumt hatte, seine längst ausgefüllte Beitrittserklärung zur Narrenzunft abzugeben. Das holte er im Zuge der Übergabe des Rathausschlüssels an den Zunftmeister nach.

Vorgeschmack auf den großen Umzug am Fasnetssonntag

Tausende hatten das Spektakel des Narrensprungs samt Rathaussturm verfolgt, bei dem die AHA-Masken- und verschiedene Musikgruppen zum Auftakt über die Stuttgarter Straße zum Marktplatz gezogen waren und eine Woche vor dem großen Umzug bereits einen Vorgeschmack auf das bunte Treiben gegeben haben, das zur Fasnetshochsaison in der Keplerstadt herrschen wird.