Musik, Garde, Siebenerrat und jede Menge Zuschauer: Proppenvoll ist der Markplatz in Weil der Stadt zum Narrensprung. Foto: Simojn Granville

Beim Narrensprung nehmen die Narren am Sonntagnachmittag das Weiler Rathaus ein – und „Donald Trump“, alias Bürgermeister Christian Walter, die Macht. Der abgesetzte Rathauschef meint nur: „Es ist wie immer, alles wird schlimmer.“

Die Sonne, die immer wieder hinter den Wolken hervorblitze, hielt den Wind zumindest etwas in Schach. Zum Narrensprung in Weil der Stadt sind tausende Zuschauer auf den Marktplatz in der Altstadt gekommen und haben einen der Höhepunkte der Fasnet in der Fasnetshochburg gefeiert – am Sonntag in einer Woche folgt dann der große Umzug.

 

Nach der Übernahme des Rathauses ließen die Windböen „Akten, Verordnungen und den sonstigen Mist aus dem Rathaus“ fröhlich durch die Luft wirbeln. Zuvor prophezeite Zunftmeister Daniel Kadasch nach dem letzten Anklagepunkt seiner Rede der Rathausleitung: „Unsere Hexen bringen jedes Törle zum Krachen“. So hielt die Rathaustür dem Rammbock der Hexen auch nicht lange Stand und die Narren konnten beim Sturm des Rathauses rasch zu Christian Walter vordringen und die Büros vom unnötigen Papierkram entrümpeln, der kurzerhand durch die Fenster entsorgt wurde. Der Bürgermeister, verkleidet als Donald Trump – mit rot-weißer Baseball-Kappe unter der eine wilde blonde Haarsträhne heraushing – wartete bereits im Rathaussaal auf die Narren. Von dort oben hörte er sich zuvor die Anklage des Zunftmeisters an.

In seiner Rede prangerte Daniel Kadasch nicht nur die fehlenden Veränderungen im Städtle an, sondern verwies auch auf Lost Places wie den Baumarkt und das Hotel Krone Post, wo sich immer noch nichts tue. „S‘ Geld wird verschwendet, so schnell kommt’s gar net in die Stadtkass nei und verantwortlich hierfür send die da oben, die zwei“, beschuldigte Kadasch den Bürgermeister und den Ersten Beigeordneten Jürgen Katz. „Ob Katz, ob Walter, des isch komplett egal, für uns Narra send beide a große Qual“, machte Kadasch klar und fügte hinzu: „Ideen haben der Christian und der Jürgen zwar a Mass, doch die meisten machen unseren Narren gar koin Spaß“. Beispiele dafür – wie die Erhöhung der Grundsteuer, teure Parkkosten und das neue Stadtlogo – hatte er parat.

Der Hexenmeister Jürgen Bäuerle brachte nach dem erfolgreichen Sturm den Schultes samt Stadtschlüssel auf den Zunftwagen, wo Christian Walter erklärte: „Was der Sturm aufs Kapitol in den USA, ist wohl der Narrensprung in Weil der Stadt.“ Doch ohne Anwalt wollte der Bürgermeister nichts sagen, räumte aber ein: „Es ist wie immer, alles wird schlimmer.“

Bei der Schlüsselübergabe an den Zunftmeister setzte er noch hinzu: „Make Weil der Stadt great agänn“, frei nach dem Wahlspruch Trumps. Mit dem Generalschlüssel zu allen Türen, Toren, Amtszimmern, Besenkammern und dem Hinterzimmer der Keplerstadt in der Hand ist es vollbracht, über die Stadt haben wieder die Narren alle Macht. Nach drei kräftig donnernden AHAs sorgten die Musiker der Kapellen für gute Unterhaltung und beste Stimmung auf dem gut gefüllten Marktplatz - über dem die bunten Wimpel im Wind flatterten.

Termine So geht’s weiter in die närrische Woche in Weil der Stadt: Schmotziger und närrische Sitzung, 8. Februar, 19 Uhr im Rathaus. Der große Umzug findet statt am 11. Februar, 14 Uhr, der Kinderumzug am 13. Februar, 14 Uhr, Käpselesball, 15 Uhr in der Festhalle und zum Abschluss die Fasnetsverbrennung am 14. Februar, 24 Uhr am Narrenbrunnen. Mehr Infos gibt es im Internet unter: https://www.narrenzunft-aha.de/#!/termine/